ECLI:DE:BGH:2016:210416BIZB85.15.0 BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS I ZB 85/15 vom 21. April 2016 in dem Zwangsvollstreckungsverfahren - 2 - Der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 21. April 2016 durch den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Büscher , die Richter Prof. Dr. Koch, Dr. Löffler, d ie Richterin Dr. Schwonke und den Richter Feddersen beschlossen: Die Sache wird zur Entscheidung über die weitere Beschwerde der Gläubigerin gegen den Beschluss der 55. Zivilkammer des Landgerichts Hannover vom 17. August 2015 an das Oberlande s- gericht Ce lle abgegeben. Gerichtskosten für das Rechtsbeschwerdeverfahren werden nicht erhoben. Der Gegenstandswert der Rechtsbeschwerde wird auf 33 t- gesetzt. Gründe: I. Die Gläubigerin betreibt gegen den Schuldner aus einem Vollstr e- ckungsbescheid die Zwang svollstreckung wegen einer Geldforderung. Sie hat die Abgabe der Vermögensauskunft gemäß § 802c ZPO bea n- tragt und ihren Antrag mit dem Zusatz versehen: Sollte der Schuldner bereits die Vermögensauskunft abgegeben haben, sind das Datum und der Ort im Prot okoll anzuführen und die Unterlagen zurückz u- senden. Eine Übersendung des Vermögensverzeichnisses wird ausdrücklich nicht gewünscht. 1 2 - 3 - Der Schuldner hatte innerhalb der letzten zwei Jahre die Vermögensau s- kunft abgegeben. Der Gerichtsvollzieher übermittelte der Gläubigerin die Ve r- mögen sauskunft und stellte ihr 42,85 hließlich einer Gebühr nach Nr. 261 des Kostenverzeichnisses (KV) zum Gesetz über die Kosten der G e- richtsvollzieher (GVKostG) für die Übermittlung eines Vermögensverzeichnisses in Höhe von Der gegen den Ansatz der Übermittlungsgebühr gerichteten Erinner ung hat der Gerichtsvollzieher nicht ab geholfen . Das Amtsgericht hat die Erinnerung zurück gewiesen . Die sofortige Beschwerde der Gläubigerin ist ohne Erfolg g e- blieben. Mit ihrer vom Beschwerdegericht zugelassenen Rechtsbeschwerde verfolgt die Gläubigerin ihren auf Aufhebung der Kostenrechnung gerichteten Antrag weiter. II. Das Beschwerdegericht hat angenommen, der Ansatz der Gebühr nach Nr. 261 KV GVKostG sei nicht zu bea nstanden . Der Gerichtsvollzieher habe im Falle des § 802d Abs. 1 Satz 2 ZPO dem Gläubiger, der mangels ve r- änderter Vermögensverhältnisse innerhalb der Sperrfrist des § 802d Abs. 1 Satz 1 ZPO keine erneute Abnahme der Vermögensauskunft verlangen könne, von Amts wegen und unabhängig von einem Antrag die Abschrift des Verm ö- gensverzeichnisses zu übersenden. Die Übersendung liege nicht in der Dispos i- tion des Gläubigers, weil dieser andernfalls die Voraussetzungen einer Eintr a- gung des Schuldners in das Schuldnerv erzeichnis nach § 882c Abs. 1 Nr. 3 ZPO beeinflussen und damit den Schutzzweck des Schuldnerverzeichnisses beeinträchtigen könne, den Rechtsverkehr vor zahlungsunfähigen Schuldnern zu schützen. III. Gegen die Beschwerdeentscheidung des Landgerichts über den Ko s- tenansatz des Gerichtsvollziehers ist nicht die Rechtsbeschwerde zum Bunde s- gerichtshof, sondern allein die weitere Beschwerde zum Oberlandesgericht 3 4 5 6 - 4 - statthaft. Die Rechtsbeschwerde ist daher in eine weitere Beschwerde umz u- deuten; die Sache ist zur E ntscheidung über die weitere Beschwerde an das Oberlandesgericht Celle abzugeben. 