BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS I ZB 47/10 vom 3. Februar 2011 in der Rechtsbeschwerdesache - 2 - Der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 3. Februar 2011 durch den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Bornkamm und die Richter Prof. Dr. B374scher, Dr. Schaffert, Dr. Koch und Dr. L366ffler beschlossen: Auf die Rechtsmittel der Antragstellerin werden der Beschluss des Hanseatischen Oberlandesgerichts Hamburg, 4. Zivilsenat, vom 20. April 2010 und der Beschluss des Landgerichts Hamburg, Zi-vilkammer 15, vom 29. Januar 2010 aufgehoben. Aufgrund des Beschlusses des Landgerichts Hamburg, Zivilkam-mer 15, vom 30. Januar 2009 und des Urteils vom 4. M344rz 2009 sind als Nachfestsetzung zum Kostenfestsetzungsbeschluss vom 16. April 2009 von der Antragsgegnerin an die Antragstellerin wei-tere 1.180,40 200 nebst Zinsen in H366he von 5 Prozentpunkten 374ber dem Basiszinssatz seit 23. November 2009 zu erstatten. Der Antragsgegnerin fallen die Kosten der Rechtsmittelverfahren zur Last. Gegenstandswert: 1.180,40 200. Gr374nde: I. Die Antragstellerin mahnte die Antragsgegnerin mit Schreiben ihres anwaltlichen Bevollm344chtigten vom 13. Januar 2009 erfolglos wegen eines 1 - 3 - Wettbewerbsversto337es ab. Im anschlie337enden Verf374gungsverfahren wurden der Antragsgegnerin durch Beschluss des Landgerichts Hamburg vom 30. Januar 2009 und durch Urteil vom 4. M344rz 2009 die Kosten des Verfahrens auferlegt. Im Kostenfestsetzungsverfahren hat die Antragstellerin beantragt, unter Anrechnung der vorprozessual entstandenen Gesch344ftsgeb374hr eine 0,65-fache Verfahrensgeb374hr aus einem Wert von 200.000 200 in H366he von 1.180,40 200 nach 247247 2, 13 RVG, Nr. 3100 VV RVG festzusetzen. Das Landgericht hat dem Kos-tenfestsetzungsantrag mit Beschluss vom 16. April 2009 entsprochen. Mit wei-terem Kostenfestsetzungsantrag vom 20. November 2009 hat die Antragstelle-rin eine Nachfestsetzung der restlichen 0,65-fachen Verfahrensgeb374hr in H366he von 1.180,40 200 nebst Zinsen mit der Begr374ndung geltend gemacht, die Anrech-nung der Gesch344ftsgeb374hr sei zu Unrecht erfolgt. 2 Das Landgericht hat den Antrag zur374ckgewiesen. Das Oberlandesgericht hat die sofortige Beschwerde der Antragstellerin zur374ckgewiesen. Hiergegen wendet sich die Antragstellerin mit ihrer zugelassenen Rechtsbeschwerde, mit der sie ihren Antrag auf Nachfestsetzung weiterverfolgt. 3 II. Die gem344337 247 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO statthafte und auch im 334b-rigen zul344ssige Rechtsbeschwerde hat in der Sache Erfolg. 4 1. Das Beschwerdegericht hat zur Begr374ndung seiner Entscheidung aus-gef374hrt: 5 Der Nachfestsetzung stehe zwar nicht die Rechtskraft des Kostenfest-setzungsbeschlusses vom 16. April 2009 entgegen. Die weitere 0,65-fache Ver- 6 - 4 - fahrensgeb374hr sei nicht Gegenstand des ersten Kostenfestsetzungsverfahrens gewesen. Eine Nachfestsetzung sei jedoch ausgeschlossen, weil die entstandene Gesch344ftsgeb374hr anteilig auf die Verfahrensgeb374hr anzurechnen sei mit der Folge, dass sich die erstattungsf344hige Verfahrensgeb374hr auf eine 0,65-fache Geb374hr vermindert habe. Diese Geb374hr sei durch den Kostenfestsetzungsbe-schluss vom 16. April 2009 bereits festgesetzt. Der am 5. August 2009 in Kraft getretene 247 15a Abs. 2 RVG stehe der Anrechnung der Gesch344ftsgeb374hr nicht entgegen. Diese Bestimmung sei aufgrund der 334bergangsvorschrift des 247 60 Abs. 1 RVG im Streitfall nicht anwendbar. 7 2. Diese Beurteilung h344lt der rechtlichen Nachpr374fung nicht stand. 