ECLI:DE:BGH:2018:300818BIIIZR42.18.0 BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS III ZR 42/18 vom 3 0. August 2018 in dem Rechtsstreit - 2 - Der III. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 30. August 2018 durch den Vorsitzenden Richter Dr. Herrmann, die Richter Tombrink, Dr. Remmert und Reiter sowie die Richterin Dr. Böttcher beschlossen: Der Senat beabsichtigt, die Revision der Klägerin gegen das Urteil des Landgerichts Karlsruhe - Zivilkammer XIX - vom 2. Februar 2018 gemäß § 552a Satz 1 ZPO durch einstimmigen Beschluss zurückzuweisen. Die Klägerin erhält Gelegenheit zur Stellungnahme binnen zwei Monaten nach Zustellung dieses Beschlusses. Gründe: I. Die Klägerin nimmt die Beklagte auf Zahlung restlichen Entgelts für eine stationäre Krankenhausbehandlung in Anspruch. Bei der 1995 gegründe ten A . Sportklinik handelt es um eine öffen t- lich nicht geförderte Privatklinik. Die in demselben Gebäudekomplex in der R . Straße in P . untergebrachte A . Klinik wurde im Jahr 2006 gegründet und wird als Plankrankenhau s durch das Land Baden - Württemberg öffentlich gefördert. Wegen der näheren Einzelheiten zur räumlichen und org a- 1 2 - 3 - nisatorischen Verbundenheit der beiden Krankenhäuser wird auf das Senatsu r- teil vom 17. Mai 2018 - III ZR 195/17, BeckRS 2018, 10540 Rn. 2 - 4, 65 - 6 9 (zur Veröffentlichung in BGHZ vorgesehen) verwiesen. Die Beklagte wurde am 21. März 2013 in der A . Sportklinik an der rechten Schulter operiert und anschließend bis zum 22. März 2013 stationär behandelt. Unter dem 26. März 2013 berechnete die Klägerin einen Betrag von r- den vonseiten der Beklagten - inklusive Einbettzimmerzuschlag - der Differenz zwischen den Privattarifen der Klägerin und dem Entgelt, das sich für die stationäre Behandlung in einem Plankrankenhaus auf der Basis des DRG - Fallpauschalensystems ergibt. Die Klägerin hat geltend gemacht, sie sei als reine Privatklinik ber echtigt, ihre Preise mit den Patienten im Rahmen des bürgerlichen Rechts frei zu ve r- einbaren, und unterliege nicht den preisrechtlichen Vorgaben des seit dem 1. Januar 2012 geltenden § 17 Abs. 1 Satz 5 Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG). Mit dieser Besti mmung, die die Entgelthöhe für allgemeine Kranke n- hausleistungen auf die Pflegesätze eines Plankrankenhauses beschränke, h a- be der Gesetzgeber auf die nachträgliche (missbräuchliche) Ausgründung von Privatkliniken aus bestehenden Plankrankenhäusern reagieren wollen. Demg e- genüber sei die Klägerin schon vor der A . Klinik gegründet worden. § 17 Abs. 1 Satz 5 KHG sei zudem formell und materiell verfassungswidrig und d a- mit nichtig. Jedenfalls schließe § 20 KHG seine Anwendung aus. Die beiden Kliniken seien nicht organisatorisch verbunden. Es fehle auch an der erforderl i- chen räumlichen Nähe, da die A . Sportklinik in P . einen weiteren Standort unterhalte. 