BUNDESGERICHTSHOFIM NAMEN DES VOLKESURTEILXII ZR 109/01Verkündet am: 12. November 2003Küpferle,Justizamtsinspektorinals Urkundsbeamtinder Geschäftsstellein der FamiliensacheNachschlagewerk:jaBGHZ: nein BGB § 1579 Nr. 2; ZPO §§ 543 Abs. 1 Nr. 1 a.F., 621 da)Zu den besonderen Voraussetzungen, unter denen ein Unterhaltsschuldner, derein Verbrechen oder ein schweres Vergehen gegen den Unterhaltsgläubiger be-geht, nach § 1579 Nr. 2 BGB auch einen Anspruch auf rückständigen Unterhaltverwirkt.b)Zur auf einen bestimmten Unterhaltszeitraum beschränkten Revisionszulassung(im Anschluß an Senatsurteil vom 29. Januar 2003 - XII ZR 92/01 - FamRZ 2003,590).BGH, Urteil vom 12. November 2003 - XII ZR 109/01 - OLGZweibrückenAGLudwigshafen am Rhein - 2 -Der XII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlungvom 12. November 2003 durch die Vorsitzende Richterin Dr. Hahne und dieRichter Sprick, Weber-Monecke, Prof. Dr. Wagenitz und Dr. Ahltfür Recht erkannt:Die Revision gegen das Urteil des 2. Zivilsenats des PfälzischenOberlandesgerichts Zweibrücken - als Familiensenat - vom30. März 2001 wird - auf Kosten des Klägers - als unzulässig ver-worfen, soweit er Trennungsunterhalt für die Zeit ab 1. Januar1999 begehrt, und im übrigen - für die Zeit vom 1. April 1998 bis31. Dezember 1998 - als unbegründet zurückgewiesen.Von Rechts wegenTatbestand: Der Kläger begehrt in monatlich unterschiedlicher Höhe Trennungsunter-halt für die Zeit vom 1. April 1998 bis zur Rechtskraft der Scheidung am15. Oktober 1999.Die Parteien hatten am 29. Juli 1988 die Ehe geschlossen. Am 9. März1998 zog die Beklagte mit den beiden aus der Ehe hervorgegangenen Kindern- A., geboren 1991, und J., geboren 1992 - aus dem von den Parteien gemie-teten Einfamilienhaus aus. Seither leben die Parteien getrennt. - 3 -Der 1945 geborene Kläger war während der Trennungszeit - wie auchschon zuvor - gesundheitlich beeinträchtigt und erwerbslos; er bezieht seit EndeDezember 1998 Sozialhilfe. Die Beklagte arbeitete während der Ehe vollschich-tig als Diplomübersetzerin in einem Patentanwaltsbüro und erzielte danebenEinkünfte aus selbständiger Übersetzungstätigkeit. Seit Juni 1998 arbeitet sie inihrer nichtselbständigen Tätigkeit nur noch 30 Wochenstunden; in welchemUmfang sie während der Trennungszeit selbständig tätig war, ist streitig.Am Nachmittag des 23. Dezember 1998 wollte die Beklagte mit ihrenKindern die Räume des Kinderschutzbundes in L. aufsuchen; dem Kläger solltedort der betreute Umgang mit den Kindern ermöglicht werden. Auf dem Wegdorthin wurde die Beklagte von einem Mann angegriffen und mit einem Metall-rohr mehrmals auf Kopf und Arme geschlagen; sie erlitt eine Kopfplatzwundesowie Schwellungen und Hämatome an Kopf und Oberarm. Der Kläger, der dieTäterschaft bestreitet, ist wegen dieser Tat rechtskräftig wegen gefährlicherKörperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monatenverurteilt worden, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde.Das Amtsgericht hat die Klage abgewiesen. Das Oberlandesgericht hatdie Berufung des Klägers zurückgewiesen. Hiergegen richtet sich die zugelas-sene Revision, mit welcher der Kläger sein Berufungsbegehren weiterverfolgt. - 4 -Entscheidungsgründe: I.Die Revision ist nicht zulässig, soweit der Kläger für die Zeit ab 1. Januar1999 Trennungsunterhalt begehrt; denn hierzu fehlt es an einer Zulassung desRechtsmittels durch das Oberlandesgericht.Der Entscheidungssatz des angefochtenen Urteils enthält zwar keinenZusatz, der die dort zugunsten des Klägers zugelassene Revision einschränkt.Die Eingrenzung des Rechtsmittels kann sich jedoch auch aus den