1. Gegen die Beschwerdeentscheidung des Landgerichts über den Ko s- tenansatz des Gerichtsvollziehers ist die Rechtsbeschwerde zum Bundesg e- richtshof nicht statthaft. Für die Erinnerung und die Beschwerde gegen den Kostenansatz des Gerichtsvollziehers gelten nach § 5 Abs. 2 Satz 2 GVKostG die Regelungen in § 66 Abs. 2 bis 8 GKG entsprechend. Nach § 66 Abs. 3 Satz 3 GKG findet eine Beschwerde an einen obersten Gerichtshof des B undes nicht statt. Damit ist auch eine Rechtsbeschwerde an den Bundesgerichtshof ausgeschlossen ( vgl. BGH, Beschluss vom 18. April 2013 - I ZB 77/12, juris Rn. 10; Beschluss vom 17. September 2014 - I ZB 71/14, DGVZ 2014, 257 Rn. 3; mwN). Dieser Ausschlu ss gilt auch hinsichtlich des Ansatzes von Gerichtsvol l- zieherkosten, wenn es sich dabei - wie im vorliegenden Fall - um Vollstr e- ckungskosten handelt. Durch den Verweis in § 5 Abs. 2 Satz 1 GVKostG auf § 766 Abs. 2 ZPO wird allein die Zuständigkeit für die Entscheidung über die Erinnerung geregelt. Der Rechtsmittelweg gegen Entscheidungen über die E r- innerung richtet sich dagegen nach den gemäß § 5 Abs. 2 Satz 2 GVKostG entsprechend anzuwendenden Regelungen in § 66 Abs. 2 bis 8 GKG ( vgl. BGH , Beschluss vom 18 . April 2013 - I ZB 77/12 , juris Rn. 11, mwN). 2. G egen die Entscheidung, die das Amtsgericht als Vollstreckungsg e- richt über die Erinnerung gegen den Ansatz von Gerichtsvollzieherkosten der Zwangsvollstreckung getroffen hat (§ 5 Abs. 2 Satz 1 GVKostG i. V.m. § 766 Abs. 2 ZPO), war demnach gemäß § 5 Abs. 2 Satz 2 GVKostG in Verbindung mit § 66 Abs. 2 GKG die (unbefristete) Beschwerde zum Landgericht (§ 72 GVG) statthaft. Gegen die Beschwerdeentscheidung des Landgerichts ist nach 7 8 9 10 - 5 - § 5 Abs. 2 Satz 2 GVKostG i n Verbindung mit § 66 Abs. 4 GKG die weitere B e- schwerde zum Oberlandesgericht (hier: zum OLG Celle ) zulässig, da das Lan d- gericht in seinem Beschluss von der grundsätzlichen Bedeutung der zur En t- scheidung stehe nden Frage ausgegangen ist . 3. Die Rechtsbes chwerde ist mit Rücksicht darauf, dass gegen die B e- schwerdeentscheidung des Landgerichts nicht die Rechtsbeschwerde zum Bundesgerichtshof, sondern nur die weitere Beschwerde zum Oberlandes g e- richt statthaft ist, nicht als unzulässig zu verwerfen , sondern in eine weitere B e- schwerde umzudeuten. Bei Rechtsmittelerklärungen ist eine Umdeutung unter der Voraussetzung zulässig, dass es sich um vergleichbare Prozesserkläru n- gen handelt, die sich in ihrer Intention und rechtlichen Wirkung entsprechen. So verhält es s ich hier. Die weitere Beschwerde zielt ebenso wie die Rechtsb e- schwerde auf die Änderung einer Beschwerdeentscheidung des Landgerichts durch ein übergeordnetes Gericht ab. Die weitere Beschwerde setzt - ebenso wie die Rechtsbeschwerde - voraus, dass das Lan dgericht die Beschwerde w e- gen grundsätzlicher Bedeutung der zur Entscheidung stehenden Fragen in dem Beschluss zugelassen hat. Die Sache ist danach zur Entscheidung über die weitere Beschwerde an das Oberlandes gericht Celle abzugeben (vgl. BGH, Beschluss v om 11. September 2008 - I ZB 22/07, DGVZ 2008, 187 Rn. 17; B e- schluss vom 7. Februar 2013 - VII ZB 58/12, juris Rn. 9 ; Beschluss vom 18. April 2013 - I ZB 77/12 , juris Rn. 16). 11 - 6 - 4. Wegen der im Rechtsbeschwerdeverfahren angefallenen Gerichtsko s- ten macht der Senat von der Möglichkeit des § 21 GKG Gebrauch. Büscher Koch Löffler Schwonke Feddersen Vorinstanzen: AG Hameln, Entscheidung vom 20.07.2015 - 34 M 31087/15 - LG Hannover, Entscheidung vom 17.08.2015 - 55 T 73/15 - 12
Full & Egal Universal Law Academy