BUNDESGERICHTSHOFBESCHLUSSIXa ZB 283/03 vom19. März 2004in dem Zwangsvollstreckungsverfahren - 2 -Der IXa-Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden RichterDr. Kreft, die Richter Raebel, Athing, Dr. Boetticher und Zollam 19. März 2004beschlossen:Auf die Rechtsmittel der Gläubigerin werden die Beschlüsse der5. Zivilkammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth vom 1. Oktober2003 und des Amtsgerichts Hersbruck vom 8. September 2003aufgehoben. Die Sache wird zur erneuten Entscheidung - auchüber die Kosten der Rechtsmittelverfahren - an das Amtsgerichtzurückverwiesen.Wert des Rechtsbeschwerdeverfahrens: bis 300 Gründe: Die zugelassene Rechtsbeschwerde ist begründet.Die Vorinstanzen haben die beantragte Forderungspfändung abgelehnt,weil der als Titel vorgelegte Vollstreckungsbescheid die Gläubigerin nicht ge-nügend bezeichne. Zur Vermeidung von Identitätszweifeln müsse die vollstrek-kungstaugliche Gläubigerbezeichnung einer rechtsfähigen Gesellschaft bür-gerlichen Rechts außer der Verkehrsbezeichnung auch den gesetzlichen Ver-treter der Gesellschaft angeben. - 3 -Das Aktivrubrum des vorgelegten Vollstreckungsbescheids lautet nachder Beschwerdeentscheidung (der Titel selbst befindet sich nicht mehr bei denVollstreckungsakten):F. GBR Gesellschaft bürgerlichen Rechts vertreten durch denGF: W. J. , Straße 21, 6.... H. .Nach diesem Titelinhalt ist die Entscheidung der Vorinstanzen unrichtig.Vollstreckungsbescheide haben nach § 690 Abs. 1 Nr. 1, § 692 Abs. 1 Nr. 1,§ 699 ZPO unter anderem die Bezeichnung der Parteien und ihrer gesetzlichenVertreter zu enthalten. Der gesetzliche Vertreter mag bei einer BGB-Gesellschaft nach dem Grundsatz der Selbstorganschaft (vgl. BGHZ 36, 292,293; 146, 341, 360; BGH, Urt. v. 16. November 1981 II ZR 213/80, NJW1982, 877, 878) mit dem Begriff "Geschäftsführer" wenn so die AbkürzungGF zu verstehen ist ungenau bezeichnet sein. Hieran hat das Vollstrek-kungsgericht mit seiner Zwischenverfügung vom 8. August 2003 Anstoß ge-nommen. Die Bezeichnung Geschäftsführer im Rubrum eines Vollstreckungs-bescheids ist aber bei der BGB-Gesellschaft im Sinne eines geschäftsführen-den Gesellschafters auslegungsfähig. Denn ein angestellter Fremdgeschäfts-führer wäre nicht gesetzlicher, sondern allenfalls rechtsgeschäftlicher Vertreterder Gesellschaft.Hatte das Vollstreckungsgericht in diesem Punkte an der Rechtsstellungdes bezeichneten Geschäftsführers konkrete Zweifel, die auf die Gläubiger-identität durchschlagen konnten, so war diesen Zweifeln nachzugehen. DieZwischenverfügung des Vollstreckungsgerichts ging jedoch über die Ausle- - 4 -gungsfähigkeit der Geschäftsführerbezeichnung hinweg und verlangte im Er-gebnis unabhängig davon eine Titelberichtigung. Der anwaltliche Vertreter derGläubigerin hat danach in seinem Schriftsatz vom 29. August 2003 klargestellt,daß W. J. zu der Zeit geschäftsführender Gesellschafter der Gläubi-gerin, also kein angestellter Fremdgeschäftsführer, war. Beide Vorinstanzenhaben jedoch diese Klarstellung ignoriert oder, ohne anzugeben weshalb, siefür ungenügend erachtet. Ihre Entscheidungen sind demgemäß aufzuheben,ohne daß es allgemeiner Ausführungen zur Frage einer hinreichend bestimm-ten Parteienbezeichnung rechtsfähiger BGB-Gesellschaften im Zwangsvoll-streckungsverfahren bedarf.Das Amtsgericht wird nunmehr unter Abstandnahme von seinen bisheri-gen Bedenken über den Antrag der Gläubigerin neu zu befinden haben (§ 577Abs. 4, § 572 Abs. 3 ZPO).KreftRaebelAthingBoetticherZoll
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