BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS II ZR 238/07 vom 14. Juli 2008 in dem Rechtsstreit Nachschlagewerk: ja BGHZ: nein BGHR: ja BGB 247 823 Abs. 2 Be, Bf; SGB IV 247 24 Abs. 1; StGB 247 266 a Abs. 1 Der wegen Vorenthaltung von Arbeitnehmerbeitr344gen zur Sozialversicherung scha-densersatzpflichtige Gesch344ftsf374hrer einer GmbH (247 823 Abs. 2 BGB i.V.m. 247 266 a Abs. 1, 247 14 Abs. 1 Nr. 1 StGB) haftet nicht f374r S344umniszuschl344ge gem344337 247 24 Abs. 1 SGB IV. Diese Vorschrift ist kein Schutzgesetz i.S. des 247 823 Abs. 2 BGB. BGH, Hinweisbeschluss vom 14. Juli 2008 - II ZR 238/07 - Kammergericht LG Berlin - 2 - Der II. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat am 14. Juli 2008 durch den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Goette und die Richter Kraemer, Dr. Strohn, Caliebe und Dr. Reichart einstimmig beschlossen: Die Parteien werden darauf hingewiesen, dass der Senat beab-sichtigt, die Revision der Kl344gerin durch Beschluss gem344337 247 552 a ZPO zur374ckzuweisen. Streitwert: 18.000,00 200 (Differenz zwischen den geforderten S344umniszuschl344gen und den zuerkannten Zinsen; 247247 3, 9 ZPO). Gr374nde: Die Voraussetzungen f374r die Zulassung der Revision liegen nicht vor. Das Rechtsmittel hat im Ergebnis auch keine Aussicht auf Erfolg. 1 I. Entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts (ZIP 2008, 506, 508) und der Revision ist durch das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 11. Juni 1985 (VI ZR 61/84, ZIP 1985, 996, 998 zu II 2 a) nach wie vor gekl344rt, dass 247 24 Abs. 1 SGB IV kein Schutzgesetz i.S. des 247 823 Abs. 2 BGB ist und die Haftung des Gesch344ftsf374hrers einer GmbH f374r die Vorenthaltung der von ihr abzuf374hrenden Arbeitnehmerbeitr344ge zur Sozialversicherung (247 823 Abs. 2 BGB i.V.m. 247 266 a Abs. 1 StGB) sich auf S344umniszuschl344ge gem344337 247 24 Abs. 1 SGB IV nicht er-streckt. 2 - 3 - 1. Das genannte Urteil betraf zwar die fr374here, bis Ende 1994 geltende Fassung des 247 24 SGB IV, welche die Verh344ngung von S344umniszuschl344gen noch in das Ermessen des Sozialversicherungstr344gers gestellt hatte, w344hrend die nunmehrige Fassung den Beitragsschuldner unmittelbar zur Zahlung von S344umniszuschl344gen in H366he von 1 % des r374ckst344ndigen (auf volle 50 200 nach unten abgerundeten) Betrages f374r jeden angefangenen Monat der S344umnis verpflichtet. Das ist aber f374r die Frage des Schutzgesetzcharakters der Vor-schrift nicht entscheidend. 3 a) Der Bundesgerichtshof (aaO) hat ausgef374hrt, dass es sich bei den S344umniszuschl344gen nicht um eine gesetzlich zugelassene pauschalierte Be-rechnung des "Verzugsschadens" handele, den der (gem344337 den Vorl344uferbe-stimmungen der 247247 266 a, 14 Abs. 1 Nr. 1 StGB) f374r die Vorenthaltung von Ar-beitnehmerbeitr344gen zur Sozialversicherung verantwortliche Gesch344ftsf374hrer (vgl. BGH aaO S. 997) au337er dem daf374r zu leistenden Schadensersatz zu zah-len h344tte, sondern vielmehr um eine neben den Beitrag tretende