ECLI:DE:BGH:2016:26041 6BVIIIZR76.13.0 BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS VIII ZR 76/13 vom 26. April 2016 in dem Rechtsstreit - 2 - Der VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 26. April 2016 durch d ie Vorsitzende Richter in Dr. Milger , die Richterin Dr. Hessel sowie die Richter Dr . Achil les, Dr. Schneider und Kosziol beschlossen: Die Revision der Kläger gegen das Urteil der 9. Zivilkammer des Landgerichts Oldenburg vom 14. Februar 2013 wird gemäß § 552a ZPO zurückgewiesen. Die Kläger haben die Kosten des Revisionsverfahrens zu tragen. Gründe: I. Der Senat nimmt zur Begründung seiner Entscheidung zunächst auf se i- nen Hinweisbeschluss vom 15. Dezember 2015 in dieser Sache Bezug. Ergä n- zend ist auf die von der Revision in den Schrifts ätzen vom 21. Dezember 2015 und vom 9. Januar 2016 erh obenen Einwendungen aus zuführen : 1. Entgegen der Auffassung der Revision besteht keine Veranlassung, den Rechtsstreit nach Art. 267 Abs. 1 bis 3 AEUV dem Gerichtshof der Europäischen Union (im Folgenden: Gerichtshof) erneut zur Auslegung des Art. 3 Abs. 3 in Verbindung mit Anhang A der Gas - Richtlinie 2003/55/EG im Hinblick darauf vorzulegen, ob die darin enthaltenen Transparenzanforderu n- gen dahingehend auszulegen sind, dass die vom Senat im Anschluss an das Urteil des Gerichtshofs vom 23. Oktober 2014 (C - 359/11 und C - 400/11, NJW 201 5, 849 - Schulz und Egbringhoff) in den Urteilen vom 28. Oktober 2015 1 2 - 3 - (VIII ZR 158/11, ZIP 2015, 2226 Rn. 66 ff., 83, zur Veröffentlichung in BGHZ bestimmt, und VIII ZR 13/12, juris Rn. 68 ff., 85) vorgenommene ergänzende Vert ragsauslegung den Anforderungen an das erforderliche Maß an Transp a- renz genügt. Die gegenteilige Auffassung der Revision geht - wie der Senat im Urteil vom 6. April 2016 (VIII ZR 71/10, juris Rn. 37 ff.) ausgeführt hat, aus me h- reren Gründen fehl. a) Die Auslegung des Art. 3 Abs. 3 in Verbindung mit Anhang A der Gas - Richtlinie 2003/55/EG ist, soweit für die Beurteilung des Streitfalles von Bede u- tung, durch das genannte, im Verfahren VIII ZR 71/10 ergangene Urteil des G e- richtshofs sowie durch das ebenfalls auf Vorlage des Senats ergangene Urteil des Gerichtshofs vom 21. März 2013 (C - 92/11, NJW 2013, 2253 - RWE Ve r- trieb AG) im Sinne eines acte éclairé geklärt und hier - wie bereits in den beiden vorbezeichneten sowie in den im Anschluss hieran ergangenen weit eren Urte i- len des Senats - lediglich auf den Einzelfall anzuwenden (vgl. hierzu etwa EuGH, Urteil vom 15. September 2005 - C - 495/03, Slg. 2005 I - 8151 Rn. 33 - Intermodal Transports; BVerfG, GmbHR 2013, 598, 600; Senatsurteil vom 16. September 2015 - VIII ZR 17/15, WM 2015, 2058 Rn. 33). Der Gerichtshof hat im Urteil vom 23. Oktober 2014 (C - 359/11 und C - 400/11, aaO Rn. 44 - Schulz und Egbringhoff) hervorgehoben, dass zum e i- nen die Interessen der Kunden und das aus Art. 3 Abs. 3 der Gas - Richtlinie 2003/5 5/EG in Bezug auf die Transparenz folgende Erfordernis eines hohen Verbraucherschutzes, zum anderen aber auch die besondere Situation und die wirtschaftlichen Interessen der als Versorger letzter Instanz im Sinne der vo r- genannten Richtlinie handelnden Gasg rundversorger insoweit zu berücksicht i- gen seien, als sie sich die andere Vertragspartei nicht aussuchen und den Ve r- trag nicht beliebig beenden könnten (vgl. hierzu Senatsurteile vom 28. Oktober 2015 - VIII ZR 158/11, aaO Rn. 72 f., und VIII ZR 13/12, aaO R n. 74 f.). De m- 3 4 - 4 - entsprechend hatte der Gerichtshof bereits im Urteil vom 21. März 2013 (C - 92/11, aaO Rn. 46 - RWE Vertrieb AG) ausgeführt, sowohl aus Nr. 2 Buchst. b Abs. 2 und d des Anhangs der Richtlinie 93/13/EWG [Klausel - Richtlinie] als auch aus Anhang A Buchst. b der Gas - Richtlinie 2003/55/EG e r- gebe sich, dass der Unionsgesetzgeber im Rahmen