BUNDESGERICHTSHOF IM NAMEN DES VOLKES URTEIL VI ZR 247/08 Verk374ndet am: 10. November 2009 B366hringer-Mangold, Justizamtsinspektorin als Urkundsbeamtin der Gesch344ftsstelle in dem Rechtsstreit Nachschlagewerk: ja BGHZ: nein BGHR: ja BGB 247 199 Abs. 1 Nr. 2 Zu den Voraussetzungen der grob fahrl344ssigen Unkenntnis eines Patienten von den einen Schadensersatzanspruch wegen eines 344rztlichen Behandlungsfeh-lers begr374ndenden Umst344nden. BGH, Urteil vom 10. November 2009 - VI ZR 247/08 - OLG Bremen LG Bremen - - 2 Der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die m374ndliche Verhandlung vom 10. November 2009 durch den Vorsitzenden Richter Galke, die Richterin Diederichsen, die Richter Pauge und St366hr und die Richterin von Pentz f374r Recht erkannt: Auf die Revision der Kl344gerin wird das Urteil des 5. Zivilsenats des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Bremen vom 20. August 2008 aufgehoben. Die Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch 374ber die Kosten des Revisionsverfahrens, an das Berufungsge-richt zur374ckverwiesen. Von Rechts wegen Tatbestand: Die Kl344gerin begehrt von der Beklagten zu 1 als Kliniktr344gerin und dem Beklagten zu 2 als behandelndem Arzt mit der im Jahre 2007 erhobenen Klage Ersatz materiellen und immateriellen Schadens wegen behaupteter Behand-lungsfehler bei der Geburt ihres Kindes am 16. Mai 1998. Bei dieser Entbindung 1 - - 3 kam es infolge des Einsatzes einer Geburtszange zu einem Dammriss sowie einem Riss des unteren bis mittleren Vaginaldrittels. Die aufgrund dessen erfor-derlichen N344hte setzte der Beklagte zu 2. Die Kl344gerin macht geltend, durch fehlerhaftes 344rztliches Vorgehen seien Vernarbungen im Vaginalbereich einge-treten, die seit der Entbindung schmerzhaft seien und unter denen sie bis heute leide. Dass ihre Beschwerden auf eine fehlerhafte Behandlung zur374ckzuf374hren seien, habe sie erst durch den Hinweis einer Gyn344kologin am 23. Juni 2006 erfahren. Die Beklagten haben u.a. die Einrede der Verj344hrung erhoben. Die Klage hatte in den Tatsacheninstanzen keinen Erfolg. Mit ihrer vom erkennenden Senat zugelassenen Revision verfolgt die Kl344gerin ihr Klagebe-gehren weiter. 2 Entscheidungsgr374nde: I. Das Berufungsgericht ist der Auffassung, die Anspr374che der Kl344gerin seien verj344hrt. Zwar best374nden Bedenken gegen die Annahme des Landge-richts, dass Verj344hrung bereits im Jahr 2001 eingetreten sei, weil sich die Kl344-gerin so behandeln lassen m374sse, als habe sie bereits seit der Entbindung Kenntnis im Sinne von 247 852 BGB a.F. gehabt, doch seien sowohl deliktische als auch vertragliche Anspr374che der Kl344gerin jedenfalls gem344337 247 199 Abs. 1 BGB n.F. mit Ablauf des 31. Dezember 2004 verj344hrt. Die seit dem 1. Januar 2002 (Art. 229 247 6 Abs. 1 Satz 1, Abs. 4 EGBGB) f374r den Beginn der Verj344h-rung gen374gende grob fahrl344ssige Unkenntnis sei vorliegend deutlich vor dem 31. Dezember 2001 erf374llt. Grobe Fahrl344ssigkeit sei anzunehmen, wenn im Ein-zelfall