ARCHIVES HISTORIQUES
DE LA COMMISSION
COLLECTION RELIEE DES
DOCUMENTS "COM"
COM (86) 171
Vol. 1986/0063
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In Übereinstimmung mit der Verordnung (EWG, Euratom) Nr. 354/83 des Rates vom 1.
Februar 1983 über die Freigabe der historischen Archive der Europäischen
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KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN
K0MC86) 171 endg.
Brüssel, den 3. April 1986
WÄH RUNGS- UND FINANZBEZIEHUNGEN ZU JAPAN
(Mitteilung der Kommission an den Rat)
K0M(86) 171 endg.
w Xh RUNGS- UND FINANZBEZIEHUNGEN ZU JAPAN
I. EINFÜHRUNG
Nach dem Anschwellen der Bedeutung Japans im Rahmen des Welthan
dels beginnt Japan nunmehr auch monetären finanziellen Bereich eine
wachsende Rolle zu spielen. Obgleich der Yen als Handelswährung relativ
wenig verbreitet ist, hat doch der Yen-Kurs für das internationale Wäh
rungssystem sowohl wegen seiner Auswirkungen auf den Handel als auch wegen
der zunehmenden Bedeutung Japans bei finanziellen Transaktionen und welt
weiten Kapitalströmen an Bedeutung gewonnen. Die Bedeutung des Yen im in
ternationalen Währungssystem wird weiter zunehmen, da sowohl die Entwick
lung auf den Yen-Märkten als auch der Druck ausländischer Behörden dazu
geführt haben, daß die japanischen Behörden sich zu einer Politik bekann
ten, die die inernationale Rolle, des Yen verstärken soll; dies wird unter
dem Druck der Ereignisse und der Liberalisierung auch zunehmend Wirklich
keit. Die wachsende Rolle der japanischen Banken und der sonstigen Finanz
institutionen auf den internationalen Märkten war auf finanziellem Gebiet
das hervorstechende Merkmal in den letzten Jahren. Die japanischen Banken
verfügen heute über das größte Auslandsvermögen in der Welt, und japanische
Finanzinstitutionen rangieren im internationalen Wertpapiergeschäft unter
den führenden Institutionen. Zudem ist Japan zum größten Kapitalexporteur
der Welt geworden, und japanische Wertpapierkäufe und -verkaufe auf heimi
schen und internationalen Märkten sind zu einem für die Entwicklung dieser
Märkte wichtigen Faktor geworden.
Die japanischen Fortschritte'auf diesen Gebieten haben indessen
in verschiedener Hinsicht Besorgnis bei Japans Partnern geweckt. Von jeher
waren in Japan ein Widerstreben zu beobachten, die volle Verantwortung sei
ner zunehmenden internationalen Rolle zu akzeptieren sowie eine Tendenz,
internationale Ereignisse und Entwicklungen hauptsächlich in ihren Auswir
kungen für Japan zu berücksichtigen. Mit dem wachsenden Einfluß und der
wachsendenn Bedeutung Japans in internationalen Währungs- Finanzangelegen
heiten muß auch eine breitere, mehr1 international ausgeriehtete Betrach
tungsweise akzeptiert werden. Ferner gibt es ähnliche Besorgnisse, wie sie
seinerzeit in Verbindung mit Japans Entwicklung zu einem der wichtigsten
Handelspartner laut wurden, nämlich über den ungleichen Zugang zu den Märk
ten der einzelnen Partner. Es wurde die Vermutung geäußert, daß heute eine
ähnliche Strategie auf dem Gebiet der finanziellen Dienstleistungen ver
folgt wird wie bei der Ausweitung der japanischen Warenausfuhren. Die Aus
landsaktivitäten der japanischen Finanzinstitutionen haben sich deutlich
ausgeweitet, während der Zuga'ng zu den heimischen japanischen Finanzmärkten
für ausländische Finanzinstitutionen wirkungsvoll unterbunden wird. Je mehr
der Yen inernational Verwendung findet, um so mehr sind außerdem die japa
nischen Banken in der Lage, das Yen-Geschäft auf den internationalen Märk
ten selbst in die Hand zu nehmen, da ausländische Finanzinstitute nur
begrenzten Zugang zu den Yen-Märkten haben.
*
Im dem Maße, in dem Japan immer mehr zu einem wichtigen Finanz
zentrum heranwuchs, war das· internationale Währungs- und Finanzsystem Span
nungen ausgesetzt. Das System floatender Wechselkurse hat nicht zu der Sta
bilität oder effektiven Anpassung geführt, die man hätte erwarten können,
und die Wechselkurse schwanken nach wie vor stark und passen sich nicht
schnell genug an. Diese Entwicklungen-haben offizielle Schritte und Diskus
sionen über das Funktionieren des Wechselkurssystems ausgelöst, wobei sich
die Möglichkeit abzeichnet, daß Verbesserungen der derzeitigen Regelungen
vereinbart werden könnten. Auch das Verschuldungsproblem der Entwicklungs
länder stellt eine Bedrohung für das internationale Finanzsystem dar, die
eine ständige Überwachung und Beurteilung erfordert. Ebenso wirft die
rasche technologische Entwicklung auf den Finanzmärkten und die Interna-
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tionalisierung der Märkte potentielle Kontroll- und Überwachungsprobleme im
Zuae der wachsenden wechselseitigen Verflechtung der Märkte auf.
Diese Entwicklungen machen eine enge Koordinierung auf interna-,
tiononaler Ebene erforderlich. Eine solche Koordinierung erfolgt bereits im
Rahmen verschiedener multilateraler und internationaler Gremien. Was die
bilateralen Beziehungen angeht, so unterhalten zwar sowohl die Gemeinschaft
als auch Japan gut entwickelte bilaterale Beziehungen zu den Vereinigten
Staaten, doch sind ihre bilateralen Beziehungen untereinander relativ un
terentwickelt. In Anbetracht der immer wichtigeren Rolle Japans, seiner
Währung sowie des Einflusses und Gewichts seiner Finanzinistitutionen in
nerhalb des internationalen Finanzsystems sollte die Gemeinschaft bestrebt
sein, stärkere bilaterale Beziehungen in diesen Bereichen zu entwickeln,
und zwar nicht nur zur Erörterung wechselseitiger Probleme, sondern auch
zur Verstärkung der gegenseitigen Konsultation und Kooperation in den all
gemeineren Fragen, die sich im Zusammenhang mit dem internationalen Wäh
rungssystem stellen.
