BUNDESGERICHTSHOF IM NAMEN DES VOLKES URTEIL III ZR 304/14 Verkündet am: 7. Mai 2015 P e l l o w s k i Justizobersekretärin als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle in dem Rechtsstreit Nachschlagewerk: ja BGHZ: ja BGHR: ja BGB §§ 286 ff, 414; SGB XII §§ 61, 65, 75 Abs. 3 a) Indem der Sozialhilfeträger der Zahlungsverpflichtung des Hilfeempfängers g e- genüber dem Leistungserbringer (hier: ambulanter Pflegedienst) durch Koste n- übernahmebescheid beitritt, wande lt sich die zivilrechtliche Schuld aus dem zwischen dem Hilfeempfänger und dem Leistungserbringer geschlossenen Dienstleistungsvertrag nicht in eine öffentlich - rechtliche um (im Anschluss an BSGE 102, 1). Der Schuldbeitritt teilt seinem Wesen nach die Rech tsnatur der Forderung, zu der er erklärt wird (im Anschluss an Senatsurteile vom 22. Juni 1978 - III ZR 109/76, BGHZ 72, 56 und vom 6. November 2008 - III ZR 279/07, BGHZ 178, 243). b) Entsprechend der zivilrechtlichen Natur des Anspruchs, zu dem der Schu ldbe i- tritt erklärt wird, sind die §§ 286 ff BGB anwendbar, wenn der Sozialhilfeträger die übernommene Zahlungsverpflichtung verspätet erfüllt. BGH, Urteil vom 7. Mai 2015 - III ZR 304/14 - LG Berlin AG Berlin - Köpenick - 2 - Der III. Zivilsenat des Bundesger ichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 7. Mai 2015 durch den Vizepräsidenten Schlick und die Richter Seiters , Tombrink, Dr. Remmert und Reiter für Recht erkannt: Die Revision des Beklagten gegen das Urteil der Zivilkammer 49 des Landgerichts Ber lin vom 17. September 2014 wird zurückg e- wiesen. Die Kosten des Revisionsrechtszugs hat der Beklagte zu tragen. Von Rechts wegen Tatbestand Die Klägerin nimmt das beklagte Land auf Zahlung von Verzugszinsen sowie Erstattung vorgerichtlicher Rechtsa nwaltskosten im Zusammenhang mit der Erbringung ambulanter Pflegeleistungen in Anspruch. Die Klägerin betreibt einen ambulanten Pflegedienst und hatte mit den Pflegebedürftigen G . D . , E . T . und G . E . privatrechtliche Verträge über die Erbringung ambulanter Pflegeleistungen g e- schlossen. Der Beklagte übernahm als Träger der Sozialhilfe jeweils durch Bescheid gegenüber den Pflegebedürftigen die Kosten der erbrachten Pfleg e- leistungen. Eine Kop ie der Bescheide erhielt die Klägerin zur Kenntnisnahme. 1 2 - 3 - Mit Schreiben vom 24. Juni 2003 erklärte die Klägerin den Beitritt zu der Vereinbarung nach § 93 Abs. 2 BSHG zwischen dem Beklagten und den Ve r- bänden der Träger von ambulanten Pflegeeinrichtungen vom 4. Oktober 1996 über die Erbringung von Leistungen der Haushilfe und der Hauspflege nach § 11 Abs. 3, §§ 68 ff, 70 BSHG. § 8 der Vereinbarung lautet wie folgt: " Zahlungsverfahren Die Abrechnung erfolgt kalendermonatlich. Die Rechnungen sind beim zus tändigen Bezirksamt innerhalb von zwei Monaten nach Leistungse r- bringung einzureichen. Die Bezahlung von nicht zu beanstandenden Rechnungen soll innerhalb Sollte in begründeten Fällen eine Zahlung innerhalb der gen annten Fri s- ten nicht möglich sein, leistet das zuständige Bezirksamt eine A b- schlagszahlung von 80 %, bezogen auf den Betrag der Vormonatsrec h- nung. Im Ü brigen gelten die in der Rahmenvereinbarung nach § 75 Abs. 1 und 2 SGB XI getroffenen Regelungen. " D ie Klägerin ist des weiteren Mitglied im Anbieterverband qualitätsorie n- tierter Gesundheitspflegeeinrichtungen e.V. (vormals Arbeitgeberverband im Gesundheitswesen e.V.). Zwischen diesem, den Landesverbänden der Pfleg e- kassen und dem Beklagten