Entschei-dungsgründen ergeben (vgl. etwa Senatsurteil vom 29. Januar 2003 - XII ZR92/01 - FamRZ 2003, 590). Das ist hier der Fall. Das Oberlandesgericht hat inden Gründen seines Urteils ausgeführt, die Revision werde im Hinblick auf dievom Bundesgerichtshof bislang nicht entschiedene Frage zugelassen, ob Aus-nahmefälle denkbar seien, in denen eine Verfehlung des unterhaltsberechtigtenEhegatten gegenüber dem unterhaltspflichtigen Ehegatten so schwer wiege,daß die Inanspruchnahme des unterhaltspflichtigen Ehegatten nicht nur wegenkünftiger, sondern auch wegen bereits entstandener Unterhaltsansprüche un-zumutbar erscheine. Diese Frage erlangt im vorliegenden Rechtsstreit nur in-soweit Bedeutung, als der Kläger Trennungsunterhalt für die Monate April bisDezember 1998 verlangt; denn nur für diesen Zeitraum waren etwaige Ansprü-che des Klägers auf Trennungsunterhalt bereits entstanden, als der dem Klägerzur Last gelegte tätliche Angriff auf die Beklagte am 23. Dezember 1998 be-gangen wurde. Ist aber in einem Unterhaltsrechtsstreit die Rechtsfrage, deret-wegen das Oberlandesgericht die Revision zugelassen hat, nur für einen klarbegrenzten Teil des Zeitraums, für den insgesamt Unterhalt begehrt wird, er-heblich, so liegt, wie der Senat entschieden hat, regelmäßig die Annahme nahe,das Oberlandesgericht habe die Revision nur hinsichtlich des von der Zulas- - 5 -sungsfrage betroffenen Teils des Unterhaltszeitraums zulassen wollen (Senats-urteil aaO 591). Auch im vorliegenden Fall ist deshalb davon auszugehen, daßdas Oberlandesgericht die Revision nur insoweit zulassen wollte, als der KlägerUnterhalt für die Zeit vom 1. April 1998 bis 31. Dezember 1998 begehrt.II.Soweit der Kläger für diesen Zeitraum Unterhalt begehrt, ist das Rechts-mittel nicht begründet.1. Das Oberlandesgericht hat dahinstehen lassen, ob die Voraussetzun-gen eines Anspruchs des Klägers auf Trennungsunterhalt im vorliegenden Fallerfüllt sind. Jedenfalls seien etwaige Trennungsunterhaltsansprüche verwirkt.Aufgrund der im Strafverfahren protokollierten Zeugenaussage der Zeu-gin M. stehe zur Überzeugung des Oberlandesgerichts fest, daß es der Klägergewesen sei, der die Beklagte tätlich angegriffen und verletzt habe. Die Zeuginhabe einen Mann in einem blauen Arbeitsanzug mit einem länglichen Gegen-stand in der Hand hinter der um Hilfe schreienden Beklagten und den beidenKindern herlaufen sehen. Kurze Zeit später habe sie diesen Mann zurückkom-men, den in der Hand gehaltenen Gegenstand sowie eine bei der Rückkehrgetragene Perücke in den Kofferraum eines dunkelfarbigen Kraftfahrzeugs le-gen und mit diesem Wagen davonfahren sehen. Unter dem amtlichen Kennzei-chen, das die Zeugin sich gemerkt habe, sei ein dunkelfarbiges Kraftfahrzeugauf den Namen des Klägers zugelassen gewesen. Auch die von der Zeugingeschilderten persönlichen Merkmale des von ihr beobachteten Mannes(dunklere Hautfarbe, Brille mit dunklem Rand und fehlende Haare auf dem - 6 -Hinterkopf) träfen auf den Kläger, der dem Oberlandesgericht aufgrund persön-licher Anhörung bekannt sei, zu. Da das Oberlandesgericht bereits aufgrund derurkundenbeweislich verwerteten Zeugenaussage von der von der Beklagtenbehaupteten Täterschaft des Klägers überzeugt sei, habe es der unmittelbarenVernehmung der Zeugin M. sowie der beiden Kinder, deren Angaben im Er-mittlungsverfahren wegen fehlender Belehrung über das Zeugnisverweige-rungsrecht urkundenbeweislich nicht hätten verwertet werden können, nichtbedurft.Der schwerwiegende Angriff des Klägers gegen die körperliche Unver-sehrtheit der Beklagten erfülle den Tatbestand des § 1579 Nr. 2 BGB. Er führezum