BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS I ZR 89/09 vom 28. September 2011 in dem Rechtsstreit Nachträglicher Leitsatz Nachschlagewerk: ja BGHZ: nein BGHR: ja ZPO § 128 Abs. 4, § 148 Die Entscheidung über die Aussetzung nach § 148 ZPO kann ohne mündl i- che Verhan dlung ergehen. BGH, Beschluss vom 28. September 2011 - I ZR 89/09 - OLG Frankfurt/Main LG Wiesbaden - 2 - Der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 28. September 2011 durch den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Bornkamm und die Richter Prof. Dr. Büscher, Dr. Schaffert, Dr. Kirchhoff und Dr. Löffler beschlossen: Das Verfahren wird bis zum rechtskräftigen Abschluss des beim Thüringer Oberverwaltungsgericht anhängigen Berufungsverfa h- rens gegen das Urteil der 5. K ammer des Verwaltungsgerichts Gera vom 14. Dezember 2010 (5 K 155/09 Ge) ausgesetzt (§ 148 ZPO). Gründe: Die Entscheidung des Rechtsstreits hängt davon ab, ob die dem Bekla g- ten zu 1 im Jahre 1990 vom Gewerbeamt der Stadt Gera erteilte Gewerbee r- laubnis ungeachtet § 4 Abs. 4 GlüStV das Recht u mfasst, Personen im Bunde s- land Hessen Sportwetten über das Internet anzubieten. Das Verwaltungsgericht Gera hat dies bejaht. Es hat im Tenor seiner Entscheidung festgestellt, dass die hiesige Beklagte zu 1 im Hinblick auf die ihr 1990 erteilte Gewerbeerlau bnis nach Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags nicht darin beschränkt werden kann, fortgesetzt über das Internet Sportwetten abzuschließen, gleichgültig an welchem Ort sich der Spieler bei der Abgabe der Wette in Deutschland aufhält, und für ihre Tä tigkeit zu wer b en. Das Verfahren über die Berufung der Klägerin gegen dieses Urteil ist beim Oberverwaltungsgericht Weimar anhängig (3 KO 161/11). Im Hinblick darauf, dass das Urteil des Verwaltungsgerichts G e- ra möglicherweise nicht im Einklang mit der Ent scheidung des Bundesverwa l- 1 - 3 - tungsgerichts vom 1. Juni 2011 steht (8 C 5.10, juris), ist die Aussetzung des Rechtsstreits geboten. Die Entscheidung ergeht nach § 128 Abs. 4 ZPO ohne mündliche Ve r- handlung. Ein Teil des Schrifttums steht allerdings nach wie vor auf dem Stan d- punkt, eine Aussetzungsentscheidung nach § 148 ZPO könne nur aufgrund mündlicher Verhandlung ergehen. Sie stützt sich dabei auf den Beschluss des Reichsgerichts vom 15. November 1897 (I 93/97, RGZ 40, 373, 374 f.), wonach eine Analogie zu § 248 Abs. 2 ZPO nicht in Betracht komme (MünchKomm. ZPO/Wagner, 3. Aufl., § 148 Rn. 13; Wieczorek/Schütze/Smid, ZPO, 3. Aufl., § 148 Rn. 57; Zimmermann, ZPO, 9. Aufl., § 148 Rn. 2). Eine Gegenauffassung hält dagegen in entsprechender Anwendung von § 248 A bs. 2 ZPO eine En t- scheidung ohne mündliche Verhandlung für zulässig (vgl. Baumbach/Lauter - bach/Albers/Hartmann, ZPO, 69. Aufl., § 148 Rn. 35; Thomas/Putzo/Reichold, ZPO, 32. Aufl., § 148 Rn. 2; vermittelnd Zöller/Greger, ZPO, 28. Aufl., § 148 Rn. 7a). Dabe i wird übersehen, dass der Streitfrage, ob eine analoge Anwe n- dung des § 248 Abs. 2 ZPO in Betracht kommt, durch das Gesetz zur Reform 2 - 4 - des Zivilprozesses vom 27. Juli 2001 (BGBl. I, S. 1887) die Grundlage entzogen worden ist. Denn seitdem ist in § 128 Abs . 4 ZPO geregelt, dass Entscheidu n- gen, die keine Urteile sind, stets ohne mündliche Verhandlung ergehen können, soweit nichts anderes bestimmt ist (vgl. Stein/Jonas/Roth, ZPO, 22. Aufl., § 148 Rn. 35; Musielak/Stadler, ZPO, 8. Aufl., § 148 Rn. 8; Saenger/ Wöstmann, ZPO, 4. Aufl., § 148 Rn. 7; Dörr in Prütting/Gehrlein, ZPO, 3. Aufl., § 148 Rn. 1). Bornkamm Büscher Schaffert Kirchhoff Löffler Vorinstanzen: LG Wiesbaden, Entscheidung vom 28.03.2007 - 11 O 56/06 - OLG Frankfurt/Main, Entscheidung vom 04. 06.2009 - 6 U 93/07 -
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