Ungehorsams-folge, deren Verh344ngung in das pflichtgem344337e Ermessen des Sozialversiche-rungstr344gers gestellt sei und die p374nktliche Zahlung der Beitr344ge durch den Ar-beitgeber in der Zukunft gew344hrleisten solle (vgl. auch BGH, Urt. v. 18. Mai 1976 - VI ZR 241/73, VersR 1976, 982, 984 zu II 3). F374r derartige Zuschl344ge komme "auch 247 823 Abs. 2 BGB nicht unmittelbar als Anspruchsgrundlage in Betracht, da Art. I 247 24 (a.F.) SGB IV kein Schutzgesetz i.S. dieser Vorschrift" sei. Diese Feststellung bringt lediglich eine Selbstverst344ndlichkeit zum Aus-druck (vgl. unten b); sie fu337t entgegen der Lesart des Berufungsgerichts und der Revision nicht auf den vorhergehenden - allerdings ebenfalls nach wie vor g374ltigen - Ausf374hrungen zur Frage der Zurechenbarkeit der S344umniszuschl344ge als Verzugs- bzw. als Folgeschaden der Beitragsvorenthaltung (dazu unten 2) und h344ngt auch nicht, wie das Berufungsgericht meint, davon ab, ob 247 24 SGB IV nur ein Allgemeininteresse oder (auch) ein Individualinteresse des 4 - 4 - betreffenden Sozialversicherungstr344gers sch374tzt. Zahlreiche Normen, so auch die Verzugsvorschriften des BGB, sch374tzen Individualinteressen, ohne schon deshalb Schutzgesetze im Sinne des 247 823 Abs. 2 BGB zu sein. 5 b) Ein Schutzgesetz im Sinne von 247 823 Abs. 2 BGB ist 247 24 SGB IV schon seiner Struktur nach nicht, weil die Vorschrift (i.V.m. 247 28 e Abs. 4 SGB IV) die Haftungsfolgen bzw. die Anspr374che des Sozialversicherungstr344-gers bei versp344teten Beitragszahlungen selbst eigenst344ndig regelt (vgl. RGRK-BGB/Steffen 12. Aufl. 247 823 Rdn. 546, S. 342 m.Nachw.). Eine entspre-chend ausgestaltete Regelung findet sich z.B. in 247 288 Abs. 1 BGB, ohne dass jemals erwogen wurde, diese Vorschrift als "Schutzgesetz" mit der Folge zu begreifen, dass der Gesch344ftsf374hrer einer GmbH gegen374ber ihren Gl344ubigern gem344337 247 823 Abs. 2 BGB f374r von ihr geschuldete Verzugszinsen haften m374ss-te. Schuldner des S344umniszuschlags sind gem344337 247 28 e SGB IV der Arbeitge-ber (Abs. 1) sowie die in Abs. 2 und Abs. 3 lit. a bis f genannten Unternehmer (vgl. Udsching in Hauck/Noftz, SGB IV K 247 24 Rdn. 5), welche gem344337 247 28 e Abs. 4 SGB IV f374r die Beitr344ge und S344umniszuschl344ge haften. Der Gesch344fts-f374hrer einer GmbH als Beitragsschuldnerin, welcher kein Arbeitgeber im sozial-versicherungsrechtlichen Sinne ist (vgl. Felix in Wannagat Sozialgesetzbuch SGB IV 247 28 e Rdn. 16 m.w.Nachw.), geh366rt dazu nicht. Anders als in 247 69 AO ist hier eine Haftung des gesetzlichen Vertreters des Zahlungspflichtigen f374r S344umniszuschl344ge nicht angeordnet. Eine deliktische, durch 247 14 Abs. 1 Nr. 1 StGB oder 247 9 Abs. 1 Nr. 1 OWiG vermittelte Vertreterhaftung gem344337 247 823 Abs. 2 BGB scheidet in Bezug auf 247 24 SGB IV schon deshalb aus, weil es sich nicht um einen Straf- oder Ordnungswidrigkeitentatbestand handelt. 