ECLI:DE:BGH:2016:010616BIVZR507.15.0 BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS IV ZR 507/15 vom 1. Juni 2016 in dem Rechtsstreit - 2 - Der IV. Zivilsenat des Bundesgerichtshof s hat durch d ie Vorsitzende Richter in Mayen , die Richterin Harsdorf - Gebhardt, die Richter Dr. Karczewski, Lehmann und die Ric hterin Dr. Brockmöller am 1. Juni 2016 beschlossen: Der Senat beabsichtigt, die Revision der Klägerin gegen das Urteil des 20. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Köln vom 6. November 2015 gemäß § 552a Satz 1 ZPO z u- rückzuweisen. Die Parteien erhalten G elegenheit, hierzu binnen eines Monats Stellung zu nehmen. Streitwert: 10.150 Gründe: I. Die Klägerin macht gegen die Beklagte im Wege einer Stufe n- klage Ansprüche aus einer Rentenversicherung geltend. Der am 21. Ok - tober 2011 verstorbene Eheman n der Klägerin (im Folgenden: Versich e- rungsnehmer) unterhielt bei der Rechtsvorgängerin der Beklagten (im 1 - 3 - Folgenden: Beklagte) eine sofort beginnende Rentenversicherung mit e i- ner Rentengarantiezeit von zehn Jahren, welche die Zahlung eines Ei n- malbetrages v on 400.000 DM sowie eine versicherte monatliche Rente ab 1. Oktober 2001 von 1.721,53 DM (= 880,20 der Überschussverwendung war vereinbart, da ss 70% des laufenden Überschuss anteils mit den fälligen Renten ausgezahlt werden (Barrente ) sowie 30% als Einmalbetrag für eine zusätzliche Rente (Bonusrente). In den dem Vertrag zugrunde liegenden "Versicherungsbedingungen für die Rentenversicherung" war in § 18 ferner die Beteiligung an den Übe r- schüssen geregelt. Die Beklagte nahm die vereinb arten Auszahlungen in Höhe der garantierten Rente sowie der Überschussbeteiligung an den Versicherungsnehmer vor, wobei die Überschussbeteiligung während der Rentenzahlungszeit mehrfach abgesenkt wurde. Hierüber unterrichtete die Beklagte den Versicherungs nehmer durch jährliche Wertmitteilungen und weite re Schreiben . Der Versicherungsnehmer wurde von der Klägerin zu 3/4 sowie von seinem Sohn zu 1/4 beerbt. Hinsichtlich des Erbteils des Sohnes ist Testamentsvollstreckung angeordnet; die Klägerin ist die Testament s- vollstreckerin. Die Klägerin hat die Beklagte im Wege der Stufenklage darauf in Anspruch genommen, ihr Auskunft zu erteilen hinsichtlich der Überschussbeteiligung (insbesondere der Berechnung, der Höhe, der Entwicklung und der Verwendung d er erwi rtschafteten Überschüsse) und ebenso hinsichtlich der Bewertungsreserven bezogen auf den Versich e- rungsvertrag ihres verstorbenen Ehemannes; ferner die Beklagte nach erteilter Auskunft zu verurteilen, an sie Zahlung zu leisten in Höhe des Fehlbetrages, der durch die nicht vertrags - bzw. gesetzeskonforme E r- mittlung und Verwendung der Überschüsse sowie der Bewertungsrese r- ven hinsichtlich des genannten Vertrages entstanden ist und diesen B e- 2 - 4 - trag ab Rechtshängigkeit zu verzinsen. Das Landgericht hat die Klage abg ewiesen. Im Berufungsverfahren hat die Klägerin ihre Ansprüche mit weitgehend identischen Anträgen weiterverfolgt . Das Berufungsgericht hat durch das angefochtene Teilurteil die Berufung der Klägerin teilweise zurückgewiesen, und zwar insgesamt, soweit im Wege der Stufenklage weitergehende Zahlungsansprüche für den Zeitraum von 2001 bis 2005 aus dem Versicherungsvertrag bea n- sprucht werden, sowie ferner insgesamt für den Zeitraum von 2006 bis 2007, soweit es um Zahlungsansprüche aufgrund Beteiligung an B ewe r- tungsreserven geht, und für die Zeit ab 2006, soweit die Klägerin Au s- kunft verlangt hinsi chtlich der Überschussbeteiligung (insbesondere der Berechnung , der Höhe, der Entwicklung und der Verwendung der erwir t- schafteten