BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS IX ZR 134/08 vom 29. September 2011 in dem Rechtsstreit - 2 - Der IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Richter Vill als Vorsi t- zenden und die Richter Raebel, Prof. Dr. Gehrlein, Grupp und die Richterin Möhri ng am 29. September 2011 beschlossen: Die Beschwerden des Klägers und der Beklagten gegen die Nich t- zulassung der Revision im Urteil des 6. Zivilsenats des Pfälz i- schen Oberlandesgerichts Zweibrücken vom 20. Juni 2008 - berichtigt durch Beschluss vom 11. August 2008 - werden z u- rückgewiesen. Von den Kosten des Beschwerdeverfahrens tragen der Kläger 30 % und die Beklagte 70 %. Der Streitwert des Beschwerdeverfahrens wird auf 76.139,44 festgesetzt. Die Anordnung einer weiteren Sicherheitsleistung des Klä gers wegen der Prozesskosten wird abgelehnt. - 3 - Gründe: I. Die Nichtzulassungsbeschwerde des Klägers ist unbegründet. 1. Der Kläger zeigt eine Abweichung der angefochtenen Entscheidung von obergerichtlicher Rechtsprechung zur Vollstreckungsabwe hrklage (§ 767 ZPO) nicht auf, denn es hat nicht die Beklagte aufgerechnet, sondern der Kl ä- ger. 2. Sowohl die Hauptforderung wie auch die Gegenforderung unterliegen dem kalifornischen Recht, weswegen die Aufrechnung nach kalifornischem Recht hätte beur teilt werden müssen (BGH, Urteil vom 25. November 1993 - IX ZR 32/93, NJW 1994, 1413, 1416; vom 22. November 1962 - VII ZR 264/61, BGHZ 38, 254, 256). Eine Abweichung von der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ergibt sich aus dem angefochtenen Urteil je doch nicht. Das Berufungsgericht hat lediglich eine Rechtsfrage übersehen (vgl. Hk - ZPO/Kayser, 4. Aufl., § 543 Rn. 23). 3. Das Berufungsgericht hat die Prozesserklärungen des erstinstanzl i- chen Prozessbevollmächtigten des Klägers so ausgelegt, dass mit der Haup t- forderung, nicht mit den Zinsansprüchen aufgerechnet worden sei. Im Hinblick darauf musste sich das Berufungsgericht nicht mit dem Vortrag des Klägers zu anderen Tilgungsmodalitäten auseinandersetzen. 4. Soweit das Berufungsgericht eine Vollst reckbarerklärung der nach E r- lass des Versäumnisurteils anfallenden Zinsen abgelehnt hat, weil diese in dem 1 2 3 4 5 - 4 - Versäumnisurteil nicht tituliert seien, zeigt die Nichtzulassungsbeschwerde ebenfalls keinen Zulassungsgrund auf. Ein Begründungsmangel ist nicht geg e- ben. Eine Abweichung von obergerichtlicher Rechtsprechung wird nicht darg e- tan. Ebenso wenig liegt eine Verletzung rechtlichen Gehörs vor. II. Die Nichtzulassungsbeschwerde der Beklagten ist ebenfalls unbegrü n- det. 1. Der Erfüllungsort bestimmt sich vorliegend nach kalifornischem Recht (vgl. BGH, Urteil vom 3. Dezember 1992 - IX ZR 229/91, BGHZ 120, 334, 347; vom 27. April 2010 - IX ZR 108/09, BGHZ 185, 241 Rn. 15), da auch auf das zugrundeliegende Schuldverhältnis, den Anwaltsvertrag, kalifornis ches Recht anzuwenden ist, Art. 28 EGBGB a.F.. Dass der Erfüllungsort nach kaliforn i- schem Recht in Kalifornien lag, ist zwischen den Parteien unstreitig. 