Ausschluß etwaiger Trennungsunterhaltsansprüche des Klägers; denn essei der Beklagten nicht zuzumuten, an den Kläger trotz dessen Verhaltens ihrgegenüber Unterhaltsleistungen zu erbringen. Dies gelte auch für die Zeit vordem tätlichen Angriff. In der Regel trete eine Verwirkung von Unterhaltsansprü-chen wegen schwerer Vergehen oder Verbrechen gegen den Unterhaltsver-pflichteten zwar nur für die Zukunft ein und lasse zum Zeitpunkt der Verfehlungbereits entstandene Unterhaltsansprüche unberührt. Es bestehe nämlichgrundsätzlich kein Anlaß, den mit Unterhaltszahlungen in Verzug geratenenUnterhaltspflichtigen zu begünstigen, weil ein späteres Ereignis ihn von derUnterhaltspflicht befreie. Allerdings seien Ausnahmefälle denkbar, in denen dieVerfehlung des Berechtigten so schwerwiegend sei, daß die Inanspruchnahmedes Verpflichteten auch wegen bereits entstandener Unterhaltsansprüche un-zumutbar erscheinen müsse. Ein solcher Ausnahmefall liege hier vor: Der Klä-ger habe die Tat von langer Hand vorbereitet und in dem Bewußtsein geplant,daß die beiden Kinder das Geschehen miterleben würden. Die Tatausführungsei zudem geeignet gewesen, der Beklagten wesentlich ernsthaftere Verletzun-gen zuzufügen als sie letztlich aufgrund der Flucht der Beklagten vermiedenwerden konnten. Schließlich sei zu bedenken, daß die Beklagte einen etwaigen - 7 -Unterhaltsanspruch des Klägers für die Zeit vor dem tätlichen Angriff zumindestteilweise dadurch erfüllt habe, daß sie den Mietzins für die vormalige Ehewoh-nung auch noch nach ihrem Auszug an die Vermieter entrichtet und damit zu-mindest den Wohnbedarf des Klägers bis zu dessen Auszug aus dieser Woh-nung im Mai 1999 gedeckt habe.2. Diese Ausführungen halten rechtlicher Nachprüfung stand.a) Die Revision rügt, das Oberlandesgericht sei verfahrensfehlerhaft zuder Feststellung gelangt, der Kläger habe den tätlichen Angriff auf die Klägerinverübt. Dieser Rüge bleibt der Erfolg versagt.Ein Verfahrensverstoß liegt nicht schon darin, daß das Oberlandesge-richt die Zeugin M. nicht selbst vernommen, sondern sich darauf beschränkthat, die Aussage der Zeugin aus dem Strafverfahren zu verwerten. Protokolleüber die Aussagen von Zeugen in einem anderen Verfahren dürfen im Wegedes Urkundenbeweises in den Zivilprozeß eingeführt und dort gewürdigt wer-den, wenn dies - wie hier seitens der Beklagten geschehen - von der beweis-pflichtigen Partei beantragt wird. Unzulässig wäre die Verwertung dieser frühe-ren Aussage im Wege des Urkundenbeweises anstelle der Vernehmung derZeugin im anhängigen Verfahren allerdings dann, wenn eine Partei zum Zwek-ke des unmittelbaren Beweises die Vernehmung dieser Zeugin beantragt oderdie Beurteilung der Glaubwürdigkeit der Zeugin deren unmittelbare Verneh-mung erfordert hätte (BGH Urteil vom 30. November 1999 - VI ZR 207/98 -BGHR ZPO § 286 Abs. 1 Strafakten 3; Zöller/Greger ZPO 23. Aufl. § 356Rdn. 4, § 373 Rdn. 9). Beides war hier indes nicht der Fall. Die Beklagte hattezum Beweis der Täterschaft des Klägers vorrangig die Beiziehung der Strafak-ten beantragt und dementsprechend nur hilfsweise die Vernehmung dieserZeugin angeboten; der Kläger hat die Anhörung dieser Zeugin oder anderer - 8 -Zeugen zum Antritt des Gegenbeweises nicht beantragt. Die Glaubwürdigkeitder mit den Parteien nicht bekannten und am Tatgeschehen unbeteiligten Zeu-gin stand nicht in Frage. Andere Gesichtspunkte, die eine Verletzung desGrundsatzes der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme begründen könnten, sindnicht ersichtlich; auch die Revision zeigt solche Aspekte nicht auf.Allerdings durfte das Oberlandesgericht die Akten