einfachste, ganz naheliegende 334berlegungen nicht angestellt w374rden und 3 - - 4 das au337er Acht gelassen werde, was jedem einleuchte. Hier sei zu ber374cksich-tigen, dass die Kl344gerin gleich nach der Behandlung im Krankenhaus unter er-heblichen Schmerzen und Beschwerden gelitten habe, die ihr t344gliches Leben in hohem Ma337e beeintr344chtigten und mit denen sie st344ndig konfrontiert sei. Trotz zahlreicher 344rztlicher Untersuchungen und Behandlungen habe sich kei-nerlei Besserung eingestellt; eine operative Beseitigung der Beschwerden im Hinblick auf die festgestellte Narbenbildung sei erwogen worden. Es sei offen-sichtlich gewesen, dass die von der Kl344gerin geschilderten Beschwerden auch nach einer schweren Geburt keineswegs dem normalen Verlauf entsprochen h344tten. Deshalb h344tte es unmittelbar auf der Hand gelegen, in den Jahren nach der Entbindung einem der behandelnden 304rzte wenigstens einmal die Frage zu stellen, ob m366glicherweise bei der Behandlung im Krankenhaus irgendein Feh-ler unterlaufen sein k366nnte. Auch sei unklar geblieben, weshalb die Kl344gerin gerade aufgrund des Gespr344chs mit der Gyn344kologin im Jahr 2006 einen 344rztli-chen Behandlungsfehler in Betracht gezogen habe, denn diese habe gegen-374ber den der Kl344gerin bereits bekannten Tatsachen nichts wesentlich Neues beigesteuert, sondern ihr nur mitgeteilt, dass der fragliche Vaginalbereich hin-sichtlich der Naht nicht gut aussehe und nicht in Ordnung sei. II. Das angefochtene Urteil h344lt der revisionsrechtlichen Nachpr374fung nicht stand. 4 1. Rechtsfehlerfrei hat das Berufungsgericht f374r die Zeit bis zum 31. De-zember 2001 die Verj344hrung nach Ma337gabe der bis zu diesem Zeitpunkt gel-tenden Vorschriften gepr374ft. Seine Beurteilung, die Kl344gerin habe nicht schon seit der Entbindung im Jahr 1998 positive Kenntnis von dem Schaden gehabt 5 - - 5 und m374sse sich auch nicht so behandeln lassen, ist aufgrund der getroffenen Feststellungen aus Rechtsgr374nden nicht zu beanstanden und wird von der Re-vision als ihr g374nstig hingenommen. 6 a) Wie der erkennende Senat wiederholt ausgesprochen hat, kann die Kenntnis vom Schaden i.S.d. 247 852 Abs. 1 BGB a.F. (247 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB n.F.) nicht schon dann bejaht werden, wenn dem Patienten lediglich der negati-ve Ausgang der 344rztlichen Behandlung bekannt ist (Senatsurteile vom 20. Sep-tember 1983 - VI ZR 35/82 - VersR 1983, 1158, 1159; vom 23. April 1985 - VI ZR 207/83 - VersR 1985, 740, 741; vom 29. November 1994 - VI ZR 189/93 - VersR 1995, 659, 660 und vom 3. Februar 1998 - VI ZR 356/96 - VersR 1998, 634, 636). Denn das Ausbleiben des Erfolgs 344rztlicher Ma337nah-men kann in der Eigenart der Erkrankung oder in der Unzul344nglichkeit 344rztlicher Bem374hungen seinen Grund haben. Deshalb geh366rt zur Kenntnis der den An-spruch begr374ndenden Tatsachen das Wissen, dass sich in dem Misslingen der 344rztlichen T344tigkeit das Behandlungs- und nicht das Krankheitsrisiko verwirk-licht hat (Senatsurteil vom 23. April 1991 - VI ZR 161/90 - VersR 1991, 815, 816). Hierzu gen374gt es nicht schon, dass der Patient Einzelheiten des 344rztlichen Tuns oder Unterlassens kennt, wie hier den Einsatz der Geburtszange, das N344-hen des Risses oder das Unterlassen einer Sectio. Vielmehr muss ihm aus sei-ner Laiensicht der Stellenwert des 344rztlichen Vorgehens f374r den Behandlungs-erfolg bewusst sein. Deshalb begann die Verj344hrungsfrist gem344337 247 852 BGB a.F. nicht zu laufen, bevor nicht der Patient als medizinischer Laie Kenntnis von Tatsachen erlangt hatte, aus denen sich ergab, dass der Arzt von dem 374blichen 344rztlichen Vorgehen abgewichen war oder Ma337nahmen nicht getroffen hatte, die nach 344rztlichem Standard zur Vermeidung oder Beherrschung von Kompli-kationen erforderlich gewesen w344ren (st. Rspr., vgl. Senatsurteile vom 23. April 1985 - VI ZR 207/83 - aaO; vom 23. Februar 1988 - VI ZR 56/87 - NJW 1988, 1516, 1517 - insoweit in VersR 1988, 495 nicht abgedruckt; vom 23. April 1991 - - 6 - VI ZR 161/90 - aaO; vom 29. November 1994 - VI ZR 189/93 - aaO; vom 3. Februar 1998 - VI ZR 356/96 - aaO und vom 31. Oktober 2000 - VI ZR 198/99 - VersR 2001, 108, 109 - insoweit in BGHZ 145, 358 nicht abgedruckt; BGH, Urteil vom 24. Juni 1999 - IX ZR 363/97 - VersR 1999, 1149, 1150). Die-se Kenntnis ist erst vorhanden, wenn die dem Anspruchsteller bekannten Tat-sachen ausreichen, um den Schluss auf ein schuldhaftes Fehlverhalten des Anspruchsgegners und auf die Ursache dieses Verhaltens f374r den Schaden bzw. die erforderliche Folgeoperation als naheliegend erscheinen zu lassen (Senatsurteile vom 27. Oktober 1970 - VI ZR 66/69 - VersR 1971, 154, 155; vom 3. Juni 1986 - VI ZR 210/85 - VersR 1986, 1080, 1081 und vom 23. Febru-ar 1988 - VI ZR 56/87 - aaO). Denn nur dann w344re dem Gesch344digten die Er-hebung einer Schadensersatzklage, sei es auch nur in Form der Feststellungs-klage, Erfolg versprechend, wenn auch nicht risikolos, m366glich (st. Rspr., vgl. Senatsurteile vom 31. Januar 1995 - VI ZR 305/94 - VersR 1995, 551, 552 und vom 14. Oktober 2003 - VI ZR 379/02 - VersR 2004, 123 m.w.N.; BGH, Urteil vom 23. September 2008 - XI ZR 395/07 - NJW 2009, 587, 588). Dass die Kl344-gerin hier von Umst344nden wusste, die die Haftpflicht begr374ndeten, hat das Be-rufungsgericht nicht festgestellt. b) Die getroffenen Feststellungen rechtfertigen auch nicht die Annahme, die Kl344gerin habe sich rechtsmissbr344uchlich einer sich aufdr344ngenden Kenntnis verschlossen. Allerdings steht es nach der Rechtsprechung des Senats der vom Gesetz geforderten positiven Kenntnis gleich, wenn der Gesch344digte diese Kenntnis nur deswegen nicht besitzt, weil er vor einer sich ihm ohne Weiteres anbietenden, gleichsam auf der Hand liegenden Erkenntnism366glichkeit, die we-der besondere Kosten noch nennenswerte M374he verursacht, die Augen ver-schlossen hat (st. Rspr., vgl. Senatsurteile vom 24. M344rz 1987 - VI ZR 217/86 - VersR 1987, 820; vom 15. Dezember 1987 - VI ZR 285/86 - VersR 1988, 465, 