II. Beziehungen der Gemeinschaft zu Japan
Im Mittelpunkt der derzeitigen Beziehungen der Gemeinschaft zu
Japan stehen vor allem Handelsfragen sowie das anhaltende und wachsende
Handelsbilanzungleichgewicht der Gemeinschaft gegenüber Japan. Über diese
Probleme ist bei den zweimal jährlich stattfindenen "Konsultationen auf
hoher Ebene" gesprochen worden, die seit 1972 das regelmäßige Forum für die
Erörterung von Wirtschafts- und Industriefragen zwischen Japan und der Ge
meinschaft bildeten. Dies wurde ergänzt durch Diskussionen im Ausschuß für
Handelsausweitung sowie durch die jüngsten Treffen zwischen Mitgliedern der
Kommission und japanischen Ministern ^ sowie regelmäßige Kontakte zwischen
Beamten und bei Besuchen auf hoher Ebene. Während sich das Hauptanliegen
bei diesen Kontakten stets auf die Frage des Handelsbilanzungleichgewichts
konzentrierte, gab es auch Diskussionen allgemeinerer Art über wirtschafts
politische und finanzielle Probleme, vor allem soweit sie mit dem unausge
wogenen Handelsverkehr Zusammenhängen.
In diesem Rahmen hat die Gemeinschaft schon früher der japani
schen Regierung formelle Wünsche zur Frage des Zugangs europäischer finan
zieller Dienstleistungen zum japanischen Markt vorgetragen. Dieses geschah
erstmals in Form einer "Wunschliste", die die Kommssion den japanischen
Behörden im Dezember 1981 vorlegte und die nach eingehenden Beratungen mit
den Mitgliedstaaten zusammengestellt worden war. Diese Wunschliste wurde im
November 1982 und im April 1984 revidiert und mit den japanischen Behörden
im Rahmen der regelmäßigen Beratungen und Zusammdnkünfte weiter erörtert.
*
Als Ergebnis bilateraler Verhandlungen zwischen den USA und Japan
gaben die japanischen Behörden 1984 eine Reihe von Maßnahmen zur Verstär
kung der internationalen Rolle des Yen bekannt, die außerdem den Rahmen
ändern würden, in dem ausländische Bank- und Finanzinstitute auf dem japa
nischen Markt operieren können. Diese Entwicklung und der offenkundige Ein
fluß, den die USA gegenüber Japan ausüben konnten, führten zu Befürchtungen
seitens der Mitgliedstaaten, daß die mit den USA für deren Finanzinstitu
tionen in Japan ausgehandelten Qualifikationskriterien in der Praxis nicht
in gleicher Weise gegenüber europäischen Finanzinstitutionen gelten würden,
deren Struktur sich von der der US-Finanzinstitutionen unterscheidet. Im
Ergebnis wurde eine Reihe bilateraler Verhandlungen zwischen einzelnen Mit
gliedstaaten und Japan parallel zu den weitergehenden Diskussionen zwischen
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den USA und Japan eingeleitet. Im Mi telpunkt dieser Diskussionen (mit dem
UK, der Bundesrepublik und demnächst mit Frankreich und Italien) standen
spezifische bilaterale Probleme, wöbe, sichergestellt werden sollte, daß
die Möglichkeiten der Finanzinstitut .onen dieser Mitgliedstaaten nicht
durch die Entwicklungen auf den japanxschen Märkten beeinträchtigt würden.
Die Kommission nahm auch bilaterale Gespräche auf allgemeinerer Grundlage
mit den Japanern auf, wobei es um die, generellen Möglichkeiten der Finanz
institutionen auf den europäischen und japanischen Märkten und um die Be
ziehungen zwischen Japan und der Gemeinschaft auf dem Gebiet von Währung
und Finanzen ging.
Der relative Mißerfolg der Wunschliste und die anschließende Ent
wicklung der parallelen bilateralen Verhandlungen zwischen einzelnen Mit
gliedstaaten und Japan waren auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. Ein
Grund war der, daß der Rahmen, in dem die Gespräche über finanzielle
Dienstleistungen geführt wurden, im Grunde Teil der umfassenderen Handels
probleme mit Japan war, wobei dem sich das Hauptinteresse auf Handelsfra
gen, namentlich bei Fertigwaren, richtete. Zweitens haben es die Japaner
stets vorgezogen, auf der Grundlage der Gegenseitigkeit zu verhandeln, was
sich aus ihrer Sicht am besten durch getrennte Verhandlungen mit den Mit
gliedstaaten erreichen ließ.
Verhandlungen mit einzelnen Mitgliedstaaten werden jedoch nicht
unbedingt für die Gemeinschaft optimale Ergebnisse erbringen. Jeder Mit
gliedstaat, der Verhandlungen mit Japan aufnahm, hat zwar die Aussicht, be
grenzten Zugang zu den japanischen Märkten für seine Institutionen zu er
langen, zumal wenn auch die Japaner Probleme mit dem Zugang zu dem Markt
jenes Mitgliedstaates haben, doch ist es Japan in der Praxis gelungen, den
Forderungen einzelner Mitgliedstaten ^durch maßgeschneiderte Lösungen ge
recht zu werden, ohne seine Märkte generell und wirksam zu öffnen. So mögen
zwar maßgeschneiderte Lösungen als Ergebnis bilateraler Verhandlungen wie
z.B. der Verhandlungen zwischen den USA und Japan theoretisch für alle er
reichbar sein, doch hat die unterschiedliche Natur der finanziellen Insti
tutionen in den einzelnen Mitgliedstaaten in der Praxis häufig zur Folge,
daß solche maßgeschneiderten Lösungen in Wirklichkeit nur für die Institu
tionen des Landes gelten, daß sie ausgehandelt hat. Auch wenn diese Lösun
gen allgemeiner anwendbar waren, ging davon doch kein wirklicher Druck auf
Japan aus, einen gleichwertigen Zugang zu seinen Märkten zu öffnen, wie ihn
japanische Institute auf den europäischen Märkten genießen. Die getrennten
Verhandlungen der Mitgliedstaaten haben die Fähigkeit der Gemeinschaft
geschwächt, Druck auf Japan auszuüben, damit es den Forderungen der Gemein
schaft entgegenkommt, und den Japanern die Möglichkeit gegeben, ihre starke
Stellung zu wahren, indem sie die zwischen den Finanzinstituten der einzel
nen Mitgliedstaaten auf den Weltmärkten bestehende Konkurrenz ausspielen
und dadurch die Gesamtposition der Gemeinschaft schwächen.