über das gegen denKläger geführte Strafverfahren nur verwerten, wenn diese zuvor Gegenstandder mündlichen Verhandlung waren. Das war - entgegen der Auffassung derRevision - hier jedoch der Fall. Zwar läßt der Wortlaut des in der letzten mündli-chen Verhandlung vor dem Oberlandesgericht verkündeten Beschlusses ("DieStrafakten ... werden zu Beweiszwecken beigezogen") für sich genommen nichtohne weiteres erkennen, daß die Strafakten in der Folge auch tatsächlich zumGegenstand der mündlichen Verhandlung gemacht worden sind. Das ist jedochauch nicht nötig. Aus den Akten über den vorliegenden Rechtsstreit ergibt sich,daß die Strafakten im Zeitpunkt der letzten mündlichen Verhandlung vor demOberlandesgericht vorlagen. Ausweislich des Protokolls über diese mündlicheVerhandlung folgte auf den Beschluß über die Beiziehung der Akten eine er-neute Erörterung der Sach- und Rechtslage, eine streitige Verhandlung derAnwälte zur Sache und die Verkündung eines Entscheidungstermins. Es istdeshalb davon auszugehen, daß die Strafakten Gegenstand der mündlichenVerhandlung waren und für alle Beteiligten erkennbar war, daß das Gericht die-se Akten bei seiner Entscheidung, für deren Verkündung es am Schluß der Sit-zung einen Termin bestimmte, berücksichtigen werde.Auch der Beibringungsgrundsatz ist nicht verletzt. Richtig ist zwar, daßein Antrag auf Beiziehung von Akten nach § 432 ZPO grundsätzlich nicht dengesetzlichen Erfordernissen genügt, wenn die Partei nicht näher bezeichnet,welche Urkunden oder Aktenteile sie für erheblich hält. Gibt der Tatrichter ei- - 9 -nem Antrag auf Beiziehung von Akten statt, obwohl dieser Antrag den Erforder-nissen nicht genügt, so wird damit nicht ohne weiteres der gesamte Akteninhaltzum Gegenstand des Rechtsstreits; denn der Tatrichter betriebe eine unzuläs-sige Beweisermittlung, wenn er von sich aus die beigezogenen Akten daraufhinüberprüfen wollte, ob sie Tatsachen enthalten, die einer Partei günstig sind(BGH Urteil vom 9. Juni 1994 - IX ZR 125/93 - ZIP 1994, 1555, 1557). So lagendie Dinge hier jedoch nicht. Die Beklagte hat zwar in der mündlichen Verhand-lung vor dem Oberlandesgericht zum Nachweis der behaupteten Täterschaftdes Beklagten nur "die Beiziehung der Strafakten... der Staatsanwaltschaft F."beantragt, ohne sich dabei auf konkrete Akteninhalte zu beziehen. Sie hat je-doch zuvor schriftsätzlich verdeutlicht, daß sie sich zum Beweis für die von ihrbehauptete Täterschaft des Klägers auf das Zeugnis der Zeugin Christine M.berufen wolle. Aus dem Zusammenhang beider Anträge wird deutlich, daß dieBeklagte auf die urkundenbeweisliche Verwertung der Strafakten im Hinblickauf die Aussage der Zeugin Christine M. angetragen hat. Diesem Antrag hatdas Oberlandesgericht ohne Rechtsfehler entsprochen.Die von der Revision erhobenen weiteren Verfahrensrügen hat der Senatgeprüft und für nicht durchgreifend erachtet.b) Nach Auffassung der Revision rechtfertigt die vom Oberlandesgerichtfestgestellte Täterschaft des Klägers nicht den Ausschluß von Unterhaltsan-sprüchen, die dem Kläger für die Zeit vor der Tat zustünden. Auch damit kanndie Revision nicht durchdringen.Zwar geht - wie der Senat bereits dargelegt hat - ein Unterhaltsgläubiger,der ein Verbrechen oder ein vorsätzliches schweres Vergehen gegen den Un-terhaltsschuldner begeht, nach § 1579 Nr. 2 BGB seiner Unterhaltsansprüchegrundsätzlich nur für die Zukunft verlustig. Das ergibt sich bereits aus der Ent- - 10 -stehungsgeschichte dieser Härteklausel, die durch das 1. EheRG geschaffenworden und dem bis dahin geltenden § 66 EheG vergleichbar ist. Zu § 66 EheGwar anerkannt, daß eine Verwirkung