Überschüsse) und für die Zeit ab 2008, soweit die Klägerin Auskunft begehrt hinsichtlich der Bewertungsreserven bezogen auf den vorstehend genannten Versicherungsvertrag. Es hat die Revision zug e- lassen, soweit die Klage in Bezug auf Auskunftsansprüche für die Zeit ab 2006 (Überschussbetei ligung) bzw. 2008 (Bewertungsreserven) abg e- wiesen worden ist. Zur Begründung hat das Berufungsgericht ausgeführt, Nachzahlungsansprüche für die Jahre 2001 bis 2005 seien verjährt. A n- sprüche auf eine Beteiligung an den Bewertungsreserven für die Jahre 2006 und 2007 stünden der Klägerin nicht zu, da diese von der Bekla g- ten nicht geschuldet würden. Etwaige A uskunftsa nsprüche hinsichtlich eine r weitergehende n Überschussbeteiligung ab 2006 seien durch die Beklagte erfüllt. Dasselbe gelte für Auskunftsansprüche h insichtlich der Beteiligung an den Bewertungsreserven ab dem Jahr 2008. 3 - 5 - II. Die Voraussetzungen für die Zulassung der Revision liegen nicht vor und das Rechtsmittel hat auch keine Aussicht auf Erfolg (§ 552a Satz 1 ZPO). 1. Der Rechtssache kommt ke ine grundsätzliche Bedeutung im Sinne von § 543 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 ZPO zu. Dies ist nur der Fall, wenn sie eine entscheidungserhebliche, klärungsbedürftige und klärungsfähige Rechtsfrage aufwirft, die sich in einer unbestimmten Vielzahl von Fällen stellen kann und deshalb das abstrakte Interesse der Allgemeinheit an der einheitlichen Entwicklung und Handhabung des Rechts berührt (S e- natsbeschluss vom 7. Januar 2014 IV ZR 216/13, VersR 2014, 822 Rn. 5). Daran fehlt es. Der Senat hat die nach Auffassung des Ber u- fungsgericht s höchstrichterlich bislang nicht abschließend geklärten Rechtsfragen zum Inhalt des Auskunftsanspruchs, vor allem bei der B e- teiligung an den Überschüssen und Bewertungsreserven nach § 153 VVG, bereits durch seine Urteile vom 2. Dezember 2 015 (IV ZR 28/15, VersR 2016, 173) und vom 11. Februar 2015 (IV ZR 213/14, BGHZ 204, 172) geklärt. Gemäß § 153 Abs. 1 VVG steht dem Versicherungsnehmer eine Beteiligung an dem Überschuss und an den Bewertungsreserven (Übe r- schussbeteiligung) zu, es sei denn, die Überschussbeteiligung ist wie hier nicht durch ausdrückliche Vereinbarung ausgeschlossen. Nach § 153 Abs. 2 Satz 1 Halbsatz 1 VVG hat der Versicherer die Beteiligung an dem Überschuss nach einem verursachungsorientierten Verfahren durchzufüh ren. Bezüglich der Bewertungsreserve n bestimmt § 153 Abs. 3 Satz 1 VVG, dass der Versicherer diese jährlich neu zu ermitteln und nach einem verursachungsorientierten Verfahren rechnerisch zuz u- ordnen hat. Bei der Beendigung des Vertrages bzw. der Ansparphas e 4 5 6 - 6 - (vgl. § 153 Abs. 4 VVG) wird der für diesen Zeitpunkt zu ermittelnde B e- trag zur Hälfte zugeteilt und an den Versicherungsnehmer ausgezahlt (§ 153 Abs. 3 Satz 2 Halbsatz 1 VVG i.V . m. § 153 Abs. 4 VVG für die Rentenversicherung) . § 153 VVG findet gemäß Art . 4 Abs. 1 Satz 2 Halbsatz 1 EGVVG ab dem 1. Januar 2008 auch auf den hier geschlo s- senen Altvertrag Anwendung (vgl. Senatsurteile vom 2. De zember 2015 aaO Rn. 14; vom 11. Februar 2015 aaO Rn. 11). Macht der Versicherungsnehmer geltend, die ihm vom Ver sicherer ausgezahlte Überschussbeteiligung sei zu gering und ihm stehe ein h ö- herer Betrag zu, so ist er hierfür darlegungs - und beweispflichtig ( vgl. Senatsurteil vom 2. Dezember 2015 aaO Rn. 15). Damit der Versich e- rungsnehmer einen derartigen Anspruch dur chzusetzen vermag, kann sich für ihn ein Auskunftsanspruch aus dem Gesichtspunkt von Treu und Glauben nach § 242 BGB ergeben. Hiernach trifft den Schuldner au s- nahmsweise eine Auskunftspflicht, wenn der