Somit war die Gemeinschaft auf dem Gebiet der finanziellen
Dienstleistungen und des Zugangs zu den Yen-Märkten in ihren Beziehungen zu
Japan relativ wenig erfolgreich. Auch auf dem umfassenderen Gebiet der Wäh-
rüngsbeziehungen hatte die Gemeinschaft wenig Einfluß auf, die japanische
Politik, vor allem im Vergleich zu dem Druck, den die US-Behörden von Zeit
zu Zeit ausüben konnten. In dem Maße, in dem Japan zu einer gewichtigeren
Macht im Währungs— und Finanzbereich heranwächst,, ist es jedoch notwendig,
auf breiterer Grundlage Beziehungen zwischen der Gemeinschaft und Japan zu
entwickeln, in die spezifische Fragen wie der relative Zugang zu den gegen
seitigen Finanzmärkten eingebettet werden könnten. Dazu gehört auch die
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Entwicklung von Beziehungen, die eine Einbeziehung der umfassenderen Fragen
der jeweiligen Rollen der Gemeinschaft und Japans innerhalb des internatio
nalen Währungssystems und in Verbindung mit der Entwicklung der internatio
nalen Finanzen gestatten. Beim Ausbau der Beziehungen mit Japan auf dem Ge
biet von Währung und Finanzen ist es auch notwendig, daß das volle Gewicht
der Gemeinschaft in die Waagschale gebracht wird, da die Gemeinschaft nur
auf dieser Grundlage hoffen kann, wirkliche Erfolge zu erzielen.
Beziehungen auf Gemeinschaftsebene bedeuten nicht unbedingt, daß
die einzelnen Mitgliedstaaten künftig nicht mehr bilaterale Gespräche mit
den Japanern über eigene Angelegenheiten führen könnten, doch würden diese
Einzelgespräche mehr Nachdruck erhalten, wenn sie im Rahmen eines umfangs
senden Konzepts der Gemeinschaft gegenüber Japan geführt würden, das eine
enge Koordinierung zwischen den Mitgliedstaaten vorsieht.
III. Währungsbeziehungen
Die Währungsbeziehungen zwischen der Gemeinschaft und Japan kön
nen sowohl bilateral als auch multilateral gesehen werden. Der wichtigste
Aspekt der Währungsbeziehungen betrifft die Wechselkurse, die sowohl die
Handels- als auch die Finanzströme in entscheidender Weise beeinflussen.
W e ch s ej^kur se
Vom bilateralen Gesichtspunkt aus sind die Wechselkursbeziehungen
zwischen der Gemeinschaft und Japan schwach entwickelt. Auf beiden Seiten
bestand die Tendenz, das Verhältnis zum Dollar für am wichtigsten zu hal
ten. So betraf beispielsweise die jüngste Vereinbarung der Fünfergruppe vom
September 1985 die Beziehungen des Dollars zur Gesamtheit der übrigen Wäh
rungen. Dies führte jedoch dazu, daß der Wert des Yen gegenüber den Gemein
schaftswährungen zu einer Restgröße wurde, die das Ergebnis der Entwicklun
gen der jeweiligen Währungen gegenüber dem Dollar ist. Dadurch wurde die
Bedeutung der Wechselkurse als potentielle Anpassungsinstrumente zwischen
den beiden Zonen verringert. Es ist unwahrscheinlich, daß die Handelsbezie
hungen der Gemeinschaft mit Japan auf eine befriedigende Grundlage gestellt
werden können, solange es keine angemessene Wechselkursrelation zwischen
den beiden Zonen gibt. In dieser Hinsicht muß sich die Situation, daß sich
die japanischen Behörden nahezh ausschließlich für die Relation Yen/Dollar
interessieren, ändern, und die Gemeinschaft sollte die japanischen Behörden
dahingehend zu beeinflussen versuchen, daß die Bedeutung der Relationen
zwischen dem Yen und den EG-Währungen als ein entscheidend wichtiges Ele
ment für die bilateralen Beziehungen zwischen beiden Zonen stärker aner
kannt wird. Die parallele Entwicklung des Yen und der EG-Währungen seit
Anfang 1985, insbesondere gegenüber dem Dollar, scfllte Gegenstand von Kon
sultationen zwischen der Gemeinschaft und Japan sein.
Das rnat^ojia_le_wjihrung£s_£steni
Vom multilateralen Gesichtspunkt aus spielt der Wechselkurs zwi
schen Yen und ECU ebenfalls eine wichtige Rolle. Das Wechselkurssystem hat
unvollkommen funktioniert. Stark schwankende Wechselkurse haben Welthandel
und Investitionen erschwert, und die mangelnde Anpassung der Wechselkurse
hat zu anhaltenden Zahlungsbilanzungleichgewichten geführt, die wiederum
das Welthandels- und Währungssystem gefährden. Obgleich die Gemeinschaft
versucht hat, über das EWS einige der wichtigsten verzerrenden Folgen zu
vermeiden, konnte sie doch die Folgen der externen Instabilität nicht ver-
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hindern. Aus diesem Grunde hat siet die Kommission stets für eine gewisse
Steuerung der Wechselkurse ausgespr -hen. Die Folgen von Wechselkursverän
derungen für die Wirtschaft sind zu i reit gestreut, als daß man außer Acht
lassen oder akzeptieren könnte, daß des Wechselkursniveau allein als Rest
größe wirtschaftlicher und finanzieller Entwicklungen bestimmt werden
sollte.
Es ist nicht nur für die einzelnen Volkswirtschaften, sondern
auch für das internationale Währungssystem wesentlich, daß der Wechselkurs
voll in die Wirtschaftspolitik der wichtigsten Industrieländer einbezogen
wird. Da der Wechselkurs auch eine fundamentale Wirtschaftsvariable in den
Beziehungen zwischen den Ländern ist, sollte er Gegenstand gegenseitiger
oder internationaler Diskussionen sein.
Bei den jüngsten internationalen Diskussionen zeigten sich die
japanischen Behörden relativ zurückhaltend gegenüber weiteren institutio
nellen Entwicklungen im internationalen Währungssystem. Sie sind nicht ge
willt, Zielzonen oder die Verwendung des Wechselkurses als Zielindikator zu
unterstützen; sie wünschen kein automatisches Konsultationssystem, und sie
sind nicht für eine größere Publizität beim Überwachungsprozeß. Allerdings
arbeitete Japan als Ergebnis der Tagung der Fünfergruppe vom September 1985
- unter dem Demokiesschwert eines verstärkten Protektionismus in den USA -
voll an der Vereinbarung über die Anpassung der Wechselkurse mit.Japan hat
noch niemals in seiner Geschichte, zu einer Wechselkurspolitik des "laissez
faire" geneigt und vielmehr einen gewissen Grad an Wechselkurssteuerung
angestrebt, allerdings nur auf einseitiger Basis und mit Rücksicht auf die
eigenen politischen Ziele. Eine verstärkte gegenseitige Konsultation auf
bilateraler Grundlage zwischen der Gemeinschaft und Japan könnte ein bes
seres Verständnis für die Notwendigkeit einer Verbesserung des Funktionie-
rens des Systems der floatenden Wechselkurse herbeiführen und zur Weiter
entwicklung des internatinalen Währungssystems und Beeinflussung der Ent
wicklung auf den Märkten beitragen. Das EWS ist nicht nur eine interne Ver
einbarung der Gemeinschaft, sondern Teil des internationalen Währungssy
stems und ein Beitrag zu diesem System, und mit der potentiellen Entwick
lung des Yen zu einer internationalen Währung könnten engere Konsultationen
zwischen der Gemeinschaft und Japan die Aussichten für eine geordnetere und
stabilere Entwicklung auf internationaler Ebene vergrößern.