wurde am 15. N ovember 2006 ein Rahmenvertrag gemäß § 75 Abs. 1 und 2 SGB XI zur ambulanten pflegerischen Versorgung abgeschlossen. Dieser Vertrag enthält in § 17 Regelungen zum Abrechnung s- verfahren: 3 4 - 4 - " (7) Die Abrechnung der Pflegeleistungen erfolgt kalendermonatlich. D ie Rechnungen sind bei der Pflegekasse oder einer von ihr b e- nannten Abrechnungsstelle in der Regel innerhalb von zwei Mon a- ten nach Leistungserbringung einzureichen. Die Bezahlung der ordnungsgemäß erstellten Rechnungen erfolgt spätestens inne r- halb von 14 T agen nach Eingang bei der Pflegekasse oder der (8) Näheres zur Abrechnung und Zahlungsweise, insbesondere Zei t- punkt der Rechnungsstellung, Abweichung bei Schlussrechnu n- gen, Zahlung von Abschlägen und Verfa hren bei Überschreitung der vereinbarten Fristen vereinbaren ggf. die Partner dieses Ra h- menvertrages. Es bleibt den Pflegekassen und Pflegediensten vorbehalten, spezifische Regelungen zur Abrechnung und Za h- lungsweise nach rechtzeitiger Rücksprache miteinan der zu ve r- einbaren. " Die gegenüber den Hilfeempfängern erbrachten Pflegeleistungen stellte die Klägerin wie folgt in Rechnung: E. : T. : Rechnung vom 4. November 2012 in Höhe von 81, D . : . Da der Beklagte ohne Angabe von Gründen keine Zahlungen leistete, forderte ihn die Klägerin mit Mahnschreiben vom 30. Oktober 2012 (E . ) und 28. Dezember 20 12 (D . , T . ) auf, den jeweiligen Rechnungsb e- trag unverzüglich zu überweisen. Nachdem auch weitere Mahnungen erfolglos 5 6 - 5 - blieben, verlangte die Klägerin mit gesonderten Anwaltsschreiben vom 27. Fe b- ruar 2013 Zahlung bis zum 9. März 2013. Zugleich machte sie Verzugszinsen sowie die Erstattung vorgerichtlicher Rechtsanwaltskosten geltend. Am 25. März 2013 beglich der Beklagte die offenen Rechnungsbeträge (ohne Verzugszinsen und Rechtsanwaltskosten). Mit ihrer Klage begehrt die Kläge rin die Zahlung von Verzugszinsen aus den jeweiligen Rechnungsbeträgen für den Zeitraum ab 30 Tagen nach o- wie die Erstattung vorgerichtlicher Rechtsanwaltskost en in Höhe von insgesamt 2 13,49 Das Amtsgericht hat die Klage abgewiesen. Auf die zugelassene Ber u- fung hat das Landgericht der Klage in vollem Umfang stattgegeben. Mit seiner vom Berufungsgericht zugelassenen Revision erstrebt der B e- klagte die Wieder herstellung des amtsgerichtlichen Urteils. Entscheidungsgründe Die Revision des Beklagten hat keinen Erfolg. I. Das Berufungsgericht hat zur Begründung seiner Entscheidung im W e- sentlichen ausgeführt: 7 8 9 10 11 12 - 6 - Da der Beklagte die unstreitigen Rech nungen erst am 25. März 2013 und damit nach Ablauf der in den Verbandsverträgen bestimmten Fristen beglichen habe, stünden der Klägerin die geltend gemachten Verzugszinsen gemäß § 286 Abs. 2, 3, § 288 BGB zu. Die Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs s eien anwendbar. Nach der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts (grundlegend BSGE 102, 1) bewirke die Übernahme der Pflegekosten durch Bescheid des Sozialhilfeträgers als Verwaltungsakt mit Drittwirkung eine Schuldübernahme in Form eines Schuldbeitritts. Der Sozialhilfeträger trete auf diese Weise als G e- samtschuldner in Höhe der bewilligten Leistungen an die Seite des Sozialhilf e- empfängers. Durch den Schuldbeitritt mutiere die Schuld, zu der beigetreten werde und die aus dem privatrechtlichen Pflegevertrag resultiere, nicht zu einer öffentlich - rechtlichen. Vielmehr teile der Anspruch des Leistungserbringers g e- gen