des Unterhaltsanspruchs nur für die Zu-kunft eintritt und bereits entstandene Unterhaltsansprüche unberührt läßt. In derBegründung des Entwurfs eines 1. EheRG wird zudem auf die Rechtsähnlich-keit der neuen Härteklausel mit § 1611 BGB hingewiesen. Auch für diese Vor-schrift, die einen Wegfall oder eine Beschränkung des Verwandtenunterhaltswegen schwerer Verfehlung gegenüber dem Unterhaltspflichtigen vorsieht, warschon bei der Schaffung des 1. EheRG anerkannt, daß die Verwirkung desUnterhaltsanspruchs nicht rückwirkend eintritt. Beides rechtfertigt den Schluß,daß der Gesetzgeber bei der Schaffung des § 1579 Nr. 2 BGB für die zeitlicheReichweite der Verwirkung keine von den § 66 EheG, § 1611 BGB grundsätz-lich abweichende Regelung treffen wollte (Senatsurteil vom 9. November 1983- IVb ZR 8/82 - FamRZ 1984, 334 mit ausführlichen Nachweisen).Dieser gesetzgeberische Wille schließt es freilich nicht aus, in Ausnah-mefällen auch bereits entstandene Unterhaltsansprüche als verwirkt anzusehen(offengelassen im Senatsurteil vom 9. November 1983 aaO). Richtig ist zwar,daß der Zweck der Härteklausel es nicht zwingend erfordert, generell auch ei-nen bereits fälligen, aber unerfüllt gebliebenen Unterhaltsanspruch rückwirkendzu vernichten. Auch erscheint es nicht gerechtfertigt, einen in Verzug geratenenUnterhaltsschuldner allein deshalb zu begünstigen, weil ein späteres Ereignisihn von der Unterhaltspflicht befreit (Senatsurteil vom 9. November 1983 aaO).Beide Gesichtspunkte hindern indes nicht, der Schwere der vom Unterhalts-gläubiger gegen den Unterhaltsschuldner verübten Straftat in besonders gravie-renden Ausnahmefällen durch eine Verwirkung auch bereits entstandener Un-terhaltsansprüche Rechnung zu tragen. § 1579 BGB knüpft die Versagung,Herabsetzung oder Begrenzung von Unterhaltsansprüchen an das Kriteriumgrober Unbilligkeit. Aus den genannten Gründen wird die Einforderung von Un- - 11 -terhaltsrückständen nicht immer schon dann als grob unbillig anzusehen sein,wenn die vom Täter begangene Straftat eine künftige unterhaltsrechtliche Inan-spruchnahme des leistungsfähigen Opfers durch den bedürftigen Täter unzu-mutbar werden läßt. Dennoch können besondere Umstände der Tat jede weite-re Erfüllung der sich aus der ehelichen oder nachehelichen Solidarität ergeben-den Unterhaltspflicht für das Opfer unerträglich werden und mit Billigkeitsge-sichtspunkten schlechthin unvereinbar erscheinen lassen, mag auch der Zeit-raum, für den der Täter von seinem Opfer Unterhalt begehrt, vor der Tatausfüh-rung gelegen haben. Die Beurteilung der Frage, ob die besonderen Vorausset-zungen einer solchen, auch vor der Tat liegende Unterhaltszeiträume erfassen-den Unzumutbarkeit weiterer Unterhaltsleistungen vorliegen, obliegt dem Tat-richter. Das Oberlandesgericht hat diese Voraussetzungen insbesondere des-halb bejaht, weil der Kläger die Tat gegen die Beklagte nicht im Affekt began-gen, sondern von langer Hand geplant hat und sich dabei bewußt war, daß diegemeinsamen Kinder Zeugen der an ihrer Mutter begangenen Gewalttat wür-den. Es hat zusätzlich berücksichtigt, daß die Beklagte den Mietzins für das bisdahin als Ehewohnung genutzte Einfamilienhaus auch nach der Trennung derParteien und über den Zeitpunkt der Tat des Klägers hinaus bis hin zu dessenAuszug (im Mai 1999) an die Vermieter entrichtet und damit - 12 -den Unterhaltsanspruch des Klägers für die Zeit vor der Tat zumindest teilweiseerfüllt hat. Diese tatrichterliche Würdigung läßt revisionsrechtlich bedeutsameRechtsfehler nicht erkennen.HahneSprickWeber-MoneckeWagenitzAhlt
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