(
Yen und ECU
Man könnte behaupten, daß Im Rahmen des derzeitigen internationa
len Währungssystems vom US-Dollar zuviel verlangt wird. Die vorherrschende
Stellung des Dollars bewirkt, daß die binnenwirtschaftliche Politik der USA
wichtige Rückwirkungen auf die Wechselkurse, Zinssätze und internationale
Liquidität in der übrigen Welt hat. Auf der anderen Seite ist es den US-Be-
hörden schwergefallen, ihrer binnenwirtschaftlichen Politik eine angemesse
ne inernationale Dimension zu verleihen. Auf längere Sicht wäre daher ein
internationales Währungssystem auf breiterer Basis wünschenswert, das weni
ger stark vom US-Dollar abhängt, und bei dem die Rolle der internationalen
Währung auf mehrere Währungen verteilt- wird. Eine erweiterte internationale
Rolle des Yen wird von der Regierung mit Unterstützung der USA und der Ge
meinschaft befürwortet. Auch die ECU hat auf den internationalen Märkten
immer breitere Verwendung gefunden und wird in zunehmendem Maße als ein für
die Wirtschaft der Gemeinschaft repräsentatives Finanzinstrument betrach
tet. Die Roi1 ~ der ECU wird in dem Maße wachsen, in dem die Gemeinschaft
ihre eigene finanzielle Integration vollendet. Auf diese Weise wird eine
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vollständige finanzielle Integration in der Gemeinschaft parallel zur Ent
wicklung des Binnenmarktes stabilere Wechselkurse innerhalb der Gemein
schaft noch notwendiger machen, was wiederum die Bedeutung einzelner Wäh
rungen in den außenwirtschaftlichen Beziehungen verringern wird. Somit wird
die ECU als eine aus den Gemeinschaftswährungen zusammengesetzte Einheit
wahrscheinlich als ein Maßstab für die Wechselkurse der Gemeinschaft und
politischer Brennpunkt bei der Entwicklung der außenwirtschaftlichen Bezie
hungen der Gemeinschaft im Währungsbereich zunehmende Bedeutung gewinnen.
Ein internationales Währungssystem auf breiterer Grundlage, bei dem Yen und
ECU eine größere Rolle spielen, würde eine engere Zusammenarbeit mit Japan
sowohl bilateral als auch in multilateren Gremien erfordern.
IV. Finanzielle Beziehungen
Trotz der Liberalisierungs- und Deregulierungsmaßnahmen, die seit
1980 angekündigt wurden, vor allem im Anschluß an den "Yen/Dollar-ad-hoc-
Ausschußbericht" vom Mai 1984, ist der Markt für finanzielle Dienste in
Japan nach wie vor stark reglementiert, segmentiert und international abge
schottet. Die sich ständig verlängernde Liste der Beschlüsse, die von den
Behörden getroffen werden, um den Markt zu deregulieren, beeindruckt mehr
als Maß für den Umfang, in dem der Markt beschränkt war und noch ist, weni
ger als Zeichen für die tatsächlich erreichte Liberalisierung. Der für zu
sätzliche Marktöffnungsmaßnahmen vorgesehene Zeithorizont ist weder hinrei
chend progressiv noch ausreichend reformativ, um eine dauerhafte Aktivität
ausländischer Bankinstitute in Japan zu fördern.
Bankensektor
Was den Bankensektor anbelangt, so haben die japanischen Behörden
das Vordringen ausländischer Banken auf ihre heimischen Märkte nicht er
leichtert, während japanische Banken weitgehend auf ausländischen Märkten
zu relativ gleichen Bedingungen wie andere Banken operieren und in größerem
Umfang in überseeische Märkte vorgedrungen sind, um Marktanteile auf Kosten
westlicher Banken zu erobern. Ein jüngster BIZ-Bericht gibt an, daß die
Japaner die USA im internationalen Bankgeschäft erstmalig überflügelt ha
ben. Bis Ende September 1985 gewährten japanische Institute mehr interna
tionale Kredite als US-Bankeh. Der BIZ-Bericht zeigt, daß rund 26% ($ 640
Milliarden) aller internationalen Forderungen der Banken, die der BIZ Mel
dungen machen, bei japanischen Instituten verbucht waren (die Forderungen
der US-Banken - $ 580 Milliarden - stellten 23,4% des Marktes dar. An drit
ter Stelle kamen die französischen Banken mit 8,9%, gefolgt von den briti
schen mit 7,4%; der Anteil der deutschen Banken' betrug 6,7%). Im Vereinig
ten Königreich zum Beispiel kontrollieren japanische Banken etwa 22% aller
Verbindlichkeiten/Forderungen der dort ansässigen Banken und hielten 1984
rund 70% des Londoner Marktes für Schuldscheine mit variablem Zinssatz (USA
4,6%). Dies steht in krassem Gegensatz zu den 0,97% aller Einlagen und
3,10% aller Darlehen und Diskontkredite sämtlicher ausländischer Banken in
Japan während des gleichen Zeitraums. Als weiteres Beispiel für die wach
sende internationale Macht japanischer Banken kann angeführt werden, daß
1980 nur eine japanische Bank unter den ersten zehn Banken der Welt war und
13 unter den ersten 50 (Rangordnung nach Aktiva). 1985 lagen die Zahlen bei
5 bzw. 18. Die USA haben 19 Banken unter den ersten 100, verglichen mit 26
japanischen Banken.
• . I / . . ·
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Was den internen japanis hen Markt anbelangt, sind ausländische
Banken nicht wettbewerbsfähig, vor \llem wegen des billigen Einlagenvolu
mens, das den japanischen Banken zur Verfügung steht, und den sehr schmalen
Margen über Libor und anderen Markt.?inanzierungskosten, die sie bei der
Ausleihung anbieten. Dieser besonder.: Vorteil versetzt die japanischen Ban
ken in die Lage, ihre Aktiva zu wesentlich niedrigeren Kosten zu finanzie
ren als dies die ausländischen Banken können. Ein Ergebnis ist, daß die
ausländischen Banken in Japan praktisch weitgehend als Off-shore-Institute
operieren und ihre Präsenz auf den heimischen Märkten nur marginal zu sein
scheint.