466; vom 16. Mai 1989 - VI ZR 251/88 - VersR 1989, 914, 915; vom 10. April 7 - - 7 1990 - VI ZR 288/89 - VersR 1990, 795, 796; vom 20. September 1994 - VI ZR 336/93 - NJW 1994, 3092, 3093; vom 29. November 1994 - VI ZR 189/93 - aaO; vom 31. Januar 1995 - VI ZR 305/94 - aaO; vom 6. M344rz 2001 - VI ZR 30/00 - VersR 2001, 866, 867; vom 8. Oktober 2002 - VI ZR 182/01 - VersR 2003, 75, 76 und vom 14. Oktober 2003 - VI ZR 379/02 - aaO, S. 123 f.). Diese Rechtsprechung betrifft aber nur F344lle, in denen letztlich das Sichberufen auf die Unkenntnis als F366rmelei erscheint, weil jeder andere in der Lage des Ge-sch344digten unter denselben konkreten Umst344nden die Kenntnis gehabt h344tte (vgl. Senatsurteile BGHZ 133, 192, 198 ff.; 150, 94, 97 f.; vom 5. Februar 1985 - VI ZR 61/83 - VersR 1985, 367, 368 f.; vom 16. Mai 1989 - VI ZR 251/88 - aaO; vom 6. Februar 1990 - VI ZR 75/89 - VersR 1990, 539; vom 20. Septem-ber 1994 - VI ZR 336/93 - aaO; vom 16. Dezember 1997 - VI ZR 408/96 - VersR 1998, 378, 380; vom 17. November 1998 - VI ZR 32/97 - VersR 1999, 585, 587; vom 18. Januar 2000 - VI ZR 375/98 - VersR 2000, 503, 504; vom 12. Dezember 2000 - VI ZR 345/99 - VersR 2001, 381, 382; vom 6. M344rz 2001 - VI ZR 30/00 - aaO; vom 8. Oktober 2002 - VI ZR 182/01 - VersR 2003, 75, 76 und vom 14. Oktober 2003 - VI ZR 379/02 - aaO). In diesem Fall gelten die ma337gebenden Umst344nde in dem Augenblick als bekannt, in dem der Gesch344-digte auf die entsprechende Erkundigung hin die Kenntnis erhalten h344tte (Se-natsurteil vom 14. Oktober 2003 - VI ZR 379/02 - aaO m.w.N.). Ein Anwen-dungsfall dieser Rechtsprechung liegt jedoch insbesondere dann nicht vor, wenn der Gesch344digte - wie hier - besondere Recherchen hinsichtlich der Scha-densursache durchf374hren m374sste. Allein aus den erheblichen Schadensfolgen musste die Kl344gerin nicht auf einen Behandlungsfehler schlie337en. Die m366gli-cherweise schicksalhafte, ung374nstige Narbenbildung weist nicht ohne Weiteres auf ein Fehlverhalten des behandelnden Arztes hin, denn die zugrunde liegen-de Verletzung (Dammriss) geh366rt nicht zu den vermeidbaren, un374blichen Ver-letzungen bei einer Entbindung (vgl. Senatsurteil vom 20. September 1983 - - 8 - VI ZR 35/82 - aaO). Auch im 334brigen ist nach den getroffenen Feststellungen nicht ersichtlich, dass der Geburtsvorgang f374r die Kl344gerin einen Hinweis auf ein Verschulden des Beklagten zu 2 geboten h344tte (vgl. Senatsurteile vom 18. Juni 1974 - VI ZR 106/72 - VersR 1974, 1082, 1083 und vom 23. April 1985 - VI ZR 207/83 - aaO). 8 2. Entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts erlauben die getrof-fenen Feststellungen jedoch nicht die Annahme, dass die geltend gemachten Anspr374che gem344337 247 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB n.F. mit Ablauf des Jahres 2004 ver-j344hrt seien, weil die Unkenntnis der Kl344gerin von den den Anspruch begr374nden-den Umst344nden auf grober Fahrl344ssigkeit beruhe. a) Zutreffend ist allerdings der Ausgangspunkt des Berufungsgerichts, dass