den Sozialhilfeträger die zivilrechtliche Rechtsnatur der Forderung. Die Verzugsvorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs seien auch nicht du rch die Verbandsverträge abbedungen worden. Während in dem Vertrag vom 4. Oktober 1996 nicht einmal eine feste Zahlungsfrist vorgesehen sei, bestimme die Rahmenvereinbarung vom 15. November 2006 lediglich eine bestimmte Frist von 14 Tagen nach Rechnungsein gang. Weitergehende vertragliche R e- g e lungen fehlten. Insbesondere seien die gesetzlichen Verzugsfolgen nicht ausgeschlossen worden. Entgegenstehende gesetzliche Regelungen seien ebenfalls nicht ersich t- lich. Im Sozialrecht befassten sich nur wenige Vor schriften mit Fragen der Ve r- zinsung. Keine dieser Bestimmungen sei einschlägig. Sozialrechtliche Vo r- schri f ten seien auf die vorliegenden Pflegeverträge ohnehin nicht anwendbar, da diese privatrechtlicher Natur seien. 13 14 15 - 7 - Der Klägerin stehe auch ein Anspru ch auf Ersatz der vorgerichtlichen Anwaltskosten aus § 280 Abs. 1 BGB zu. Der Beklagte sei mit der Bezahlung der Rechnungen in Verzug geraten. Die Einschaltung eines Rechtsanwalts sei erforderlich und zweckmäßig gewesen. Der Anspruch bestehe auch in der ge l- tend gemachten Höhe. Es habe sich um verschiedene Angelegenheiten im Si n- ne von § 15 RVG gehandelt. Die Klägerin habe daher zu jedem Pflegebedürft i- gen separat abrechnen dürfen. Es habe auch d ie Regelgebühr von 1,3 nach Nr. 2300 VV RVG angesetzt werden dürf en, da der zu beurteilende Sachverhalt nicht einfach gewesen sei. Die geltend gemachten Prozesszinsen ergäben sich aus § 291 BGB. II. Diese Ausführungen halten der rechtlichen Überprüfung stand. Das Berufungsgericht ist zu Recht davon ausgegang en, dass der Kläg e- rin Verzugszinsen nach § 288 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. § 286 Abs. 2 Nr. 2 BGB z u- stehen und si e gemäß § 280 Abs. 1, 2 , § 286 BGB die vorgerichtlichen Recht s- anwaltskosten in der geltend gemachten Höhe verlangen kann. 1. Die Verzugsvorschrift en des Bürgerlichen Gesetzbuchs, insbesondere §§ 286 ff BGB, gelten auch, soweit der Beklagte als Sozialhilfeträger der Za h- lungsverpflichtung der Hilfeempfänger aus den privatrechtlichen Pflegevertr ä- gen durch Bewilligungsbescheide beigetreten ist (kumulati ve Schuldüberna h- me). 16 17 18 19 - 8 - a) Das Leistungserbri ngungsrecht der Sozialhilfe ist im Bereich der pfl e- gerischen Versorgung durch das so genannte sozialhilferechtliche Dreiecksve r- hältnis geprägt, das die wechselseitigen Rechtsbeziehungen zwischen dem Träger der Sozialhilfe, dem Leistungsberechtigten (Hilfeempfänger) und dem Leistungserbringer (Pflegedienst) sinnbildlich darstellt (grundlegend BSGE 102, 1 Rn. 15 ff). aa) Zwischen dem bedürftigen Hilfeempfänger und dem Sozialhilfeträger besteht ein öffentlich - rechtliches Leistungsverhältnis (Grundverhältnis), das sich nach den Vorschriften des SGB XII beurteilt. Die Entscheidung über die Gewä h- rung von Sozialhilfeleistungen ergeht durch Verwaltungsakt. Das Grundverhäl t- nis ist Fundament und rechtlicher Maßstab f ür die übrigen Rechtsbeziehungen (Ausstrahlungswirkung). Im Rahmen des Grundverhältnisses stehen dem Soz i- alhilfeempfänger keine Primäransprüche auf Zahlung entstehender oder en t- standener Kosten an sich selbst zu; er kann vom Sozialhilfeträger ausschlie ß- lic h die Übernahme dieser Kosten (Sachleistungsverschaffungspflicht) in Form der Zahlung an den Leistungserbringer verlangen (Jaritz/Eicher, jurisPK - SGB XII, 2. Aufl., § 75 SGB XII Rn. 32, 38; Eicher, SGb 2013, 127, 128). bb) Der Kostenübernahmeanspruch des Leistungsempfängers gege n- über dem Sozialhilfeträger setzt voraus, dass zwischen dem bedürftigen Hilf e- empfänger und dem Leistungserbringer ein zivilrechtlicher Vertrag geschlossen wird, auf Grund dessen ein Anspruch auf Erbringung von Betreuungs - , Hilfe - und Förderleistungen sowie gegebenenfalls Unterkunft und Verpflegung besteht (privatrechtliches Erfüllungsverhältnis). Im Gegenzug ist der bedürftige Hilf e- empfänger zur Zahlung des vertraglich vereinbarten Entgelts verpflichtet. Die gegenüber dem Leistun gserbringer bestehende Zahlungsverpflichtung des Hi l- feempfängers ist der Bedarf, den der Sozialhilfeträger im Grundverhältnis 20 21 22 - 9 - - durch Vergütungsübernahme - decken muss (Jaritz/Eicher aaO § 75 SGB XII Rn. 34; Eicher aaO). cc) Grundlage der Rechtsbezie hung zwischen dem Leistungserbringer und dem Sozialhilfeträger (öffentlich - rechtliches Sachleistungsverschaffung s- verhältnis) sind zum einen ( öffentlich - rechtliche ) Vereinbarungen nach § 93 Abs. 2 BSHG beziehungsweise § 75 Abs. 3 SGB XII, die auf örtlicher Ebene zwischen dem zuständigen Sozialhilfeträger und dem Leistungserbringer g e- schlossen werden, und zum anderen Rahmenverträge auf Landesebene ( vgl. Jaritz/Eicher aaO § 75 SGB XII Rn. 36; Eicher aaO). Da der Sozialhilfeträger die Leistungen grundsätzlich n icht selbst erbringt, hat er durch Verträge mit den Leistungserbringern eine Sachleistung durch diese sicherzustellen. Dadurch wird dem Hilfeempfänger die Sozialleistung verschafft (BSGE 102, 1 Rn. 17). Zugleich modifizieren die Vereinbarungen das Grundver hältnis und beeinflu s- sen ( " überlagern " ) das Erfüllungsverhältnis (Jar itz/Eicher aaO § 75 SGB XII Rn. 34, 40). b) Nach § 93 Abs. 2 BSHG beziehungsweise § 75 Abs. 3 SGB XII ist die " Übernahme " der dem Leistungserbringer zustehenden Vergütung untrennbare r Bestandteil der Sachleistungsverschaffungspflicht des Trägers der Sozialh ilfe. Rechtlich geschieht dies - bei fortbestehender Verpflichtung des Hilfeempfä n- gers aus dem im Erfüllungsverhältnis geschloss enen privatrechtlichen Vertrag - in Form eines Schuld beitritts des Sozialhilfeträgers (kumulative Schuldübe r- nahme) durch Verwaltungsakt mit Drittwirkung (BSGE 102, 1 Rn. 22 ff; BS G, Beschluss vom 18. März 2014 - B 8 SF 2/13 R, BeckRS 2014, 68095 Rn. 7; siehe auch Bayeri sches LSG, Beschluss vom 2 6. November 2 012 - L 18 SO 173/12 B, BeckRS 2013, 68424 = juris Rn. 15 ff). Der Schuldbeitritt hat dann zum einen einen unmittelbaren Zahlungsanspruch des Leistungserbringers g e- 23 24 - 10 - gen den Sozialhilfeträger, zum anderen einen Anspruch des Hilfeempfängers gegen den Sozialhi lfeträger auf Zahlung an den Leistungserbringer zur Folge. Der Sozialhilfeträger tritt auf diese Weise als Gesamtschuldner im Sinne der §§ 421 ff BGB in Höhe der bewilligten Leistung, wie sie in dem gegenüber dem Hilfsbedürftigen ergehenden Kostenübernahme bescheid ausgewiesen ist, an die Seite des Sozialhilfeempfängers (BSGE aaO Rn. 25). Dadurch, dass der Sozialhilfeträger mit dem Kostenübernahmebescheid der Schuld des Hilfeem p- fängers beitritt und der Leistungserbringer auf Grund dieses Schuldbeitritts d i- re kt einen Zahlungsanspruch gegen den Sozialhilfeträger hat, wandelt sich die zivilrechtliche Schuld aus dem im Erfüllungsverhältnis zwischen dem Hilfeem p- fänger und dem Leistungserbring er geschlossenen (Dienst - )V ertrag nicht in e i- ne öffentlich - rechtliche um. Denn ein Schuldbeitritt teilt seinem Wesen nach die Rechtsnatur der Forderung des Gläubigers, zu der er erklärt wird (S enatsurteile vom 22. Juni 1978 - III ZR 109/76, BGHZ 72, 56, 5 8 ff und vom 6. November 2008 - III ZR 279/07, BGHZ 178, 243 Rn. 14; BG H, Urteil vom 16. Oktober 2008 - XI ZR 132/06, BGHZ 174, 39 Rn. 23; Senatsbeschlüsse vom 17. Sep tember 2008 - III ZB 19/08, WM 2008, 2153 Rn. 16 und III ZB 50/08, BeckRS 2008, 21300 Rn. 16). Der Sozialhilfeträger wird durch den Schuldbeitritt Gesam t- schuldner einer zivilrechtlichen Forderung, deren Gläubiger der Leistungse r- bringer ist und die gegebenenfalls im Zivilrechtsweg geltend zu machen ist. Die Schuld, der beigetreten wird, kann rechtlich für den Beitretenden nicht zu einer öffentlich - rechtlichen mutiere n, während sie bei dem bisherigen Alleinschuldner eine privatrechtlic he bleibt (BSG, Beschluss vom 18 . März 2014 aaO Rn. 8; Bayerisches LSG aaO Rn. 18). Materiell - rechtlich gelten die Bestimmungen des Bürgerlichen Geset z- buchs daher auch insoweit, als der Sozialhilfeträger der aus dem Erfüllungsve r- hältnis resultierenden Vergütungspflicht des Hilfeempfängers beigetreten ist. 25 - 11 - Dies gilt insbesondere für die Vorschriften des allgemeinen Leistungsstörung s- rechts (§§ 280 ff BGB). Es liegen Einzelverpflichtunge n vor, die bei Begründung der Gesamtschuld durch Verwaltungsakt mit Drittwirkung inhaltsgleich sind und nach dem maßgeblichen Beitrittszeitpunkt nach allgemeinen Gesamtschul d- grundsätzen eine selbständige und durchaus unterschiedliche Entwicklung nehmen kön nen, wenn nicht ein Fall der Wirkungserstreckung nach §§ 424 ff BGB vorliegt (MüKoBGB/Bydlinski, 6. Aufl., Vor § 424 Rn. 17; Palandt/Grüne - berg, BGB, 74. Aufl., Überblick vor § 414 Rn. 7). Bei der Beurteilung der zivilrechtlichen Verpflichtung des Soz ialhilfetr ä- gers muss allerdings stets in den Blick genommen werden, dass die zwischen dem Leistungserbringer und dem Sozialhilfeträger im Leistungsverschaffung s- verhältnis bestehenden (Rahmen - ) Vereinbarungen die zivilrechtlichen Pflichten in dem Sinne " sozi alrechtlich überlagern " können, dass sie diese mod ifizieren (BSG, Beschluss vom 18 . März 2014 aaO Rn. 9; Jaritz/Eicher aaO § 75 SGB XII Rn. 34, 51 ff). c) Aus den dargestellten wechselseitigen Rechtsbeziehungen in dem sozialhilferechtlichen Dreiecksve rhältnis folgt für den vorliegenden Fall, dass der Beklagte mit den gegenüber den Pflegebedürftigen D . , E . und T . ergangenen Kostenübernahmebescheiden in dem dort ausgewiesenen Umfang der Zahlungsverpflichtung des Hilfeempfängers aus den mit der Kläg e- rin abgeschlossenen Pflegeverträgen jeweils beigetreten ist. Dabei handelt es sich um eine zivilrechtliche Schuld, die durch den Beitritt des Beklagten nicht in eine öffentlich - rechtliche umgewandelt worden ist. Auf Grund dieses Beitritts hat die Klägerin unmittelbar einen den Vorschriften des Bürgerlichen Rechts unte r- liegenden Zahlungsanspruch gegen den Beklagten als Gesamtschuldner e r- worben. Aus der zivilrechtlichen Natur des Anspruchs resultiert auch die A n- 26 27 - 12 - wendbarkeit der §§ 280 ff BGB für den Fall, dass der Beklagte die übernomm e- ne Zahlungsverpflichtun g nicht oder verspätet erfüllt. d) Aus den im Leistungsverschaffungsverhältnis zwischen den Parteien bestehenden öffentli ch - rechtlichen V erträgen ergibt sich nichts Abweichendes. § 8 der Vereinbarung vom 4. Oktober 1996 