Berechtigte in entschuldb a- rer Weise über Bestehen und Umfang seines Rechts im Ungewissen ist und der Verpflichtete die zur Beseitigung der Ungewissheit erforderliche Auskunft unschwer geben kann. Umfang und Inhalt der zu erteilenden Auskunft richten sich danach, welche Informationen der Berechtigte b e- nötigt, um seinen Anspruch geltend machen zu können, soweit dem nicht Zumutbarkeitsgesichtspunkte oder andere Grenzen entgegenstehen. Der Auskunftsanspruch umfasst hierbei grundsätzlich nicht die Verpflichtung zur Vorlage der fiktiven versicherungstechnischen Bila nzen oder anderer Geschäftsunterlagen und auch kein Einsichtsrecht. Die Zubilligung des Auskunftsanspruchs hat unter Berücksichtigung der jeweiligen Umstände des Einzelfalles und unter Wahrung des Grundsatzes der Verhältnism ä- ßigkeit zu erfolgen (Senatsurte ile vom 2. Dezember 2015 aaO Rn. 15; vom 11. Februar 2015 aaO Rn. 24; vom 24. März 2010 IV ZR 296/07, 7 - 7 - BGHZ 185, 83 Rn. 29 f.). Weiterer grundsätzlicher Klärungsbedarf zum Inhalt und Umfang eines Auskunftsanspruchs im Sinne von § 153 VVG besteht nicht. Ma ßgebend sind sodann jeweils die Umstände des Einze l- falles. 2. Die Revision hat auch in der Sache keine Aussicht auf Erfolg. a) Das Berufungsgericht hat zunächst die in der Rechtsprechung des Senats entwickelten Grundsätze zum Auskunftsanspruch im Bereich der Lebens - und Rentenversicherung zutreffend zugrunde gelegt (vgl. hierzu Senatsurteile vom 2. Dezember 2015 IV ZR 28/15 aaO und vom 11. Februar 2015 - IV ZR 213/14 aaO ; ferner Senatsbeschluss vom 7. Januar 2014 IV ZR 216/13, VersR 2014, 822 R n. 9 f.; Senatsurteil vom 26. Juni 2013 IV ZR 39/10, VersR 2013, 1381 Rn. 24 f.). Auf di e- ser Grundlage hat sich der Senat in seiner jüngeren Rechtsprechung mehrfach mit Auskunftsansprüchen im Rahmen von Lebens - und Re n- tenversicherungen befasst. Im Urteil vom 26. Juni 2013 hat er wesentlich darauf abgestellt, dass der Kläger Auskunft in Form zahlreicher Einze l- angaben verlangte, die inhaltlich weitgehend auf eine vom Versicherer nicht geschuldete Rechnungslegung nach § 259 Abs. 1 BGB hinausli e- fen. Ferner ha t er auf das berechtigte Geheimhaltungsinteresse des Ve r- sicherers verwiesen (IV ZR 39/10, VersR 2013, 1381 Rn. 26). Auch in seinem Beschluss vom 7. Januar 2014 war entscheidend, dass ein Au s- kunftsanspruch, der zwecks Berechnung des Rückkaufswerts unter a n- d erem die Überlassung des Algorithmus und der zugrunde liegenden Einsatzwerte an einen zur Verschwiegenheit verpflichteten Dritten zum Inhalt habe, nicht in Betracht kommt (IV ZR 216/ 13, VersR 2014, 822 Rn. 19). Ferner steht dem Versicherungsnehmer kein Aus kunftsanspruch zu, wenn vom Bestehen eines weitergehenden Zahlungsanspruchs, zu 8 9 - 8 - dessen Durchsetzung die Auskunft dienen soll, von vornherein nicht ausgegangen werden kann (vgl. Senatsurteil vom 11. Februar 2015 IV ZR 213/14, BGHZ 204, 172 Rn . 26). In sei ner jüngsten Entscheidung vom 2. Dezember 2015 hat der Senat ausgeführt, der Versicherung s- nehmer müsse nach einer Zurückverweisung der Sache an das Ber u- fungsgericht darlegen, welche Informationen er im Einzelnen benötige, die ihm bisher nicht aus allge mein zugänglichen Quellen zur Verfügung stünden (IV ZR 28/15, VersR 2016, 173 Rn. 19). Hierbei sei auch ein g e- gebenenfalls berechtigtes Geheimhaltungsinteresse des Vers icherers in Rechnung zu stellen und unter Berücksichtigung der weiten Fassung des Antrag s, mit dem eine mathematische Berechnung verlangt werde, zu berücksichtigen, dass der Versicherer lediglich Auskunft, nicht dagegen Rechnungslegung schulde (aaO) . Hiervon ausgehend hat das Berufungsgericht im Ergebnis recht