sich die Verj344hrung der kl344gerischen Anspr374che gem344337 Art. 229 247 6 Abs. 1 Satz 1 EGBGB ab dem 1. Januar 2002 nach dem ab dann geltenden neuen Verj344hrungsrecht richtet, denn die nach dem Klagevorbringen im Jahr 1998 entstandenen Anspr374che waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht verj344hrt. Etwaige vertragliche Anspr374che unterlagen der 30-j344hrigen Verj344hrungsfrist des 247 195 BGB a.F.. Die Verj344hrung deliktischer Anspr374che hatte wegen fehlender Kenntnis der Kl344gerin im Sinne von 247 852 BGB a.F. noch nicht begonnen. 9 b) Rechtsfehlerfrei hat das Berufungsgericht die erhobenen Anspr374che einheitlich der dreij344hrigen Regelverj344hrung des 247 195 BGB n.F. unterstellt und die Verj344hrungsfrist nach der 334berleitungsvorschrift des Art. 229 247 6 Abs. 4 S. 1 EGBGB ab dem 1. Januar 2002 berechnet. Denn die neue Frist ist hinsichtlich des geltend gemachten vertraglichen Anspruchs k374rzer als die alte Regelver-j344hrung von 30 Jahren und er366ffnet f374r die Verj344hrung deliktischer Anspr374che mit der Gleichstellung von Kenntnis und grob fahrl344ssiger Unkenntnis einen zu-s344tzlichen Anwendungsfall. Zutreffend ist auch, dass bei Vorliegen der subjekti- 10 - - 9 ven Voraussetzungen von 247 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB schon vor dem 1. Januar 2002 die neue Verj344hrungsfrist zum 31. Dezember 2004 abgelaufen w344re, mit-hin vertragliche und deliktische Anspr374che der Kl344gerin zu diesem Zeitpunkt verj344hren konnten (vgl. BGHZ 171, 1, 7 ff.; BGH, Beschluss vom 19. M344rz 2008 - III ZR 220/07 - VersR 2008, 1121; Urteile vom 8. Mai 2008 - VII ZR 106/07 - NJW 2008, 2427, 2428 und vom 3. Juni 2008 - XI ZR 319/06 - NJW 2008, 2576, 2578). c) Zu Unrecht nimmt das Berufungsgericht indessen an, dass grob fahr-l344ssige Unkenntnis der Kl344gerin als subjektive Voraussetzung des 247 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB vor dem 1. Januar 2002 vorgelegen habe. 11 aa) Die tatrichterliche Beurteilung, ob einer Partei der Vorwurf grober Fahrl344ssigkeit zu machen ist, ist mit der Revision allerdings nur beschr344nkt an-greifbar. Der Nachpr374fung unterliegt lediglich, ob der Tatrichter den Begriff der groben Fahrl344ssigkeit verkannt oder bei der Beurteilung des Verschuldensgra-des wesentliche Umst344nde au337er Betracht gelassen hat (st. Rspr.; vgl. Senats-urteile BGHZ 163, 351, 353; vom 8. Mai 1984 - VI ZR 296/82 - VersR 1984, 775, 776; vom 12. Januar 1988 - VI ZR 158/87 - VersR 1988, 474; vom 18. Ok-tober 1988 - VI ZR 15/88 - VersR 1989, 109; vom 30. Januar 2001 - VI ZR 49/00 - VersR 2001, 985; vom 10. Februar 2009 - VI ZR 28/08 - VersR 2009, 558, 561 und vom 17. Februar 2009 - VI ZR 86/08 - VersR 2009, 839). Dies ist hier der Fall. 12 bb) Grobe Fahrl344ssigkeit setzt einen objektiv schweren und subjektiv nicht entschuldbaren Versto337 gegen die Anforderungen der im Verkehr erfor-derlichen Sorgfalt voraus. Grob fahrl344ssige Unkenntnis liegt dann vor, wenn dem Gl344ubiger die Kenntnis