und § 17 Abs. 7 des Rahmenve r- trags vom 15. November 2006 enthalten lediglich eine Bestimmung der Lei s- tungszeit im Sinne von § 286 Abs. 2 Nr. 2 BGB. Danach sind beanstandung s- freie Rechnungen - wenn von der dem Schuldner günstigsten Regelung ausg e- gangen wir d - spätestens innerhalb von drei Wochen nach Rechnungseingang zu bezahlen. Die in der Vereinbarung vom 4. Oktober 1996 gebrauchte We n- dung " " stellt - w ie der Gesamtzusammenhang der Vertragsklausel belegt - eine grun d- sätzlich verbindliche Bestimmung der Leistungszeit dar, von der nur bei konkr e- ten Beanstandungen oder in sonstigen " begründeten Fällen " abgewichen we r- den darf. Im Übrigen haben die Vertragspa rteien davon abgesehen, das " Ve r- fahren bei Überschreitung der vereinbarten Fristen " näher zu regeln, so dass im Verzugsfall auf die Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs zurückzugreifen ist (siehe auch Jaritz/ Eicher aaO § 75 SGB XII Rn. 46.2 ). Der Einwand der Revision, der Anwendung der bürgerlich - rechtlichen Verzugsvorschriften stehe entgegen, dass der Sozialhilfeträger mit dem Schuldbeitritt die Handlungsebene des öffentlichen Rechts nicht habe verlassen wollen mit der Folge, dass er keine Verzug szinsen nach dem Bürgerlichen G e- setzbuch schulde, verkennt die Rechtsbeziehungen, wie sie sich aus dem soz i- alhilferechtlichen Dreiecksverhältnis ergeben. Danach kommt der Sozialhilfetr ä- ger seiner Sachleistungsverschaffungspflicht im Grund - und Leistungsver scha f- fungsverhältnis in den Handlungsformen der öffentlichen Verwaltung (Verwa l- 28 29 - 13 - tungsakt, öffentlich - rechtlicher Vertrag) nach. Daraus resultiert jedoch der Be i- tritt zu einer im Erfüllungsverhältnis begründeten zivilrechtlichen Schuld. Dass sich der Sozialh ilfeträger von den Folgen einer von ihm zu vertretenden Lei s- tungsstörung (hier: verzögerte Zahlung) nicht " einseitig " freizeichnen kann, ve r- steht sich von selbst. Die von der Revision aufgeworfene Frage, ob und inwieweit aus dem Sozialrecht herrührend e Anspruche möglicherweise zu verzinsen sind (zum Beispiel nach § 44 Abs. 1 SGB I), stellt sich im Streitfall nicht. Denn der Verg ü- tungsa nspruch der Klägerin hat - wie dargelegt - seine Grundlage in den zw i- schen ihr und den Pflegebedürftigen bestehenden (p rivatrechtlichen) Vertrag s- verhältnissen und nicht in sozialrechtlichen Vorschrif ten . e) Da der Beklagte die ordnungsgemäß eingereichten Rechnungen der Klägerin vom 9. September 2012 sowie 4. und 6. Novembe r 2012 - ohne Ang a- be von Gründen - erst am 25. März 2013 bezahlt hat, schuldet er gemäß § 288 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. § 286 Abs. 2 Nr. 2, Abs. 4 BGB Verzugszinsen. Gegen den von der Klägerin nach § 288 Abs. 1 Satz 2 BGB errechneten Betrag von 2. Das angefochtene Urteil hält den Angriffen der Revision auch insoweit stand, als das Berufungsgericht den Beklagten unter dem Gesicht s punkt des Schuldnerverzugs (§ 280 Abs. 1, 2, § 286 BGB) zur Erstattung vorgerichtlicher Rechtsanwaltskosten in Höhe von 21 BGB) verurteilt hat. 30 31 32 - 14 - a) Entgegen der Meinung der Revision ist der Klägerin ein Verzugssch a- den in Höhe der vorprozessual aufgewendeten Anwaltskosten entstanden. Rechtsverfolgungskosten sind gemäß § 280 Abs. 1, 2, § 286 BGB als adäquat verursachte Verzu gsfolge zu erstatten, wenn sie - nach Eintritt des Verzugs - aus Sicht des Forderungsgläubigers zur Wahrnehmung und Durchsetzung se i- ner Rechte erforderlich und