Um ausländischen Banken in Japan hinreichende Möglichkeiten zu
bieten, mit den heimischen Banken zu konkurrieren, ist es notwending, die
Martöffnung deutlich zu beschleunigen, insbesondere im Hinblick auf die
Zinsderegulierung (dies würde für alle Einlagen, das heißt alle Beträge/
Laufzeiten gelten, so daß der Zins ein Marktpreis und nicht ein reglemen
tierter Preis wäre) und einen Interbankmarkt zu entwickeln (das heißt, die
Banken in die Lage zu versetzen, aktiv miteinander ohne Besicherung, ohne
zeitliche Restriktionen und mit einer größeren Vielzahl von Instrumenten
zu handeln). Auch ist es notwendig, den ausländischen Banken zu gestatten,
YEN zu festen Sätzen aufzunehmen (eine Aufhebung der willkürlichen Unter
scheidung zwischen kurz- und langfristigen heimischen Märkten) und größere
Rediskontfazilitäten bei der Bank von Japan einzuräumen. Steuerliche Hemm
nisse, zum Beispiel die Quellensteuer auf Fremdwährungskredite im Ausland,
müßten ebenfalls beseitigt werden. Insgesamt würden die obigen Forderungen
die Errichtung eines deregulierten kurz- und langfristigen Geldmarktes
erfordern, auf dem alle Preise Marktpreise (im Sinne von Angebot und Nach
frage) sind, wo auf Basis von Name und Kreditwürdigkeit gehandelt wird und
wo Besicherungserfordernisse abgeschafft sind.
Andererseits steht außer Frage, daß auf dem Bankensektor in Tokio
sharfe Konkurrenz herrscht; der Bankensektor in Japan ist überbesetzt. Zur
Zeit ist die Nachfrage des UnternehmensSektors unzureichend, um die Markt
teilnehmer zu befriedigen. Angesichts der derzeitigen Lage der heimischen
Wirtschaft werden sich die Banken stärker den gebührenbezogenen und spe
zialisierten Geschäftstätigkeiten zuwenden, und hier haben die europäischen
Banken einen deutlichen Wettbewerbsvorteil. So gehören zum Beispiel die
europäischen Banken zu den erfahrendsten im Management von Portfolios und
Pensionsfonds, haben aber relativ geringen Zugang sum Treuhandgeschäft.
Maßnahmen müssen getroffen werden, um sicherzustellen, daß die tatsächli
chen Vorteile, die die europäischen Banken genießen, nicht während des
Liberalisierungsprozesses verloren gehen, der von den japanischen Behörden
zum Vorteil der heimischen Banken manipuliert zu werden scheint. Es besteht
die Gefahr, daß der derzeitige deutliche Wettbewerbsvorteil den die auslän
dischen Banken genießen, allmählich abbröckeln könnte, wenn die japanischen
Finanzinstitute zielstrebig universale Bankerfahrung im Ausland sammeln;im
Zuge der allmählichen Liberalisierung und Deregulierung des heimischen
Marktes - ein unvermeidlicher, doch ungeordneter·Prozeß - werden diese Ban
ken ihre neu erworbene Erfahrung in der Heimat anwenden und wieder einmal,
wie dies bereits in anderen Sektoren geschah, die Marktkapazitäten zum
Nachteil der ausländischen Konkurrenz auspressen.
Ein wichtiges Hemmnis für die Möglichkeit ausländischer Finanzin
stitute, auf den japanischen Märkten zu operieren, ergibt sich aus Artikel
65 des Securities and Exchange Law (Wertpapier- une Devisengesetz). Dieses
Gesetz hindert Handelsbanken daran, Tochtergesellschaften von Wertpapierge-
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Seilschaften in Japan einzurichten, die hundertprozentige Töchter sind. Vor
kurzem lockerten die Behörden ihre Interpretation dieses Artikels für aus
ländische Banken, die Anwendung hängt jedoch immer noch von der individuel
len Beurteilung ab. Die Einführung der Bestimmung "49,9%" ist rein kosmeti
scher Art. Das Argument für die vollständige Aufhebung dieses Artikels ist,
daß die japanischen Banken in der Lage sind, einen vollständigen Bank- und
Wertpapierservice, auf anderen europäischen Märkten - anzubieten, daß aber
ausländischen Instituten (von denen viele Universalbanken sind) praktisch
dieser Zugang zu den japanischen Märkten verwehrt wird, obwohl sie den
bankrechtlichen Bestimmungen entsprechen.
Kap^it a Imä r k t e_
Während das Tempo der Zinsfreigabe äußerst langsam ist, wurde bei
der Liberalisierung der Kapitalmärkte mehr erreicht. So wurde der Zugang zu
den heimischen Kapitalmärkten für ausländische Kreditnehmer (Samurai) ver
bessert und der Markt für Euroyen Schuldverschreibungen liberalisiert.
Die Tendenz in Japan war jedoch, den Zugang zu den langfristigen
Märkten (Aktien und langfristige Wertpapiere) zu liberalisieren, dagegen
wurden sehr geringe Fortschritte bei der Entwicklung der kurzfristigen
Märkte gemacht (obwohl die kürzliche Einführung eines kurzfristigen staat
lichen Finanzierungsinstruments ein Schritt in die richtige Richtung ist).
Gut entwickelte kurzfristige Märkte sind wesentlich, wenn dér Yen in zuneh
mendem Maße eine internationale Rolle spielen soll. Wegen der reglementier
ten und administrativen Art der Märkte gibt es jedoch keine kurzfristigen
japanischen Märkte, oder, wenn es sie gibt, dann sind sie sehr unterentwik-
kelt.
Das Fehlen entwickelter kurzfristiger Markte war in den letzten
Jahren der wichtigste Faktor, der eine verstärkte internationale Rolle des
Yen verhindert hat. Ausländische Anlagen in Yen-Aktiva sind abgesehen von
Aktien und langfristigen Schuldverschreibungen, ledigleich in reglementier
ten Bankeinlagen (mit Ausnahme ausländische amtliche Währungsinstitutionen)
oder im reglementierten C-D-Markt oder auf dem Rücknahmenmarkt möglich. Wie
oben erwähnt gibt es keinen Interbankmarkt, viele Märkte sind kontrolliert,
und es gibt bislang noch keinen entwickelten Markt für Schatzwechsel oder
auf Yen lautende Handelspapiére. Vor kurzem wurde im Rahmen des Liberali
sierungsprogramms ein Markt für Bankakzepte eingerichtet, aber dies ist
hauptsächlich für heimische Importeure von Interesse.