fehlt, weil er die im Verkehr erforderliche Sorgfalt in ungew366hnlich grobem Ma337e verletzt und auch ganz naheliegende 334berlegun- 13 - - 10 gen nicht angestellt oder das nicht beachtet hat, was jedem h344tte einleuchten m374ssen (st. Rspr.; zuletzt vgl. Senatsurteile vom 10. Februar 2009 - VI ZR 28/08 - aaO und vom 17. Februar 2009 - VI ZR 86/08 - aaO, S. 840 m.w.N.; BGH, Urteile vom 23. September 2008 - XI ZR 253/07 - NJW-RR 2009, 544, 546 und vom 23. September 2008 - XI ZR 395/07 - aaO m.w.N.). Ihm muss per-s366nlich ein schwerer Obliegenheitsversto337 in seiner eigenen Angelegenheit der Anspruchsverfolgung vorgeworfen werden k366nnen (Mansel, NJW 2002, 89, 91; vgl. Piekenbrock, Jahrbuch Junger Zivilrechtswissenschaftler 2001, S. 309, 325; Rebhahn, FS Welser, 2004, S. 849, 857). Dabei bezieht sich die grob fahrl344ssige Unkenntnis ebenso wie die Kenntnis auf Tatsachen, auf alle Merkmale der Anspruchsgrundlage und bei der Verschuldenshaftung auf das Vertretenm374ssen des Schuldners, wobei es auf eine zutreffende rechtliche W374rdigung nicht ankommt (BGH, Beschluss vom 19. M344rz 2008 - III ZR 220/07 - aaO; Mansel, aaO, S. 92). Ausreichend ist, wenn dem Gl344ubiger aufgrund der ihm grob fahrl344ssig unbekannt gebliebenen Tatsachen zugemutet werden kann, zur Durchsetzung seiner Anspr374che gegen eine bestimmte Person aussichtsreich, wenn auch nicht risikolos Klage - sei es auch nur in Form einer Feststellungsklage - zu erheben (vgl. Senatsurteile vom 18. Januar 2000 - VI ZR 375/98 - aaO m.w.N. und vom 14. Oktober 2003 - VI ZR 379/02 - aaO m.w.N.; Mansel, aaO). 14 cc) Nach gefestigter Rechtsprechung besteht f374r den Gl344ubiger keine generelle Obliegenheit, im Interesse des Sch344digers an einem m366glichst fr374h-zeitigen Beginn der Verj344hrungsfrist Initiative zur Kl344rung von Schadensher-gang oder Person des Sch344digers zu entfalten (zu 247 852 BGB a.F.: vgl. Se-natsurteile BGHZ 133, 192, 199; vom 6. Februar 1990 - VI ZR 75/89 - aaO; vom 29. November 1994 - VI ZR 189/93 - aaO; vom 31. Januar 1995 - VI ZR 305/94 - aaO; vom 18. Januar 2000 - VI ZR 375/98 - aaO m.w.N. und vom 15 - - 11 6. M344rz 2001 - VI ZR 30/00 - aaO). Daran hat sich durch die Neuregelung des Verj344hrungsrechts in 247 199 BGB nichts ge344ndert (BGH, Urteil vom 16. Septem-ber 2005 - V ZR 242/04 - WM 2006, 49, 50; OLG Saarbr374cken, OLG-Report 2008, 817, 818 f.; Gei337/Greiner, Arzthaftpflichtrecht, 6. Aufl., Rn. D 8; Er-man/Schmidt-R344ntsch, BGB, 12. Aufl., 247 199, Rn. 20; M374nch-KommBGB/Grothe, 5. Aufl., 247 199, Rn. 28; Wendtland, in: Haas/Medicus/Sch344fer/Wendtland, Das neue Schuldrecht, 2002, Kapitel 2, Rn. 17 f.; Rohlfing, MDR 2006, 721, 723). Diese Rechtslage entspricht der Re-gelung in 247 932 Abs. 2 BGB, die ebenso wie 247 199 Abs. 1 BGB an die grob fahrl344ssige Unkenntnis einer Partei ankn374pft (vgl. BGH, Urteile vom 22. Juni 1966 - VIII ZR 141/64 - NJW 1966, 1959, 1960; vom 1. Juli 1987 - VIII ZR 331/86 - NJW-RR 1987, 1456, 1457 und vom 9. Oktober 1991 - VIII ZR 19/91 - NJW 