zweckmäßig waren (st. Rspr., vgl. nur BGH , Urteile vom 8. November 1994 - VI ZR 3/94, BGHZ 127, 348, 350 und vom 23. Okto ber 2003 - IX ZR 249/02, NJW 2004, 444, 446; siehe auch Palandt/Grüneberg aaO § 286 Rn. 45). Diese Voraussetzungen sind hier erfüllt. Denn der Beklagte hat auf die Mahnungen der Klägerin nicht reagiert. Die Beauftragung von Recht s- anwältin W . mit der außergerichtlichen Geltendmachung der offenen Rec h- nungsbeträge erfolgte erst, nachdem die eigenen Bemühungen der Klägerin ersichtlich fruchtlos geblieben waren. Dabei ist ohne Bedeutung, ob es sich bei den geltend gemachten Forderungen um einfach gelagerte Fälle handelte. Zahlt der Schuldner auf die erste Mahnung des Gläubigers nicht, kann dieser die we i- tere Rechtsverfolgung auf Kosten des Schuldners einem Rechtsanwalt übertr a- gen (BGH, Urteil v om 8. November 1994 aaO S. 353). b) Die von der Klägerin geltend gemachte Geschäftsgebühr nach Nr. 2300 VV RVG ist entstanden. Es kommt für das Entstehen der Gebühr darauf an, ob der Rechtsanwalt zunächst mit der außergerichtlichen Geltendmachung der Ansprüche beauftragt und der Prozessauftrag allenfalls bedingt erteilt worden ist oder ob ein unb e- dingter Klageauftrag vorliegt (OLG Hamm, NJW - RR 2006, 242 f; OLG Frankfurt am Main, Urteil vom 20. Juli 2012 - 23 U 166/11, BeckR S 2013, 03573 = juris Rn . 55). Hat der Rechtsanwalt bereits von Anfang an einen unbedingten Klag e- auftrag erhalten, fallen auch die Tätigkeiten vor Erhebung der Klage allein unter 33 34 35 - 15 - die Verfahrensgebühr nach Nr. 3100 VV RVG (BGH, Urteil vom 14. De zember 2011 - IV ZR 34/11, NJW - RR 20 12, 486 Rn. 21; Gerold/Schmidt/Müller - Rabe, RVG, 21. Aufl., Vorb. 3 VV Rn. 14). Soweit die Revision im Streitfall einen u n- bedingten Klageauftrag annehmen will, übergeht sie den Hinweis von Recht s- anwältin W . in den - im Berufun gsurteil in Bezug genomm ene n - Mah n- schrei ben , sie werde ihrer Mandantschaft für den Fall, dass " wider Erwarten " kein fristgemäßer Zahlungseingang zu verzeichnen sein sollte, " anraten, ihren Anspruch gerichtlich durchzusetzen " . Daraus ergibt sich ohne weiteres , dass Rechtsanwältin W . zunächst nur mit der außergerichtlichen Geltendm a- chung der Forderungen beauftragt war und die Frage der Klageerhebung, auch wenn Klage e ntwürfe eventuell bereits gef ertigt gewesen sein sollten , noch der Entscheidung des A uftraggebers vorbehalten w ar. Ein unbedingter Prozessau f- trag war nach Sachlage auch noch nicht geboten, da der Versuch einer auße r- gerichtlichen Regu lierung mit anwaltlicher Hilfe - Einwendungen gegen die Rechnungen wurden von dem Beklagt en nicht erhoben - Aussicht auf Erfolg verspr ach und somit Grund zu der Annahme bestand, eine gerichtliche Ause i- nandersetzung vermeiden zu können (vgl. OLG Frankfurt am Main aaO). c) Zu Unrecht beruft sich die Revision darauf, dass die aus den Vertr ä- gen mit den Pflegebedürftigen D . , E . und T . resultierenden Vergütungsansprüche als eine einzige Angelegenheit im gebührenrechtlichen Sinn (§ 15 RVG) zu behandeln und daher nicht drei gesonderte Geschäftsg e- bühren nach Nr. 2300 VV R VG entstanden seien, sondern allenfalls eine G e- schäftsgebühr aus der Summe der Rechnungsbeträge. 