3 4 - 4 - Das Amtsgericht hat die Klage abgewiesen. Die Berufung der Klägerin hat keinen Erfolg geh abt. Mit ihrer vom Landgericht zugelassenen Revision ve r- weiter. II. Der Senat ist einstimmig davon überzeugt, dass die Voraussetzungen für die Zulassung der Revision nich t (mehr) vorliegen und das Rechtsmittel im E r- gebnis keine Aussicht auf Erfolg hat. 1. Das Berufungsgericht hat im Wesentlichen ausgeführt, einem weiteren Vergütungsanspruch der Klägerin stehe die Vorschrift des § 17 Abs. 1 Satz 5 KHG entgegen, wodurch d er Entgeltanspruch auf den bereits bezahlten Betrag gemäß § 134 BGB begrenzt werde. Gegen die Verfassungsmäßigkeit der Vo r- schrift bestünden keine Bedenken. Ihrer Anwendbarkeit stehe auch § 20 Satz 1 KHG nicht entgegen, wobei offen bleiben könne, ob ein Fal l der Spezialität oder ein schlichtes Redaktionsversehen des Gesetzgebers vorliege. § 17 Abs. 1 Satz 5 KHG sei nicht allein auf nachträglich - und missbräuchlich - aus einem bestehenden Plankrankenhaus ausgegründete Privatkliniken anwendbar, so n- dern finde auch im zeitlich umgekehrten Fall (mithin auch im Streitfall) Anwe n- dung. Die Tatbestandsvoraussetzungen der Norm lägen vor. Bei der A . Sportklinik handele es sich um eine "Einrichtung" im Sinne des § 17 Abs. 1 Satz 5 KHG. Sie liege in "räumlicher Nähe" zu der A. Klinik und sei mit dieser auch "organisatorisch verbunden". Unstreitig sei die durchgeführte Op e- ration vom Versorgungsauftrag der A . Klinik umfasst. 5 6 7 - 5 - Das Berufungsgericht hat die Revision im Hinblick auf eine Vielzahl p a- ra l lel gelagerter Rechtsstreitigkeiten nach § 543 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 ZPO zug e- lassen. 2. a) Die Voraussetzungen für die Zulassung der Revision liegen nicht (mehr) vor. Weder hat die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung noch erfo r- dert die Fortbildung des R echts oder die Sicherung einer einheitlichen Rech t- sprechung eine Entscheidung des Revisionsgerichts (§ 543 Abs. 2 Satz 1 ZPO). Maßgeblich ist insoweit der Zeitpunkt der Entscheidung des Revisionsg e- richts (st. Rspr.; vgl. nur Senatsbeschlüsse vom 24. Septem ber 2015 - III ZR 363/14, BeckRS 2015, 17165 Rn. 8 und vom 30. November 2017 - III ZR 622/16, BeckRS 2017, 135558 Rn. 8; BGH, Beschluss vom 20. Januar 2005 - I ZR 255/02, NJW - RR 2005, 650 f jew. mwN). Die im Streitfall entscheidung s- erheblichen Rechtsfrage n sind durch das in einer identisch gelagerten Sache ergangene Urteil des Senats vom 17. Mai 2018 (III ZR 195/17, BeckRS 2018, 10540, zur Veröffentlichung in BGHZ vorgesehen) inzwischen höchstrichterlich - zum Nachteil der Klägerin - geklärt. b) Danac h hat die Revision der Klägerin keine Aussicht auf Erfolg. aa) Unstreitig ist ihre Entgeltforderung bis zur Höhe der nach dem DRG - System berücksichtigungsfähigen Fallpauschale (§ 17b KHG i.V.m. §§ 7 ff KHEntgG) durch Zahlung erfüllt. Einem darüber hin ausgehenden Vergütung s- anspruch steht die Regelung des § 17 Abs. 1 Satz 5 KHG entgegen, wonach eine mit einem Plankrankenhaus räumlich und organisatorisch verbundene Pr i- vatklinik für allgemeine, dem Versorgungsauftrag des Plankrankenhauses en t- sprechende Kra nkenhausleistungen an die Entgeltobergrenzen gebunden ist, 8 9 10 11 - 6 - die sich aus dem Krankenhausfinanzierungsgesetz und dem Krankenhausen t- geltgesetz ("DRG - Fallpauschalensystem") sowie der Bundespflegesatzveror d- nung ergeben (Senatsurteil aaO Rn. 16 mwN). Im Streitfa ll ist die Entgeltford e- rung der A . Sportklinik somit von Anfang an nur in Höhe der maßgebl i- chen - von der Patientin bereits bezahlten - Fallpauschale entstanden. bb) Ohne Erfolg wendet sich die Revision gegen die Verfassungsmäßi g- keit von § 17 Abs. 1 Satz 5 KHG. Die Vorschrift ist weder formell noch materiell verfassungswidrig (Senatsurteil aaO Rn. 17 - 59). cc) Entgegen der Auffassung der Revision besteht keine Notwendigkeit, die Vorschrift des § 17 Abs. 1 Satz 5 KHG unter Berücksichtigun g ihrer Entst e- hungsgeschichte sowie ihres Sinns und Zwecks teleologisch bzw. verfassung s- konform dahingehend auszulegen, dass von ihrem Anwendungsbereich nur die von dem Träger eines vorbestehenden Plankrankenhauses "ausgegründete" oder erstmalig gegründete Privatklinik erfasst wird. Die mit der angeordneten Preisobergrenze verfolgten Ziele des Gesetzgebers gelten sowohl für den Fall der Ausgründung einer Privatklinik als auch für den Fall der Ausgründung eines Plankrankenhauses am Standort einer bereits bes tehenden Privatklinik. In be i- den Fallkonstellationen besteht in gleicher Weise die Möglichkeit der "Verlag e- rung" von Privatpatienten in die mit dem Plankrankenhaus verbundene private Einrichtung mit der Folge, für weitgehend identische Krankenhausleistunge n deutlich höhere Entgelte verlangen zu können (Senatsurteil aaO Rn. 43 - 47). 12 13 - 7 - dd) Zutreffend hat das Berufungsgericht ausgeführt, dass die Anwe n- dung von § 17 Abs. 1 Satz 5 KHG auf nicht öffentlich geförderte Privatkliniken (ohne Versorgungsauftrag) nic ht durch § 20 Satz 1 KHG ausgeschlossen ist. Beide Vorschriften haben unterschiedliche Regelungsgegenstände (Senatsu r- teil aaO Rn. 61). Außerdem greift der Grundsatz "lex posterior derogat legi priori" ein (Senatsurteil aaO Rn. 62). ee) Das Berufungsg ericht ist schließlich ohne Rechtsfehler zu dem E r- gebnis gelangt, dass es sich bei der A . Sportklinik um eine Einrichtung im Sinne des § 17 Abs. 1 Satz 5 KHG handelt, die in räumlicher Nähe zu der A . Klinik, einem Plankrankenhaus, liegt u nd mit dieser auch organisat o- risch verbunden ist (Senatsurteil aaO Rn. 65 - 69). Die organisatorische Verbundenheit zwischen der A . Sportklinik und der A . Klinik wird auch nicht dadurch in Frage gestellt, dass die z u- ständigen Landesbeh örden nach regelmäßiger Überprüfung keine Beansta n- dungen gemäß § 32 des Landeskrankenha usgesetzes Baden - Württemberg (LKHG) erhoben haben. Diese Bestimmung verlangt lediglich eine eindeutige "Abgrenzung" in räumlicher, personeller und organisatorischer Hinsicht. Dies schließt jedoch - wie gerade das Beispiel der A . Sportklinik zeigt - eine 14 15 16 - 8 - "organisatorische Verbundenheit" im Sinne des § 17 Abs. 1 Satz 5 KHG nicht aus (Senatsurteil aaO Rn. 69). Herrmann Tombrink Remmert Reiter Böttcher Vorinstanzen: AG Pforzheim, Entscheidung vom 29.06.2017 - 2 C 314/16 - LG Karlsruhe, Entsc heidung vom 02.02.2018 - 19 S 140/17 -
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