1992, 310). F374r die Frage, unter welchen Voraussetzungen der Gl344ubiger zur Ver-meidung der groben Fahrl344ssigkeit zu einer aktiven Ermittlung gehalten ist, kommt es vielmehr auf die Umst344nde des Einzelfalls an. Das Unterlassen einer Nachfrage ist ebenso wie in den F344llen des 247 932 Abs. 2 BGB auch nach 247 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB nur dann als grob fahrl344ssig einzustufen, wenn weitere Um-st344nde hinzutreten, die das Unterlassen aus der Sicht eines verst344ndigen und auf seine Interessen bedachten Gesch344digten als unverst344ndlich erscheinen lassen. F374r den Gl344ubiger m374ssen konkrete Anhaltspunkte f374r das Bestehen eines Anspruchs ersichtlich sein und sich ihm der Verdacht einer m366glichen Sch344digung aufdr344ngen (zu 247 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB: vgl. BGH, Urteil vom 23. September 2008 - XI ZR 253/07 - aaO; OLG K366ln, GRUR-RR 2003, 187, 188; OLG Celle, OLG-Report 2009, 422 f.; Erman/Schmidt-R344ntsch, aaO; Pa-landt/Heinrichs, BGB, 68. Aufl., 247 199, Rn. 36; vgl. Staudinger/Greger, BGB [2007], 247 199, Rn. 54 f.; vgl. B344une/Dahn, MedR 2004, 645, 653; Gei337/Greiner, aaO; zu 247 932 Abs. 2 BGB: BGHZ 77, 274, 277; BGH, Urteile vom 22. Juni 16 - - 12 1966 - VIII ZR 141/64 - aaO; vom 1. Juli 1987 - VIII ZR 331/86 - aaO; vom 9. Oktober 1991 - VIII ZR 19/91 - aaO und vom 13. April 1994 - II ZR 196/93 - NJW 1994, 2022, 2023; vgl. Otto, Die Bestimmung des 247 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB, Diss. [2006], S. 229; Soergel/Henssler, BGB, 13. Aufl., 247 932, Rn. 23). 17 In Arzthaftungssachen ist bei der Pr374fung, ob grobe Fahrl344ssigkeit vor-liegt, zugunsten des Patienten zu ber374cksichtigen, dass dieser nicht ohne Wei-teres aus einer Verletzungshandlung, die zu einem Schaden gef374hrt hat, auf einen schuldhaften Behandlungs- oder Aufkl344rungsfehler zu schlie337en braucht. Deshalb f374hrt allein der negative Ausgang einer Behandlung ohne weitere sich aufdr344ngende Anhaltspunkte f374r ein behandlungsfehlerhaftes Geschehen nicht dazu, dass der Patient zur Vermeidung der Verj344hrung seiner Anspr374che Initia-tive zur Aufkl344rung des Behandlungsgeschehens entfalten m374sste (vgl. M374nch-KommBGB/Grothe, aaO, Rn. 30, 39; vgl. B344une/Dahn, aaO). Denn das Aus-bleiben des Erfolgs 344rztlicher Ma337nahmen muss nicht in der Unzul344nglichkeit 344rztlicher Bem374hungen seinen Grund haben, sondern kann schicksalhaft und auf die Eigenart der Erkrankung zur374ckzuf374hren sein (vgl. Senatsurteile vom 20. September 1983 - VI ZR 35/82 - aaO; vom 23. April 1985 - VI ZR 207/83 - aaO; vom 29. November 1994 - VI ZR 189/93 - aaO und vom 3. Februar 1998 - VI ZR 356/96 - aaO). dd) Mit diesen Grunds344tzen steht die Beurteilung des Berufungsgerichts, die Kl344gerin habe ohne grobe Fahrl344ssigkeit deutlich vor dem 31. Dezember 2001 Kenntnis im Sinne von 247 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB erlangen m374ssen, nicht in Einklang. Zwar h344tte die Kl344gerin vor diesem