36 - 16 - Unter einer " Angelegenheit " im gebührenrechtlichen Sinn ist das gesa m- te Geschäft zu verstehen, das der Rechtsanwalt für den Auftraggeber besorgen soll. Ihr Inhalt bestimmt den Rahmen, innerhalb desse n der Rechtsanwalt tätig wird. Um dieselbe Angelegenheit annehmen zu können, müssen drei Vorau s- setzungen kumulativ e rfüllt sein. Insbesondere muss - neben einem einheitl i- chen Auftrag und e inem gleichen Tätigkeitsrahmen - zwischen den einzelnen Gegenständen ein innerer obje ktiver Zusammenhang bestehen, das heißt es muss sich um einen einheitlichen Lebensvorgang handeln (OLG Frankfurt am Main, NJW - RR 2005, 67, 68; Gerold/Schmidt/Mayer aaO § 15 RVG Rn. 5 ff; Schneider/Wolf/N. Schneider, RVG, 7. Aufl., § 15 Rn. 22 ff). Zumindest die letztgenannte Voraussetzung ist im vorliegenden Fall nicht gegeben. Der Beau f- tragung von Rechtsanwältin W . lagen nicht nur drei getrennte Pflegevertr ä- ge, sondern auch drei unterschiedliche sozialhilferechtliche Verfahren zugru n- de, die unabhängig voneinander beurteilt werden mussten. Hinsichtlich jedes Hilfeempfängers mussten die Rechtsbeziehungen innerhalb des sozialhilf e- rechtlichen Dreiecksverhältnisses gesondert überprüft werden. Dabei war auch festzustellen, ob die abgerechn eten Leistungen den Vorgaben aus dem Grund - und Sachleistungsverhältnis entsprachen. Es lagen somit mehrere Angelege n- heiten im Sinne von § 15 RVG vor. d) Der Einwand der Revision, bei den anwaltlichen Mahnschreiben vom 27. Februar 2013 habe es sich le diglich um " Schreiben einfacher Art " im Sinne von Nr. 2302 VV RVG in der bis zum 31 . Juli 2013 geltenden Fassung (jetzt Nr. 2301 VV RVG in der Fassung des 2. Kostenrechtsmodernisierungsgesetzes vom 23. Juli 2013, BGBl. I S. 2586) gehandelt, so dass nur ein e Gebühr von 0,3 hätte angesetzt werden dürfen, trifft bereits im Ausgangspunkt nicht zu. Der 37 38 - 17 - niedrigere Gebührenrahmen kommt nur in Betracht, wenn der erteilte Auftrag von vornherein keinen über Nr. 2302 VV RVG aF beziehungsweise Nr. 2301 VV RVG nF hin ausgehenden Inhalt hatte, sich also auf eine einfache Anfrage oder eine einfache Mahnung oder Zahlungsaufforderung beschränkte (Gerold/ Schmidt/Mayer aaO VV 2301 Rn. 2; Hartmann, Kostengesetze, 45. Aufl., VV RVG 2301 Rn. 2 f). Der Rechtsanwältin W . erteilte Auftrag war nicht auf ein Schreiben einfacher Art beschränkt, sondern bezog sich auf die vollständige außergerichtliche Geltendmachung der Forderu ngen der Klägerin und umfasste - wie dargelegt - die eigenständige Überprüfung dreier voneinander un abhäng i- ger Sozialhilfeverfahren. e) Die Revision vermag schließlich auch nicht mit der Rüge durchzudri n- gen, das Berufungsgericht sei im Rahmen der Geschäftsgebühr nach Nr. 2300 VV RVG zu Unrecht von einer Mittelgebühr in Höhe von 1,3 ausgegangen. Der getätigte Aufwand rechtfertige nur d en Mindestgebührensatz von 0,5. Die Geschäftsgebühr nach Nr. 2300 VV RVG beträgt 0,5 bis 2,5. Nach der Anmerkung zu diesem Vergütungstatbestand kann eine Gebühr von mehr als 1,3 nur gefordert werden, wenn die Tätigk eit umfangreich oder schwierig war. Die Mindestgebühr von 0,5 kommt nur für denkbar einfachste außerg e- rich t liche Anwaltstätigkeiten in Betracht (Gerold/Schmidt/Mayer aaO VV 2300 Rn. 27). Da Letzteres im Streitfall ersichtlich ausscheidet und die Tätigkeit von Rechtsanwältin W . auch nicht deutlich über den Normalfall hinausging, hat 39 40 - 18 - das Berufungsgericht zu Recht die Regelgebühr von 1,3 der Honorarberec h- nung zugrunde gelegt. Schlick Seiters Tombrink Remmert Reiter Vorinstanzen: AG Berlin - Köpenic k, Entscheidung vom 26.03.2014 - 6 C 234/13 - LG Berlin, Entscheidung vom 17.09.2014 - 49 S 21/14 -
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