BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS IX Z B 1 20 / 1 1 IX ZA 12/11 vom 8. November 2012 in dem Verfahren auf Vollstreckbarerklärung - 2 - Der IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch d i e Richter Vill , Prof. Dr. Gehrlein, die Richterin Lohmann , die Richter D r. Fischer und Dr. Pape am 8. November 2012 beschlossen: Die Rechtsb eschwerde gegen den Beschluss des 5 . Zivilsenats des Oberlandesgerichts Stuttgart vom 30 . Dezember 20 1 0 wird auf Kosten des Rechtsbeschwerdeführers als unzulässig verwo r- f en. Der Antrag des Rechtsbeschwerdeführers auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe für das vorgenannte Rechtsbeschwerdeverfa h- ren wird abgelehnt . Der Gegenstandsw ert für das Rechts beschwerde verfahren wird auf 1 . 381 . 152 festgesetzt. Gründe: 1. Die Rechtsbeschwerd e ist gemäß Art. 44 der Verordnung (EG) Nr. 44/2001 des Rates über die gerichtliche Zuständigkeit und die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in Zivil - und Handelssachen vom 22. Dezember 2000 (EuGVVO, ABl. L 12/01 S. 1 ) in Verbindung mit § 15 Abs. 1 AVAG, § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO statthaft. Sie ist jedoch nach § 15 Abs. 1 AVAG, § 574 Abs. 2 ZPO unzulässig, weil sie nicht aufzeigt, dass die Recht s- 1 - 3 - sache grundsätzliche Be deutung h a t oder die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer ein heitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Recht s- beschwerdegerichts erfordert. a) Der von der Rechtsbeschwerde geltend gemachte Zulässigkeitsgrund der Grundsatzbedeutung liegt nicht vor . Nach ständige r Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs hat ein e Rechtssache grundsätzliche Bedeutung , wenn sie eine entscheidungserhebliche, klärungsbedürftige und klärungsfähige Recht s- frage auf wi rf t , die sich in einer Vielzahl von Fällen stellen kann ( BGH, B e- schluss vom 4. Juli 2002 - V ZB 16/02, BGHZ 151, 221, 223; vom 1. Oktober 2 002 - XI ZR 71/02, BGHZ 152, 18 2 , 191). An der Entscheidungserheblichkeit der zu klärenden Rechtsfrage fehlt es, wenn die angegriffene Entscheidung aus anderen Gründen richtig ist, die ihrerseits keine Zulässigkeit der Rechtsb e- schwerde beg ründen (vgl. Hk - ZPO/Kayser, 4. Aufl., § 544 Rn. 14 mwN). Kl ä- rungsbedürftig ist sie nur dann, wenn die Beantwortung der Rechtsfrage zwe i- felhaft ist, also über den Umfang und die Bedeutung einer Rechtsvorschrift U n- klarheiten bestehen. Solche Unklarheiten lie gen etwa dann vor, wenn in der Literatur unterschiedliche Meinungen zu e ine r Frage vertreten werden (Münc h- Komm - ZPO/Wenzel, 3. Aufl., § 543 Rn. 7). Ansichten in der Literatur, die ve r- einzelt geblieben oder nicht nachvollziehbar begründet sind, erzeugen kein en solchen Klärungsbedarf (BGH, Beschluss vom 8. Februar 2010 - II ZR 156/09, NJW - RR 2010, 978 Rn. 3; Musielak/Ball, ZPO, 9. Aufl., § 543 Rn. 5a; Hk - ZPO/ Kayser, aaO § 543 Rn. 9). aa) D ie Qualifizierung der Geschäftsführerhaftung bei Insolvenzve r- schle ppung , wie sie auch Art. 299 § 1 des polnischen KSH vorsieht , ist zwar umstritten (vgl. nur Willemer, Vis attractiva concursus und die Europäische I n- solvenzverordnung, 2006, S. 268 ff; Renner, Insolvenzverschleppungshaftung 2 3 - 4 - in internationalen Fällen, 2007, S. 107 ff; Weber, Gesellschaftsrecht und Glä u- bigerschutz im Internationalen Zivilverfahrensrecht, 2011, S. 131 ff; Mankowski, NZI 2012, 53 mwN). Sie ist im Streitfall jedoch nicht entscheidungserheblich. Sofern entsprechende Rechtsstreitigkeiten nicht ziv ilrechtlich, sondern inso l- venzrechtlich qualifiziert würden , könnte im Rahmen des Exequaturverfahrens gegen eine mitgliedstaatliche Entscheidung der ordre public - Vorbehalt nach Art. 26 der Verordnung (EG) Nr. 1346/2001 des Rates vom 29. Mai 2000 über Insol venzverfahren (sog. EuInsVO, ABl. L 160/ 0 1) ein ge