Zeitpunkt Erkundigungen wegen eines etwaigen Fehlverhaltens der Beklagten einholen k366nnen. Das Unterlas-sen einer solchen Nachfrage ist aber nur dann als grob fahrl344ssig einzustufen, wenn weitere Umst344nde hinzutreten, die dieses Verhalten aus der Sicht eines verst344ndigen und auf seine Interessen bedachten Patienten als unverst344ndlich 18 - - 13 erscheinen lassen (vgl. BGH, Urteil vom 16. September 2005 - V ZR 242/04 - aaO; vgl. Staudinger/Greger, aaO, Rn. 55 f.). Hier musste sich der Kl344gerin ein behandlungsfehlerhaftes Verhalten der Beklagten nach den Umst344nden des Falles bis zu dem Gespr344ch mit der Gyn344kologin im Jahr 2006 nicht aufdr344n-gen. Zwar litt die Kl344gerin nach eigenen Angaben seit der Entbindung unter er-heblichen Beschwerden, die ihre Lebensf374hrung stark einschr344nkten und deren operative Beseitigungsm366glichkeit von ihr mit 304rzten besprochen wurde. Eine schmerzhafte Narbenbildung kann aber ebenso wie ein bei der Entbindung ein-getretener Dammriss schicksalhaft sein und gibt einem verst344ndigen, auf seine Interessen bedachten Patienten nicht ohne Weiteres Veranlassung, wegen ei-nes Behandlungsfehlers nachzuforschen. Welche konkreten Umst344nde abge-sehen vom negativen Ausgang der 344rztlichen Behandlung der Kl344gerin Veran-lassung h344tten geben sollen, wegen eines Behandlungsfehlers nachzufragen, hat das Berufungsgericht nicht aufgezeigt. ee) Hat die Kl344gerin erstmals in dem Gespr344ch mit ihrer Gyn344kologin am 23. Juni 2006 einen Hinweis darauf erhalten, dass eine falsch gesetzte Naht die Ursache ihrer Beschwerden sein k366nnte, waren die geltend gemachten Anspr374-che bei Klageerhebung im Juli 2007 noch nicht verj344hrt. 19 d) Im 334brigen ist weder festgestellt noch vorgetragen, dass eine etwaige Nachfrage der Kl344gerin vor dem 1. Januar 2002 Klarheit 374ber die Ursache ihrer Beschwerden gebracht h344tte, um ihr die M366glichkeit zu geben, aussichtsreich, wenn auch nicht risikolos Klage - sei es auch nur in Form einer Feststellungs-klage - zu erheben (vgl. BGH, Urteil vom 23. September 2008 - XI ZR 253/07 - aaO; vgl. BGH, Urteil vom 23. September 2008 - XI ZR 395/07 - aaO; Mansel, aaO, S. 91 f.; B344une/Dahn, aaO; Winkhart, Arzthaftungsrecht, 2. Aufl., S. 858 f., 882 f.; Otto, aaO, S. 274; Palandt/Heinrichs, aaO, 247 199, Rn. 37; anders Er-man/Schmidt-R344ntsch, aaO). 20 - - 14 III. 21 Das angefochtene Urteil ist deshalb aufzuheben. Die Sache ist an das Berufungsgericht zur374ckzuverweisen (247 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO), damit dieses die erforderlichen Feststellungen nachholen kann. Dabei wird es auch dem Vorbringen der Kl344gerin nachzugehen haben, sie habe erst nach dem 23. Juni 2006 erfahren, dass der Beklagte zu 2 behandlungsfehlerhaft von einer Sectio abgesehen habe. Galke Diederichsen Pauge St366hr von Pentz Vorinstanzen: LG Bremen, Entscheidung vom 25.04.2008 - 3 O 1303/07 - OLG Bremen, Entscheidung vom 20.08.2008 - 5 U 19/08 -
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