s- fehlerfrei entschieden, das s der Klägerin kein weitergehender Anspruch auf Auskunft über die von der Beklagten bereits e rteilten Auskünfte hi n- aus zusteht. Dies ergibt sich bereits aus der Fassung des klägerischen Antrags, mit dem hinsichtlich der Überschussbeteiligung und der Bewe r- t ungsreserven Angaben zu deren Berechnung, Höhe und Entwicklung sowie Verwendung der erwirtschafteten Überschüsse begehrt wird. Ein Anspruch auf mathematische Berechnung des Überschusses kommt i n- dessen bereits deshalb nicht in Betracht, weil die Beklagte nu r Auskunft, nicht dagegen Rechnungslegung schulde t (vgl. Senatsurteile vom 2. De - zember 2015 aaO Rn. 19; vom 26. Juni 2013 IV ZR 39/10, VersR 2013, 1381 Rn. 26). Dasselbe gilt, soweit die Klägerin Angaben zur Entwic k- lung sowie Verwendung der erwirtschaft eten Überschüsse begehrt. Hie r- bei handelt es sich um Einzelangaben, deren Mitteilung der Beklagten faktisch nur durch eine nicht geschuldete Rechnungslegung nach § 259 10 - 9 - Abs. 1 BGB möglich wäre. Bezüglich der Verwendung der erwirtschaft e- ten Überschüsse ist f erner ein berechtigtes Geheimhaltungsinteresse der Beklagten in Rechnung zu stellen. b) Ohne Erfolg beruft sich die Revision demgegenüber auf das S e- natsurteil vom 8. Juli 2009 (IV ZR 102/06, VersR 2009, 1208). In dieser Entscheidung hat der Senat ausg eführt, der Versicherer dürfe, wenn in einem Versicherungsvertrag über eine Leibrente gegen Zahlung eines Einmalbetrages neben einer Garanti erente vereinbart sei, dass aus den Überschussanteilen während der Aufschubzeit eine zusätzliche Rente gebildet werd e, die während der Aufschubzeit erzielten Überschüsse nicht dazu verwenden, eine Lücke in der Deckungsrückstellung für die Garantierente aufzufüllen ( Senatsurteil vom 8. Juli 2009 aaO Rn. 15, 17). Der Senat hat in jenem Fall entscheidend darauf abgestellt, angesichts der vertraglichen Trennung zwischen der Garantierente einerseits und der Zusatzrente andererseits sei der Versicherer nicht berechtigt, bei der Garantierente entstehende Lücken, die auf einer unzureichenden Kalk u- lation mit einer Sterbetafel sch on bei Vertragsschluss beruhten, in der Deckungsrückstellung mit Überschussanteilen aufzufüllen. Ein derartiger Fall liegt hier nicht vor. Die Beklagte hat in ihren verschiedenen Schreiben an den Versicherungsnehmer im Einzelnen dargelegt, worauf die rückläufigen Zahlungen im Bereich der Übe r- schussrente beruhten. Hierzu hat sie neben den niedrigen Zinsen und den geringen Erträgen am Aktienmarkt ergänzend auf die seit dem 1. Januar 2005 in der Versicherungswirtschaft geltenden neuen Sterbet a- feln verwie sen . Im Übrigen hat der Versicherer Rückstellungen für Be i- tragsrückerstattung (vgl. §§ 5 6a, b VAG in der bis zum 31. Dezember 2015 geltenden Fassung) sowohl für die Beteiligung an dem Überschuss 11 12 - 10 - gemäß § 153 Abs. 2 VVG als auch für die Bewertungsreserven ge mäß § 153 A bs. 3 VVG zu bilden (vgl. Senatsurteil vom 11. Februar 2015 IV ZR 213/14, BGHZ 204, 172 Rn. 16). Soweit die Klägerin meint, dass die Beklagte hierbei eine rechtswidrige Anpassung der Überschüsse vorg e- nommen habe, ist dies wie das Berufungsge richt zu Recht ausgeführt hat ohnehin keine Frage des Umfangs der von der Beklagten geschu l- deten Auskunft, sondern erst im Rahmen des Zahlungsanspruchs zu b e- rücksichtigen. Mayen Harsdorf - Gebhardt Dr. Karczewski Lehmann Dr. Brockmöller Hinweis: Das Revisionsverfahren ist durch Revisionsrücknahme erledigt worden. Vorinstanzen: LG Bonn, Entscheidung vom 20.06.2 014 - 9 O 384/13 - OLG Köln, Entscheidung vom 06.11.2015 - 20 U 134/14 -
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