von unbefristeten Vertr ä- gen wie Gaslieferungsverträgen das Bestehen eines berechtigten Interesses des Versorgungsunternehmens an der Möglichkeit einer Änderung der Entgelte für seine Leistung anerkannt habe (vgl. hierzu Senatsurteile vom 28. Oktober 2015 - VIII ZR 158/11, aaO Rn. 76, 79, und VIII ZR 13/12, aaO Rn. 78, 81). Die vorbezeichneten rechtlich geschützten Interessen in einen angeme s- senen Ausgleich zu bring en, ist - wovon ersichtlich auch der Gerichtshof au s- geht - Aufgabe des nationalen Rechts. Die vom Senat auf dieser Grundlage in den Urteilen vom 28. Oktober 2015 vorgenommene ergänzende Vertragsausl e- gung nimmt diesen Ausgleich vor und trägt zugleich dem Zi el sowohl des nati o- nalen als auch des europäischen Energiewirtschaftsrechts Rechnung, eine s i- chere Energieversorgung zu gewährleisten (siehe hierzu Senatsurteile vom 28. Oktober 2015 - VIII ZR 158/11, aaO Rn. 76 ff., und VIII ZR 13/12, aaO Rn. 78 ff.; jewe ils mwN). Sowohl das Gleichgewicht von Leistung und Gegenlei s- tung bei den unbefristeten Gaslieferungsverträgen der Grundversorgung als auch die Sicherheit der Energieversorgung, bei der es sich um ein Gemei n- schaftsinteresse höchsten Ranges handelt (BVerfGE 30, 292, 323 f. mwN; Busche in Säcker, Berliner Kommentar zum Energierecht, 3. Aufl., § 36 EnWG Rn. 1), wären gefährdet, wenn der Grundversorger nicht berechtigt wäre, Ste i- gerungen der eigenen (Bezugs - )Kosten während der Vertragslaufzeit an den Kunden we iterzugeben (siehe hierzu Senatsurteile vom 28. Oktober 2015 - VIII ZR 158/11, aaO Rn. 72 ff., 79, 82, und VIII ZR 13/12, aaO Rn. 74 ff., 81, 84; jeweils mwN). 5 - 5 - b) Einer erneuten Vorlage an den Gerichtshof bedarf es zudem auch deshalb nicht, weil nach de n vom Senat in den Urteilen vom 28. Oktober 2015 (VIII ZR 158/11, aaO Rn. 34 ff., und VIII ZR 13/12, aaO Rn. 36 ff.) aufgezeigten Grundsätzen eine richtlinienkonforme Auslegung des § 4 Abs. 1 und 2 AVBGasV nicht in Betracht kommt. Aufgrund dieses - auss chließlich der Beurteilung des nationalen Gerichts unterliegenden (vgl. nur EuGH, Urteil vom 27. Februar 2014 - C - 351/12, GRUR 2014, 473 Rn. 45 mwN - OSA, sowie die Schlussanträge der Generalanwältin im Vorabentscheidungsverfahren C - 135/10, juris Rn. 153 - SCF Consorzio Fonografici) - Umstands ist der Senat angesichts der durch das nationale Recht gezogenen Grenzen schon mangels Entscheidungserheblichkeit der (weiteren) Auslegung des Unionsrechts nicht zu einer (erneuten) Vorlage an den G e- richtshof nach Art . 267 Abs. 1 bis 3 AEUV gehalten (vgl. EuGH, Urteil vom 16. Juni 2011 - C - 65/09 und C - 87/09, Slg. 2011, I - 5257 Rn. 35 bis 38 - Gebr. Weber und Putz; BVerfG, GmbHR 2013, 598, 601; BGH, Urteil vom 6. Oktober 2015 - KZR 17/14, GRUR 2016, 304 Rn. 68; Schlussa nträge der Generalanwä l- tin in den Vorabentscheidungsverfahren C - 510/10, juris Rn. 26 - DR und TV2 Danmark, und C - 135/10, aaO - SCF Consorzio Fonografici), zumal - wie der Senat ebenfalls entschieden hat - auch eine unmittelbare Anwendung der Transparenzanf orderungen des Art. 3 Abs. 3 Satz 4 bis 6 in Verbindung mit A n- hang A der Gas - Richtlinie 2003/55/EG auf den vorliegenden Fall nicht in B e- tracht kommt (vgl. Senatsurteile vom 28. Oktober 2015 - VIII ZR 158/11, aaO Rn. 62 ff., und VIII ZR 13/12, aaO Rn. 64 ff .). 6 7 - 6 - 2. Soweit die Revision erneut und vertieft die Feststellungen des Ber u- fungsgericht s zur Weitergabe von B ezugskosten angreift, hat der Senat diese s im Wege der Verfah rensrüge vorgebrachte Vorbringen geprüft , aber nicht für durchgreifend erachtet (§ 564 ZPO) . Dr. Milger Dr. Hessel Dr. Achilles Dr. Schneider Kosziol Vorinstanzen: AG Delmenhorst, Entscheidung vom 04.08.2006 - 4A C 4063/06 (IV) - LG Oldenburg, Entscheidung vom 14.02.2013 - 9 S 574/06 -
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