8 a) Das Beschwerdegericht ist allerdings zu Recht davon ausgegangen, dass dem Nachfestsetzungsantrag nicht die Rechtskraft des Kostenfestset-zungsbeschlusses vom 16. April 2009 entgegensteht. Kostenfestsetzungsbe-schl374sse sind zwar der materiellen Rechtskraft f344hig (BGH, Urteil vom 24. April 1990 - VI ZR 110/89, BGHZ 111, 168, 170). Die Rechtskraft eines Kostenfest-setzungsbeschlusses bezieht sich jedoch nur auf die im Antrag geforderten und im Beschluss beschiedenen Betr344ge (vgl. BGH, Beschluss vom 28. Oktober 2010 - VII ZB 15/10 Rn. 9, zum Abdruck in BGHZ bestimmt). Die Nachforde-rung des im ersten Kostenfestsetzungsantrag vom 11. Februar 2009 bislang nicht geltend gemachten und bisher daher auch nicht festgesetzten Teils der Verfahrensgeb374hr ist deshalb nicht ausgeschlossen. 9 b) Der Nachfestsetzungsantrag ist auch begr374ndet. 10 - 5 - aa) Bis zum Inkrafttreten des 247 15a RVG am 5. August 2009 entsprach es allerdings der gefestigten Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, dass nach Vorbemerkung 3 Abs. 4 VV RVG eine in derselben Angelegenheit angefal-lene Gesch344ftsgeb374hr im Kostenfestsetzungsverfahren auf die Verfahrensge-b374hr angerechnet wird (vgl. BGH, Urteil vom 7. M344rz 2007 - VIII ZR 86/06, NJW 2007, 2049 Rn. 11 f.; Vers344umnisurteil vom 11. Juli 2007 - VIII ZR 310/06, NJW 2007, 3500 Rn. 11; Beschluss vom 22. Januar 2008 - VIII ZB 57/07, NJW 2008, 1323 Rn. 6; Beschluss vom 30. April 2008 - III ZB 8/08, NJW-RR 2008, 1095 Rn. 4; Beschluss vom 24. September 2008 - IV ZB 26/07 Rn. 6, juris; Beschluss vom 25. September 2008 - VII ZB 93/07 Rn. 5, juris; Beschluss vom 2. Oktober 2008 - I ZB 30/08, WRP 2009, 75 Rn. 10 f.). 11 Nach dem Inkrafttreten des 247 15a RVG, der in seinem Absatz 2 be-stimmt, dass sich ein Dritter nur unter bestimmten Voraussetzungen auf die An-rechnung berufen kann, haben die mit dieser Vorschrift befassten Senate des Bundesgerichtshofs den Standpunkt eingenommen, dass die Regelung in 247 15a RVG die bisherige Rechtslage nicht ge344ndert, sondern diese lediglich klarge-stellt hat (Beschluss vom 2. September 2009 - II ZB 35/07, NJW 2009, 3101 Rn. 8; Beschluss vom 9. Dezember 2009 - XII ZB 175/07, NJW 2010, 1375 Rn. 16 ff.; Beschluss vom 11. M344rz 2010 - IX ZB 82/08, JurB374ro 2010, 358 Rn. 6; Beschluss vom 31. M344rz 2010 - XII ZB 230/09, AGS 2010, 256 Rn. 6; Beschluss vom 29. April 2010 - V ZB 38/10, JurB374ro 2010, 471 Rn. 7 ff.; Be-schluss vom 17. Juni 2010 - V ZB 176/09, AGS 2010, 459 Rn. 5; Beschluss vom 10. August 2010 - VIII ZB 15/10 Rn. 9 f., JurB374ro 2011, 22; Beschluss vom 15. September 2010 - IV ZB 5/10, AGS 2010, 474 Rn. 8 f.; Beschluss vom 28. Oktober 2010 - VII ZB 15/10 Rn. 6, JurB374ro 2011, 78). Dieser Ansicht hat sich der Senat im Interesse der Einheitlichkeit der Rechtsprechung des Bun- 12 - 6 - desgerichtshofs angeschlossen (vgl. BGH, Beschluss vom 7. Februar 2011 - I ZB 95/09 Rn. 12 und Beschluss vom 7. Februar 2011 - I ZB 96/09 Rn. 8). bb) Aufgrund des Nachfestsetzungsantrags vom 20. November 2009 ist danach eine weitere 0,65-fache Verfahrensgeb374hr in H366he von 1.180,40 200 nebst Zinsen festzusetzen. 13 3. Die angefochtenen Beschl374sse sind aufzuheben. Da die Sache zur Endentscheidung reif ist, entscheidet der Senat selbst (247 577 Abs. 5 ZPO) und setzt die Geb374hren in der beantragten H366he fest. 14 III. Die Kostenentscheidung beruht auf 247 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO. 15 Bornkamm B374scher Schaffert Koch L366ffler Vorinstanzen: LG Hamburg, Entscheidung vom 29.01.2010 - 315 O 46/09 - OLG Hamburg, Entscheidung vom 20.04.2010 - 4 W 43/10 -
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