Als Folge des Fehlens entwickelter kurzfristiger Märkte gab es
keinen echten ausländischen Zugang zu Yen-Aktiva mit der Folge, daß der
Yen-Kurs niemals voll die tatsächliche Stärke där japanischen Wirtschaft
widerspiegelte. Ausländische Finanzinstitute sowie die ausländischen Fi
nanzinstitute in Tokio haben nur geringen oder gar keinen Zugang zu Yen-Ak
tiva oder zu einer Yen-Finanzierungsbasis. Daher haben sie keinen interna
tionalen Markt in Yen oder Yen-Aktiva entwickelt. Eine weitere Folge ist,
daß nun, da die internationale Verwendung des Yen mit der Liberalisierung
der Euro-Yen-Märkte zunimmt, die japanischen Banken einen deutlichen Vor
teil bei Yen-Geschäften haben werden, da sie natürlich Zugang zu Yen-Aktiva
haben.
So wird ohne Deregulierung der heimischen Yen-Märkte die Zunahme
der internationalen Verwendung des Yen behindert werden und, insoweit eine
solche Ausweitung stattfindet, wird sie weitgehend das Vorrecht der japani
schen Banken sein.
- 9 -
Ka^i^ajL s_tr öme
Ein hervorragendes Merkmal der japanischen Zahlungsbilanzposition
ist, daß Japan nunmehr das Land mit dem größten Kapitalexport der Welt
ist. Die Kapitalabflüsse führen dazu, den potentiellen Einfluß Japans auf
die internationalén Kapitalströme zu erhöhen. Zur Zeit betrifft der Kapi
talabfluß hauptsächlich Portfolio-Investitionen vor allem in den USA. Diese
Abflüsse kompensieren zum Teil die Leistungsbilanzungsleichgewichte, die in
Japan und den USA besonders ausgeprägt sind. Sie sind auch das Ergebnis der
grundlegenderen Ungleichgewichte in der amerikanischen und der japanischen
Wirtschaft, wobei die in Japan gegenüber den Investitionen zu hohe Sparquo
te die gegenüber den Investitionen zu geringe Sparquote in den USA finan
ziert. Veränderungen in diesen Kapitalströmen könnten Rückwirkungen auf die
Weltwirtschaft und auf Europa haben. Wenn z.B. die japanischen Portfolio-
Kapitalströme aus den USA auf in Gemeinschaftswährung lautende Aktiva um
geleitet würden, könnte das wirtschaftliche Gleichgewicht und die Stabili
tät der Wechselkurse beeinträchtigt werden. Abgesehen von ihrer Wirkung auf
das makro-ökonomische Gleichgewicht könnten Bewegungen in den japanischen
Kapitalströmen Schwierigkeiten auf den Kapitalmärkten anderer Länder her-
vorrufen und Regelungsprobleme schaffen, für die weltweite Lösungen nötig
sein könnten.
Eine der Charakteristiken der japanischen Wirtschaft ist, daß im
Außensektor im wesentlichen der Dollar dominiert. Dies gilt sowohl für die
Leistungsbilanz als auch für die Kapitalströme. Während sich die Situation
langsam ändert, und die japanischen Exporte sowie die Kredite an LDC in
zunehmendem Maße auf Yen lauten, gilt doch immer noch, daß, wenn der Yen im
internationalen Währungssystem eine größere Rolle spielen soll, es notwen
dig sein wird, dafür zu sorgen, daß die Handels- und Kapitalströme in zu
nehmendem Maße auf Yen lauten.
Weitere wichtige Elemente bei den Kapitalströmen sind Art und
geographische Verteilung der Ströme. Japan könnte eine größere Rolle bei
der Finanzierung der LDC sowohl durch eine erhöhte japanische offizielle
Entwicklungshilfe (ODA) und höhere Beiträge zu den multilateralen Organisa
tionen wie auch in Form direkter Investitionen in den LDC spielen.
Auch die Gemeinschaft ist Importeur japanischen Kapitals vor al
lem in Form von Direktinvestitionen. Die japanischen Direktinvestitionen in
der Gemeinschaft werfen jedoch eine Reihe von Problemen in bezug auf den
jeweiligen Nutzen auf, den die einführenden Länder bzw. Japan haben (nie
driger Technoligie-Transfer, Investitionen, die darauf abzielen, die japa
nischen Importe zu erleichtern usw.). Auch stellt sich die Frage des gegen
seitigen Zugangs - in der Praxis sind ausländische Investitionen in Japan
relativ gering und der Zugang zum Kauf umfangreicher Aktienbeteiligungen,
Übernahmen, Fusionen usw. ist trotz formeller Liberalisierung schwierig.
Direktinvestitionen in Japan hätten für* die Gemeinschaft den Vor
teil, daß sie der europäischen Industrie den Zugang zu japanischem Know-how
und zu japanischer Technologie ermöglichen würden. Für ausländische In
vestoren, insbesondere Klein- und Mittelbetriebe, ist es jedoch natürlich,
sich wegen der zur Unterstützung der Investition notwendigen finanziellen
Dienstleistungen nach Banken der eigenen Nationalität umzusehen. So finden
in der Gemeinschaft die US- wie die japanischen Firmen US- und japanische
Banken vor, die ihnen eine vollständige Dienstleistungspalette anbieten
können. Das gleiche gilt jedoch nicht für europäische Banken in Japan; Aus
landsinvestitionen in Japan werden dadurch erschwert, daß die europäischen
10 -
Finanzinstitute in Japan nicht in der Lage sind, eine Servicepalette anzu
bieten, wie sie zur Förderung von Direktinvestitionen notwendig ist. Die
Anziehungskraft Japans als Markt für Direktinvestitionen würde verstärkt,
wenn es einen dynamischen europäischen Finanzdienstleistungssektor gäbe,
der in der Lage wäre, ein volles Dienstleistungsspektrum anzubieten. Umge
kehrt gilt auch, daß ein breiter Strom von Direktinvestitionen aus Europa
nach Japan dazu beitragen würde, ein Umfeld und einen Markt für europäische
Finanzdienstleistungsaktivitäten zu schaffen, so daß eine gewisse Wechsel
wirkung zwischen ausländischen Finanzdienstleistungsaktivitäten und dem
Zustrom von Direktinvestitionen in ein Land besteht.