2. Ein Schutzgesetz im Sinne von 247 823 Abs. 2 BGB ist allerdings 247 266 a StGB. Nach dieser Vorschrift i.V. mit 247 14 Abs. 1 Nr. 1 StGB ist der Ge-sch344ftsf374hrer einer GmbH als Beitragsschuldnerin strafrechtlich und 374ber 247 823 6 - 5 - Abs. 2 BGB auch haftungsrechtlich f374r eine "Vorenthaltung" von Arbeitnehmer-beitr344gen zur Sozialversicherung verantwortlich (vgl. BGH, Urt. v. 15. Oktober 1996 - VI ZR 319/95, NJW 1997, 130 f.). Jedoch erfasst 247 266 a Abs. 1 StGB seinem eindeutigen Wortlaut nach nur Beitr344ge im engeren Sinne, nicht dage-gen S344umniszuschl344ge (vgl. LK-StGB/Gribbohm 11. Aufl. 247 266 a Rdn. 48; Se-gebrecht in juris PK SGB IV 247 24 Rdn. 8.1). Sie k366nnen dem Gesch344ftsf374hrer auch nicht, soweit sie auf Arbeitnehmerbeitr344ge entfallen, als pauschalierter Folgeschaden der von 247 266 a Abs. 1 StGB erfassten Beitragsvorenthaltung in Rechnung gestellt werden, weil damit der nur beschr344nkte Schutzzweck des 247 266 a Abs. 1 StGB gesetzwidrig erweitert w374rde. Zudem handelt es sich bei den S344umniszuschl344gen nach wie vor jedenfalls nicht nur um den Ausgleich des s344umnisbedingten Schadens des Sozialversicherungstr344gers (vgl. BGH, Urt. v. 11. Juni 1985 aaO). Sowohl f374r 247 24 Abs. 1 SGB IV als auch f374r den die-ser Vorschrift als Vorbild dienenden 247 240 AO ist allgemein anerkannt, dass mit den S344umniszuschl344gen vor allem ein "Druckmittel eigener Art" bezweckt ist, das den Beitrags- bzw. Steuerschuldner zu rechtzeitiger Zahlung anhalten soll (vgl. Segebrecht aaO; Udsching aaO 247 24 Rdn. 1; BFHE 203, 8 = BStBl. II 2003, 901; Heuermann in H374bschmann/Hepp/Spitaler, AO/FGO 247 240 AO Rdn. 11). Daneben bezwecken 247 24 Abs. 1 n.F. SGB IV sowie 247 240 AO zwar auch den Ausgleich des Nachteils, welcher dem Sozialversicherungstr344ger bzw. dem Fiskus durch die versp344tete Zahlung entsteht (vgl. die vorigen Nachweise sowie BSG NZS 1999, 562). Das galt aber auch schon f374r 247 24 a.F. SGB IV (vgl. BSG ZIP 1984, 513 f.) und 344ndert nichts daran, dass der Anspruch auf Zahlung von S344umniszuschl344gen - als Druckmittel wie als pauschalierter Scha-densersatz - gem344337 247 24 Abs. 1 SGB IV nur gegen den Beitragsschuldner, im vorliegenden Fall also gegen die GmbH, nicht aber gegen deren Gesch344ftsf374h-rer geltend gemacht werden kann (vgl. oben I 1 b). Er schuldet Verzugszinsen (247 288 BGB) auf die von ihm im Wege des Schadensersatzes gem344337 247247 823 - 6 - Abs. 2 BGB, 266 a Abs. 1 StGB zu zahlenden Arbeitnehmerbeitr344ge erst ab Mahnung (247 286 ZPO), wie von der Kl344gerin hilfsweise geltend gemacht. 7 II. Da der Kl344gerin Verzugs- und Prozesszinsen zuerkannt worden sind und der geltend gemachte Anspruch auf Zahlung von S344umniszuschl344gen nicht besteht, hat die Revision keine Erfolgsaussicht. Goette Kraemer RiBGH Dr. Strohn kann wegen Urlaubs nicht unterschreiben Goette Caliebe Reichart Hinweis: Das Revisionsverfahren ist durch Revisionsr374cknahme erledigt worden. Vorinstanzen: LG Berlin, Entscheidung vom 07.08.2006 - 24 O 31/06 - KG Berlin, Entscheidung vom 25.09.2007 - 9 U 215/06 -
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