w a nd t werd en . D ie Au s legung des Art. 26 EuInsVO orientiert sich bei insolvenzbezogenen Einze l- entscheidun gen , die in einem kontradiktorischen Verfahren ergangen sind, an den zu Art. 34 EuGVVO entwickelten Maß stäben (vgl. Virgós/Schmit, in Stoll, Vorschläge und Gutachten zur Umsetzung des EU - Übereinkommens über I n- solvenzverfahren im deutschen Recht, 1997, Rn. 206; Gruber in Haß/Huber/Gruber/Heiderhoff, EU - Insolvenzverordnung, 2005, Art. 26 Rn. 2; Duursma - Keppli nger, in Duursma - Kepplinger/Duursma/Chalupsky, Europäische Insolvenzverordnung, 2002, Art. 26 Rn. 8 aE; Strobel, Die Abgrenzung zw i- schen EuGVVO und EuInsVO im Bereich insolvenzbezogener Einzelentsche i- dungen, 2006, S. 72 ff, 85; vgl. auch EuGH, Urteil vom 2 . Mai 2006 - Rs. C - 341/04, Eu rofood, NZI 2006, 360 Rn. 64) . Deshalb kann eine die Verteid i- gungsrechte des Rechtsbeschwerdeführers verletzende Zustellung des verfa h- renseinleitenden Schriftstückes entsprechend Art. 34 Nr. 2 EuGVVO einen Ve r- stoß gegen den ve rfahrensrechtlichen ordre public im Sinne von Art. 26 EuInsVO begründen ( vgl. Strobel, aaO S. 76; Haubold, IPRax 2002, 157, 159) , so dass sich die Qualifizierung der Geschäftsführerhaftung als zivil - oder inso l- venzrechtlich im Ergebnis nicht auswirkt . bb) Die von der Rechtsbeschwerde aufg eworfene weitere Frage, ob Art. 25 Abs. 1 Unterabs. 2 EuInsVO eine statische Verweisung auf das EuGVÜ 4 - 5 - enthalte oder ob die Vorschrift als dynamische Verweisung auf die zwische n- zeitlich in den Mitgliedstaaten in Kraft getretene EuGVVO zu verstehen sei, b e- gründet nicht den für § 574 Abs. 2 Nr. 1 ZPO erforderlich en Klärungsbedarf. Aufgrund der Regelung des Art. 68 Abs. 2 EuGVVO, wonach Verweisungen auf das EuGVÜ fortan als Verweise auf die EuGVVO zu verstehen sind, wird A rt. 25 Abs. 1 Un terabs. 2 EuInsVO zutreffend als Verweisung auf die nunmehr geltende EuGVVO ausgelegt (Duursma - Kepplinger , aaO Art. 25 Rn. 2; Gruber in Haß/Huber/Gruber/Heiderhoff, aaO Art. 25 Rn. 3; Kemper in Kübler/Prütting/ Bork, InsO, 2010, Art. 25 EuI nsVO Rn. 18; MünchKomm - BGB/Kindler, 5. Aufl., Art. 25 VO (EG) 1346/2000 Rn. 1; Pannen/Riedemann, Europäische Insolven z- verordnung, 2007, Art. 25 Rn. 37; Rauscher/Mankowski, EuZPR/EuIPR, 2011, Art. 68 Brüssel I - VO Rn. 4; HK - InsO/Stephan, 6. Aufl., Art. 25 Eu InsVO Rn. 5; Nerlich in Nerlich/Römermann, InsO, 20 09 Art. 25 VO (EG) 1346/2000, Rn. 2; MünchKomm - InsO/Reinhart, 2. Aufl., Art. 25 VO (EG) 1346/2000 Rn. 3, 13; Uhlenbr u ck/Lüer, InsO, 13. Aufl., Art. 25 EuInsVO Rn. 12; Haubold in Gebauer/ Wiedmann, Zivilrec ht unter europäischem Einfluss, 2005, Kap. 30 Rn. 204; Lorenz, Annexverfahren bei Internationalen Insolvenzen, 2005, S. 51; Haubold, IPRax 2002, 157, 159). Die von der Rechtsbeschwerde zitierte Empfehlung des französischen Justizministeriums (Bulletin off iciel du Ministère de la Justice n o 89 vom 17. März 2003) reicht ihrer Art nach nicht aus, um die aufgeworfene Rechtsfrage als klärungsbedürftig im Sinne von § 574 Abs. 2 Nr. 1 ZPO anz u- sehen. b) W eitere Zulässigkeitsgründe - auch im Zusammenhang mit d er Zuste l- lung des verfahrenseinleitenden Schriftstückes - sind nicht schlüssig und su b- stantiiert dargelegt ( vgl. Hk - ZPO/Kayser, aaO § 544 Rn. 24 mwN ). Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 17 Abs. 2 Satz 2 AVAG, § 577 Abs. 6 Satz 3 ZPO abgesehen. 5 - 6 - 2 . Der Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe für die Rechtsb e- schwerde ist abzulehnen, weil die beabsichtigte Rechtsverfolgung nach den vorstehenden Ausführungen keine hinreichend e Aussicht auf Erfolg bietet (§ 114 Satz 1 ZPO). Vill Gehrlein Lohm ann Fischer Pape Vorinstanzen: LG Ellwangen, Entscheidung vom 04.11.2009 - 5 O 360/09 - OLG Stuttgart, Entscheidung vom 30.12.2010 - 5 W 71/09 - 6
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