V. Schlußfolgerungen
Die Gemeinschft hat im monetären und finanziellen Bereich ihre
Beziehungen mit Japan noch nicht hinreichend entwickelt. Sowohl die Gemein
schaft wie Japan neigen dazu, vor allelm ihre bilateralen Beziehungen zu
den Vereinigten Staaten zu betonen. Dies ist verständlich im Lichte des
Einflusses der Vereinigten Staaten auf die Weltwirtschaft und der Vorherr
schaft des Dollars im internationalen Währungssystem. Das Wachstum der Rol
le der japanischen Finanzinstitute im internationalen Bankensystem und auf
den internationalen Wertpapiermärkten jedoch und die sich in letzter Zeit
entwickelnde Rolle Japans als ein wichtiger Kapitalexporteur haben die
Bedeutung Japans im Währungs- und Finanzbereich erhöht.
Darüber hinaus könnten die jüngsten Entwicklungen erst ein Beginn
sein, da die japanischen Banken und andere Finanzinstitute expandieren und
beginnen, ein breites Spektrum finanzieller Dienstleistungen anzubieten,
der Yen internationalisiert wird und seine Rolle auf den Kapital- und Devi
senmärkten zunimmt, und da die japanischen Direktinvestitionen im Ausland
einen zunehmenden Einfluß auf die Produktionskapazität und technologische
Qualität in den Empfängerländern haben. Es ist notwendig anzuerkennen, wel
che Fortschritte Japan bei der Entwicklung seines Angebots an finanziellen
Dienstleistungen ir» der Weltwirtschaft gemacht hat, und daß es wahrschein
lich ist, daß sich die Entwicklung fortsetzt.
Gleichzeitig gibt es keine entsprechende Entwicklung der Möglich
keit der Gemeinschaft, in Japan finanzielle Dienstleistungen anzubieten,
international und auf dem heimischen Markt in Tokio Zugang zu Yen-Geschäf
ten zu haben oder die japanische Währungs- und Finanzpolitik zu beeinflus
sen, zumindest soweit sie die Gemeinschaft betrifft. Es ist notwendig, daß
die Gemeinschaft enge Beziehungen mit Japan auf dem Gebiet der Wechselkur
se, im Banken- und Kapitalbereich entwickelt, nicht nur um die Interessen
der Gemeinschaft zu schützen, sondern auch um Konsultation und Kooperation
bei den gemeinsamen Problemen zu fördern, mit denen Japan und die Gemein
schaft im Rahmen des internationalen Systems und seiner Probleme konfron
tiert sind.
Der Aufbau intensiverer Beziehungen zu«Japan sollte auf einem Ge
meinschaftsansatz basieren. Es gibt eine Reihe von Gründen, weshalb dies
wichtig ist. Erstens bilden die eigenen Währungsvereinbarungen der Gemein
schaft Teil des umfassenderen internationalen Währungssystsems und sind
nicht nur eine interne Regelung der Gemeinschaft; dies wird bereits durch
die bestehende Koordinierung auf Gemeinschaftsebene bei, internationalen
Währungsdiskussionen anerkannt. Die externe Dimension der gemeinsamen Wech
selkursvereinbarungen und die künftige Entwicklung des internationalen Wäh
rungssystems sind Themen von gemeinsamem Interesse für die Mitgliedstaaten-
···/···
- 11 -
wie dies auch die externen bilateralen Beziehungen sind, die Teil des brei
teren Rahmens der monetären und finanziellen Szene bilden.
Zweitens würde die Position der Gemeinschaft geschwächt, wenn die
Beziehungen zu Japan sich hauptsächlich oder allein auf bilaterale Kontakte
zwischen den Mitgliedstaaten und Japan gründeten. Dies gilt ganz allgemein
auch im besonderen, wenn Japan durch individuelle Verhandlungen mit den
Mitgliedstaaten über bilaterale Themen die Stärke seiner Position nutzen
nrir} erreichen kann, auf die Gemeinschaftsmarkte auf individueller Basis
vorzudringen, ohne eine effektive Liberalisierung seiner eigenen Markte
vorzunehmen.
Die Notwengigkeit, eine Gemeinschaftsposition in den Beziehungen
zu Japan im monetären und finanziellen Bereich zu entwickeln, wird um so
wichtiger, als die Liberalisierung der Devisenkontrollen und Kapitalmärkte
in der Gemeinschaft fortschreitet. Das Vordringen ausländischer Finanzin
stitute auf die Finanzmärkte einzelner Mitgliedstaaten wird die Möglichkeit
für ausländische Finanzinstitute erhöhen, mit fortschreitender Liberalisie
rung auf allen Gemeinschaftsmärkten zu operieren. Die vollständige Freizü
gigkeit für finanzielle Dienstleistungen auf gemeinschaftsweiter Basis, die
in der jüngsten Luxemburger Einigung als Ziel für 1992 beschlossen wurde,
wird es ebenfalls notwendig machen, einen Gemeinschaftsansatz in Bezug auf
die Auslandsbeziehungen zu entwickeln, wie dies bereits im Vertrag (Artikel
70) vorgesehen ist.
Definition eines gemeinsamen Ansatzes für die monetären
und finanziellen Beziehungen zu Japan muß die Gemeinschaft einen Rahmen
setzen, in den sowohl die allgemeineren Fragen im Währungsbereich wie auch
die spezifischeren Probleme im finanziellen Sektor einbezogen werden kön
nen. Ein solcher Rahmen sollte die Ziele definieren, die die Gemeinschaft
in ihren Beziehungen zu Japan anstrebt, und auch die spezifischen Fragen
und Forderungen heraussteilen, die die Gemeinschaft in Bezug auf die inter
nationale Rolle Japans und die Ungleichgewichte bei den finanziellen
Dienstleistungen zwischen der Gemeinschaft und Japan eventuell hat. Ein
solcher Rahmen würde eine nützliche Basis bilden, auf der spezifische The
men bilateraler Art zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten und Japan gere
gelt werden könnten. Er würde den bestehenden individuellen Verhandlungen
der Mitgliedstaaten mit Japan ein Gemeinschaftsgewicht verleihen. Er würde
auch eine ausgewogenere Situation in Bezug auf die finanziellen Dienstlei
stungen schaffen, indem er das volle Gemeinschaftsgesicht bei diesen Themen
zum Tragen brächte.