2. Die Beklagte hat sich nicht rechtzeitig darauf berufen, ihr sei das ve r- fahrenseinleitende Dokum ent nicht so rechtzeitig zugestellt worden, dass sie sich habe verteidigen können, § 723 Abs. 2 Satz 2, § 328 Abs. 1 Nr. 2 ZPO. Denn sie hat die Rüge erst in der Berufungsinstanz im nachgelassenen Schrif t- satz erhoben, ohne hierdurch auf neuen Sachvortrag d es Klägers erwidert zu haben, und kann deswegen hiermit keine Berücksichtigung finden (BGH, Urteil vom 11. November 1964 - IV ZR 320/63, NJW 1965, 297 f; vom 2. Juni 1966 - VII ZR 41/64, NJW 1966, 1657, 1658; vom 14. März 1979 - IV ZR 80/78, F a- mRZ 1979, 57 3, 575). In der Revisionsinstanz kann die Zustellungsrüge nicht mehr erhoben werden (vgl. BGH, Urteil vom 1. März 1951 - III ZR 205/50, 6 7 8 - 5 - BGHZ 1, 234, 239; vom 23. Oktober 2003 - IX ZR 324/01, WM 2004, 1290, 1293 für die Einrede der Verjährung). Darauf, ob d as Berufungsgericht die R ü- ge nach § 531 ZPO zurückweisen durfte bzw. sie nach §§ 295, 532 ZPO analog hätte zurückweisen müssen (so Zöller/Geimer, ZPO, 28. Aufl., § 328 Rn. 153; Musielak/Stadler, ZPO, 8. Aufl., § 328 Rn. 14), kommt es nicht an. 3. Zu de m behaupteten Verstoß gegen den ordre public, § 723 Abs. 2 Satz 2, § 328 Abs. 1 Nr. 4 ZPO, wird ein Zulassungsgrund nicht dargelegt. 4. Ebenso wenig führt die Nichtzulassungsbeschwerde einen Zula s- sungsgrund zum Fehlen der Gegenseitigkeit gemäß § 723 A bs. 2 Satz 2, § 328 Abs. 1 Nr. 5 ZPO aus. Sie meint, die Gegenseitigkeit sei in Fällen nicht ve r- bürgt, in denen die zu erwartenden Anwaltskosten, die nach der US - amerikanischen "rule of costs" von jeder Partei selbst zu tragen seien, den zu vollstreckenden Betrag überstiegen. Dies sei bei einem Vollstreckbarkeitserkl ä- rungsverfahren in den USA bei einem zu vollstreckenden Betrag bis 100.000 US$ der Fall (vgl. hierzu Schütze, RiW 2004, 162, 166; ZVglRWiss 104 (2005), 427, 437 f; Zöller/Geimer, ZPO, 28. Aufl., Anh . V unter dem Stichwort "Vereinigte Staaten von Amerika"). Der Senat hat im Hinblick auf die "rule of costs" die Verbürgung der Gegenseitigkeit gemäß § 328 Abs. 1 Nr. 5 ZPO im Urteil vom 4. Juni 1992 (IX ZR 149/91, BGHZ 118, 312, 325 f) gegenüber Kal i- f ornien bejaht, hat die Frage jedoch im Beschluss vom 20. Oktober 2005 (IX ZR 246/03, IPRspr 2005, Nr. 161, 441 - 443) für zu vollstreckende Beträge offeng e- lassen, die niedriger oder wenig höher sind als die zu erwartenden Anwaltsko s- ten. Sie muss auch vorlieg end nicht entschieden werden. Die Nichtzulassung s- beschwerde zeigt mit den vorgebrachten Literatenzitaten nicht ausreichend auf, welche Anwaltskosten in einem Verfahren der Vollstreckbarerklärung in Kalifo r- nien zu erwarten sind. In den Tatsacheninstanzen is t hierzu nichts vorgetragen. 9 10 - 6 - III. Der Antrag auf Anordnung einer weiteren Sicherheit nach §§ 110, 112 ZPO wird abgelehnt, weil die vom Kläger bereits geleistete Sicherheit in Höhe von 10.000 e- cken. Vill Raebel Gehrlein Grup p Möhring Vorinstanzen: LG Landau, Entscheidung vom 24.07.2006 - 2 O 174/05 - OLG Zweibrücken, Entscheidung vom 20.06.2008 - 6 U 43/06 - 11
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