Ein weiterer Aspekt der Gemeinschaftsbeziehungen zu Japan ist die
Notwendigkeit einer vestärkten Überwachung der Entwicklung. So ist ein bes
serer Informationsaustausch zwischen den Mitgliedstaaten über die Entwick
lungen ihrer Beziehungen zu' Japan und die Rolle japanischer Finanzinstitute
auf ihren Märkten notwendig. Dies könnte im Rahmen von Gemeinschaftskonsul
tationen in einer bestehenden Gemeinschaftsinstitution wie dem Währungsaus
schuß erfolgen. Auch ist die Einführung einer verstärkten Überwachung der
Möglichkeiten für europäische Finanzdienstleistungsaktivitäten in Japan
erforderlich. Die Kommission hat in ihrer Mitteilung über die Beziehungen
zu Japan bereits die Bildung einer Beobachtungsgruppe zur Überwachung der
Entwicklung der Beziehungen zwischen Japan und der Gemeinschaft vorgeschla
gen. Dieses Forum könnte ein nützliches Instrument zur Entwicklung eines
Dialogs mit Japan in diesem Bereich, nicht zuletzt im Hinblick auf die Er
reichung effektiver Maßnahmen in Richtung auf eine ausgeglichenere Wettbe
werbssituation sein.
Tabelle 1
JAPAN : Zahlungsbilanz 1980-1985
in Mrd US$
1980 1981 1982 1983 1984 1985
Leistungsbilanz -10.7 4.8 6.9 20.8 35.0 49.3
Handelsbilanz 2.1 20.0 18.1 31.5 44.3 56.0
Ausfuhren 126.7 149.5 137.7 145.5 168.3 173.9
Einfuhren 124.6 129.6 119.6 114.0 124.0 117.9
Dienste und Übertragungen -12.9 -15.2 -11.2 -10.7 -9.3 -6.7
Langfristiges Kapital 2.4 -9.7 -15.0 -17.7 -49.7 -64.8
Ausfuhr —10.8 —22.8 —27.4 —32.5 —56.8 —82.1
Einfuhr 13.1 13.1 12.4 14.8 7.1 17.3
Kurzfristiges Kapital 3.1 -1.0 -1.6 0.0 -4.3 -0.7
Fehler und Auslassusngen -3.1 0.5 4.7 2.1 3.7 3.9
Gesamtbilanz —8.4 —5.4 —5.0 5.2 — 15.2 — 12.3
Tabelle 2
Indizes monatlicher Durchsehnittswechselkurse
1985 YEN/ECU YEN/USD ECU/USD DM/USD
Januar 100.0 100.0 100.0 100.0
Februar 101.4 97.5 96.3 96.2
März 102.3 98.4 96.1 95.9
April 97.8 101.0 103.2 102.8
Mai 98.3 100.9 102.6 101.8
Juni 97.7' 102.0 104.3 103.4
Juli 95.7 105.2 110.1 108.6
August 94.2 107.0 113.8 113.6
September 96.1 107.5 111.9 111.7
Oktober 99.2 118.3 ' 119.3 119.9
November 102.6 124.4 121.4 122.2
Dezember 100.-7 125.2 124.4 126.0
1986
Januar 99.9 126.9 126.9 129.7
Februar 104.2 137.7 132.1 135.9
Tabelle 3
Die Rolle des Yen
Yen-Denominierung des japanischen Handels in % 1983
Ausfuhren 35.0
Einfuhren 3 ^q
Yen-Anteil bei offiziellen Devisenreserven in % 1984
$ ' 65
DM 12
Yen 5
Externe Anlagen von in Japan ansässigen Banken
in Mrd ÜS% Sept. 1985
Insgesamt 116.0
davon in Yen denominiert 57.2
Yen-Anteil auf Eurowährungsmärkten in % Sept. 1985
$ 69
DM 12
Yen 3
ECU · ‘ ' 3
Yen-Anteil bei Ausgaben von Euro-Anleihen in % 4th Q 1985
$ 63
DM 11
Yen 7
Tabelle 4
Internationale Anlagen von Banken nach Nationalität - September 1985
Mrd. % %-Anteile
Japan ' 640 26
U.S.A. 580 23
E.G. 822 33
Belgien 44 2
Luxemburg 10 -
Dänemark 14 ? 1
Frankreich 221 ' 9
B.R. Deutschland 165 7
Italien 92 4
Niederlande 67 . 3
Spanien 26 1
Verein.Königr. 183 7
Irland )
Griechenland )nicht verfügbar
Portugal )
Insgesamt 2477 100
Quelle : BIS
Tabelle 5
JAPAN : Langfristiger Kapitalverkehr mit dem Ausland 1980-1984
in Mrd US$
Ausfuhr
Einfuhr
1980 1981 1982 1983 1984
Direktinvestitionen 2.4 4.9 4.5 3.6 6.0
Handelskredite 0.1 2.7 3.2 2.6 4.9
Kreditgewährung 2.6 5.1 7.9 8.4 11.9
Wertpapieranlagen 3.8 8.8 9.7 16.0 30.8
Sonstige Anlagen 1.4 1.3 2.0 1 .8 3.2
Direktinvestitionen 0.3 0.2 0.4 0.4 -0.0
Handelskredite -0 . 0 . -0.0 -0.0 +0.0 +0.0
Kreditgewährung . -0.2 -0.2 -0.2 -0.0 -0.1
Wertpapieranlagen 13.1 13.2 11.9 14.1 7.2
Sonstige Anlagen -0.0 -0 . 1 0.3 0.2 0.0
Nettokapitalanlagen im Ausland
in Mrd US$
1985 1986
1981 1982 1983 1984 Schätzung Schätzung
Japan 11 25 37 74 120
175
U.S.A. 143 150 106 ' . 4 - 1 2 0 -250
B.R.Deutschland 19 21 21 '28 40 55
Vereinigtes Königreich 63 71 82 82 85 90
Tabelle 6
JAPAN : Langfristiger Kapitalverkehr mit dem Ausland nach Regionen
in Mrd US$
Sonstige Entwickl.-
U.S. E .C. OECD länder Sonstige
Einfuhren
Direktinvestitionen -0.1 +0.0 +0.0 -0.0 -0.0
Handelskredite +0.0 0.0 0.0 0.0 0.0
Kreditgewährung -0.0 -0.0 -0.0 +0.0 0.0
Wertpapieranlagen 0.7 3.4 2.5 -0.8 1.3
Sonstie Anlagen 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0
Einfuhr
Direktinvestitionen 3.1 0.8 0.2 1.9 0.0
Handelskredite 0.2 0.7 1.5 2.5 0.0
Kreditgewährung 0.4 1.6 3.4 4.6 1.9
v
Wertpapieranlagen 11.3 10.9 5.5 0.6 2.5
Sonstige Anlagen 0.4 0.4 0.0 0.2 2.2
TABELLE 7
i
JAPAN : ÖFFENTLICHE ENTWICKLUNGSHILFE
1980 1981 1982 1983 1984
3.4 3.2 3.0 3.8 4.3
.32 .28 '.28 .33 .35
in Mrd US$
% BNP
Full & Egal Universal Law Academy